Hohe Vorstandsgehälter Teurer Chef, schwache Aktie

Üppige Gehaltspakete der Konzernchefs bringen Aktionäre in Wallung - mit gutem Grund: Oft besteht ein Zusammenhang zwischen exorbitanten Vorstandsgehältern und der mauen Entwicklung einer Aktie.
Von Arne Gottschalck
Expedia-Chef Dara Khosrowshahi: Sein Gehalt ist um 880 Prozent gestiegen. Der Aktienkurs von Expedia ist dagegen seit Jahresbeginn um rund 10 Prozent gesunken

Expedia-Chef Dara Khosrowshahi: Sein Gehalt ist um 880 Prozent gestiegen. Der Aktienkurs von Expedia ist dagegen seit Jahresbeginn um rund 10 Prozent gesunken

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Die Hauptversammlungs-Saison neigt sich dem Ende zu, und dieses Jahr ging es vielfach um die Wurst. Nicht im wörtlichen Sinn wie zuletzt am Buffett von Daimler, sondern viel häufiger um die stolzen Gehaltspakete der Vorstände. Immer mehr Aktionäre wollen die Millionensummen nicht mehr so einfach abnicken. Bei BP zum Beispiel stimmten 59 Prozent der Aktionäre gegen das Entlohnungspaket von BP-Chef Bob Dudley - der größte Protest seit vier Jahren, wie die "FT" protokolliert. Auch der Fall von Expedia-Chef Dara Khosrowshahi sorgt für Ärger unter Aktionären. Er kam 2015 auf einen Gehaltszuschlag von 880 Prozent auf rund 95 Millionen Dollar - während der Kurs der Expedia-Aktie seit Monaten vor sich hin dümpelt.

Sir Martin Sorrell wird sich bald ähnlich laute Kritik anhören müssen. Sein Gehalt liegt mit 70 Millionen Pfund rund 1.444mal so hoch wie das des durchschnittlichen Mitarbeiters seines Werbeimperiums WPP. Auch bei der Deutschen Bank lehnten die Aktionäre das neue Vergütungssystem für den Vorstand ab. Bindend ist deren Aufbegehren nicht, aber es sendet ein Signal an Investoren.

Institutionelle Investoren achten auf viele Faktoren eines Unternehmens, dessen Gewinnaussichten, die Margenstärke und der Preis der Aktie. "Dazu gehört aber die 'Corporate Governance', in deren Rahmen wiederum die Bezahlung der Geschäftsführung/des CEO eine Rolle spielt", sagt Michael Heidecker vom Beratungshaus Stratfields. Kernfrage - steht die Entlohnung in einem vernünftigen Verhältnis zum Erfolg des Unternehmens.

Die Fondsgesellschaft Fidelity schaut bereits genauer hin. "Bereits 2012 haben wir uns auf den Standpunkt gestellt, eine dreijährige LTIP-Frist sei zu kurz", erklärt Dominic Rossi, globaler Aktienchef des Unternehmens. LTIP steht für "long term incentive plan" - variable Gehaltsbestandteile also. "Wir hatten die Sorge, dass diese Management-Anreize zu sehr dem kurzen Ende zugeneigt waren", heißt es bei Fidelity. Long-Term-Boni sollten nur fließen, wenn ein Konzern über einen Zeitraum von mindestens fünf Jahren erfolgreich ist und seine Ziele erreicht. Fidelity gehört seitdem zu den Investoren, die sich schon mal gegen ein Gehaltspaket sperren.

Zu viel Geld für den Chef wirkt oft als Bremse für den Aktienkurs

Doch nicht nur die Zusammensetzung des Gehalts sorgt für Stirnrunzeln. Beispiel ist der Konsumgüterkonzern Reckitt Benckiser, an dessen Spitze Rakesh Kapoor steht. 2015 erhielt er für seine Arbeit mit 23 Millionen Pfund fast doppelt so viel Geld wie im Jahr zuvor. Stefan Stern vom Thinktank "High Pay Centre" fragt daher: "Hat sich der Zustand des Unternehmens um 100 Prozent gebessert? Geht es den Angestellten um 100 Prozent besser? Da gibt es eine ziemliche Verzerrung".

Auch Privatanlegern sollte die Höhe eines Vorstandsgehalts nicht egal sein. Oftmals kann eine extrem hohe Vergütung des Topmanagement auch als Warnsignal für Aktionäre dienen: Die künftige Wertentwicklung einer Aktie kann unter überhöhten Gehaltspaketen für die Vorstände leiden, heißt es in der Studie, die Michael J. Cooper, Huseyin Gulen und P. Raghavendra Rau von den Universitäten Utah, Purdue und Cambridge Ende 2014 veröffentlichten. Bis zu drei Jahre lang soll diese Großzügigkeit als Kursbremse für die Aktie wirken. .

Besonders stark sei der Effekt bei jenen CEOs ausgeprägt, die im Vergleich zur Konkurrenz höhere leistungsbezogene Gehaltsbestandteile bekommen. Denn diese Vorstände würden eher zu teuren Unternehmenszukäufen greifen, um kurzfristig Umsatz und Marktanteile in die Höhe zu treiben, so die Wissenschaftler. Ob die Integration jedoch gelingt und durch den Zukauf tatsächlich ein wertvollerer Konzern entsteht, sei eine andere Frage. Teurer Chef, schwache Aktie?

WPP-Chef Martin Sorrell, Topverdiener in Großbritannien, wird den 8. Juni mit Spannung erwarten. Umgerechnet 88 Millionen Euro bekam er im vergangenen Jahr, er sei "jeden Penny wert", so Sorrell. Am 8. Juni hat er während der Hauptversammlung Gelegenheit, dies auch den Aktionären zu erklären. Und überhaupt: Im Vergleich zu Patrick Soon-Shiong, Chef der US-Krebsforschungsfirma NantKWest, ist Sorrell geradezu ein armer Schlucker.

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