Goldman erhöht Einstiegslohn So weit liegen die Wall-Street-Gehälter über hiesigem Niveau

Mit Goldman Sachs hat eine weitere US-Bank ihren Einstiegslohn nach oben geschraubt. Ein Vergleich zeigt: Von hiesigen Vergütungsverhältnissen hat sich die Wall Street weit entfernt.
Banker an der Wall Street: Die Geldhäuser wetteifern mit üppigen Gehältern um gute Leute

Banker an der Wall Street: Die Geldhäuser wetteifern mit üppigen Gehältern um gute Leute

Foto: LUCAS JACKSON / REUTERS

Die jüngste Gehaltserhöhung, die die US-Bank Goldman Sachs Neueinsteigern in ihrer Investmentbanking-Sparte gewährt, macht deutlich, wie weit die Vergütungen an der Wall Street von hiesigen Gepflogenheiten entrückt sind. Über den Schritt von Goldman Sachs berichteten am Montag die "Financial Times"  und andere Medien : Demnach erhalten Analysten im Investmentbanking der US-Bank künftig in ihrem ersten Jahr ein Grundgehalt von 110.000 Dollar - zuzüglich möglicher Boni. Gegenüber der bisherigen Einstiegsvergütung für junge Goldmänner in Höhe von 85.000 Dollar im Jahr stellt das eine erhebliche Steigerung dar. Im zweiten Jahr steigt der Satz auf 125.000 Dollar, schreibt die "FT" mit Verweis auf mit dem Thema vertraute Personen.

Hintergrund der Gehaltssteigerung sind zum einen die enorm gut laufenden Geschäfte, die US-Banken im Investmentbanking derzeit machen. So konnten Goldman Sachs, JP Morgan und andere zuletzt nach überstandener Corona-Krise wieder Milliardengewinne melden. Auch Morgan Stanley, JP Morgan, Barclays, Citigroup, Bank of America und andere Geldhäuser hatten deswegen ihre Einstiegsgehälter zuletzt nach oben gesetzt. Laut "FT" zahlen die Institute Neueinsteigern nun im Schnitt 100.000 Dollar im Jahr. Goldman hinkte mit seiner Vergütung bislang hinter dem Gros der Branche hinterher und setzt sich mit dem neuen Wert nun an die Spitze.

Streit um 95-Stunden-Woche

Dabei dürften auch Klagen von Mitarbeitern über die enorme Arbeitsbelastung bei der US-Bank eine Rolle gespielt haben. Im März dieses Jahres war eine Präsentation junger Goldman-Analysten öffentlich geworden, wonach 95-Stunden-Wochen bei der Bank üblich seien , verbunden mit lediglich fünf Stunden Schlaf pro Nacht, beginnend um drei Uhr morgens. Goldman-Chef David Solomon (59) hatte bereits nach seinem Amtsantritt 2018 angekündigt, die Arbeitsbelastung verringern zu wollen, unter anderem durch das Aufstocken der Zahl der Mitarbeiter. Dazu gehörte zudem die Anordnung, dass junge Mitarbeiter freitags ab 21 Uhr und am Samstag gar nicht mehr arbeiten müssen. Die aktuelle Gehaltserhöhung dürfte in diesem Kontext auch der Versuch sein, junge Talente vom Wechsel zur Konkurrenz abzuhalten.

Von den Gehältern, die die Wall-Street-Institute zahlen, können Berufsstarter hierzulande nur träumen. Das zeigt ein Blick in den jüngsten "Gehaltsreport 2021"  der Jobplattform Stepstone. Demnach gehören Jobs im Bank- und Finanzgewerbe auch in Deutschland zu den bestbezahlten Beschäftigungen - allerdings auf deutlich niedrigerem Niveau als bei den US-Banken.

Stepstone zufolge verdienen Finanzexperten hierzulande im Schnitt rund 72.800 Euro brutto im Jahr (umgerechnet etwa 87.600 Dollar), womit sie im Gehaltsranking hinter Ärzten (rund 89.500 Euro) Platz zwei belegen. Es folgen Juristen (rund 68.600 Euro) und Unternehmensberater (rund 64.200 Euro).

Dazu passend zahlen Unternehmen in Hessen - mit der Bankenmetropole Frankfurt am Main als wichtigem Standort - laut Stepstone deutschlandweit die höchsten Gehälter, gefolgt von den traditionell wirtschaftsstarken Südländern Baden-Württemberg und Bayern. Frankfurt selbst ist der Jobplattform zufolge die Großstadt mit dem bundesweit höchsten Gehaltsniveau von durchschnittlich rund 66.500 Euro brutto im Jahr. Dahinter liegen Stuttgart (rund 66.200 Euro) und München (rund 65.200 Euro).

Deutschlandweit liegt das Durchschnittsgehalt der Übersicht zufolge bei brutto knapp 57.000 Euro im Jahr. Führungskräfte erhalten mit rund 66.100 Euro im Schnitt etwa 16.500 Euro mehr als Fachkräfte ohne Personalverantwortung, so Stepstone.

All diese Beträge liegen weit unter dem Einstiegsniveau an der Wall Street, dabei ist die Arbeitsbelastung beispielsweise im Pflege- oder Gesundheitssektor hierzulande bekanntlich ebenfalls enorm. Bei Goldman Sachs würde sich bei einem solchen Vergütungsniveau jedoch wohl kaum jemand bis morgens um drei Uhr die Nacht um die Ohren schlagen.

cr