Trotz EZB-Zinserhöhung Viele Banken erheben weiter Negativzinsen

Seit Wochen können Banken und Sparkassen wieder überschüssiges Geld bei der EZB zum Nulltarif parken. Gut 80 der Institute stellen ihren Kunden aber weiter Strafzinsen in Rechnung. Verbraucherschützer halten an ihren Klagen fest.
Negativzinsen: Die große Mehrheit der Sparkassen und Banken verlangt von ihren Kunden kein Verwahrentgelt mehr, rund 80 Institute stellen ihren Kunden aber weiter Negativzinsen in Rechnung

Negativzinsen: Die große Mehrheit der Sparkassen und Banken verlangt von ihren Kunden kein Verwahrentgelt mehr, rund 80 Institute stellen ihren Kunden aber weiter Negativzinsen in Rechnung

Foto: Daniel Karmann / dpa

Vor gut einem Monat hat die Europäische Zentralbank den Leitzins erhöht den Negativzins von 0,50 Prozent für Geschäftsbanken abgeschafft: Die Institute müssen somit nicht mehr draufzahlen, wenn sie überschüssiges Geld bei der EZB parken. Dennoch erheben weiterhin mehrere Dutzend Kreditinstitute Negativzinsen auf dem Tagesgeld- oder Girokonto.

Nach Daten des Vergleichsportals Verivox weisen aktuell noch mindestens 79 Geldhäuser in ihren Preisverzeichnissen Minuszinsen aus. Mehr als 80 Prozent der betroffenen Institute haben dagegen das sogenannte Verwahrentgelt gestrichen, wie aus der Auswertung von rund 1300 Banken und Sparkassen hervorgeht (Stand: 17. August).

"Die große Mehrheit der Banken hat nach der Zinserhöhung schnell reagiert und ihre Negativzinsen abgeschafft", berichtete Oliver Maier, Geschäftsführer der Verivox Finanzvergleich GmbH. Er rechnet damit, dass weitere Institute nachziehen. "Spätestens nach dem nächsten Quartalswechsel dürfte höchstens noch eine Handvoll Banken Negativzinsen im Privatkundengeschäft erheben."

Große Mehrheit der Banken schafft Verwahrentgelt ab

Nach Daten des Verbraucherportals Biallo weisen noch 35 Banken Negativzinsen im Preisaushang oder auf ihrer Seite aus (Stand: 10. August). Zum Höchststand Ende Mai verlangten demnach 582 der untersuchten Banken und Sparkassen ein Verwahrentgelt, oft in Höhe von 0,5 Prozent ab Überschreiten bestimmter Summen auf dem Konto.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte am 21. Juli angesichts der Rekord-Inflation die Leitzinsen im Euroraum erstmals seit elf Jahren wieder erhöht. Damit entfiel auch der Strafzins von 0,5 Prozent, den Kreditinstitute zahlen mussten, wenn sie Gelder bei der Notenbank parken. Viele Geldhäuser hatten den Negativzins ab bestimmten Summen auf dem Konto an Privatkunden weitergegeben.

Verbraucherschützer halten Negativzinsen auf Privatguthaben auf Giro- und Tagesgeldkonten für unzulässig, egal ob bei Neukunden oder Bestandskunden. Aktuell sind sechs Klagen der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) gegen verschiedene Kreditinstitute anhängig. Erste Urteile gibt es, sie sind aber noch nicht rechtskräftig.

Verbraucherschützer halten Klagen gegen Verwahrentgelte aufrecht

"Man kann nur hoffen, dass die Branche die sogenannte Zinswende zum Anlass nimmt, sich auch ohne weitere Unterlassungsklagen von uns oder den Verbraucherzentralen wieder von diesem rechtlich sehr umstrittenen Instrument zu verabschieden", sagte vzbv-Rechtsreferent David Bode. "Ohne entsprechende prozessuale Erklärungen werden die Verfahren jedoch weiterverfolgt."

Zugleich kritisierte Bode die Begründung der Finanzbranche für die Minuszinsen. "Aufgrund der bereits seit 2019 für die Institute eingeräumten erheblichen Freibeträge halten wir den behaupteten Zusammenhang mit den Einlagezinsen bei der EZB für zumindest teilweise vorgeschoben."

Guthabenzinsen steigen, gleichen Inflation aber nicht annähernd aus

Sparinnen und Sparer können wegen der EZB-Zinserhöhung zwar auf steigende Zinsen für Festgeld und Co. hoffen. Die ersten Anbieter würden mit Sonderkonditionen bereits um Neukunden werben, berichtete Maier. Allerdings nagt nun die hohe Inflation am Ersparten. "Selbst die zinsstärksten Angebote gleichen die Inflation bei Weitem nicht aus", sagte Maier.

Verivox wertet im Internet die Konditionen für Tagesgeld-, Giro- und Verrechnungskonten von etwa 1300 Banken und Sparkassen aus. Da nicht alle Institute ihre Zinsen frei zugänglich auf ihrer Website veröffentlichen, könnte es weitere Institute geben, die noch Negativzinsen verlangen.

rei/dpa-afx
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