Mittwoch, 26. Juni 2019

Kredithäuser in Sozialen Medien Banken auf FB und Instagram - bloß nicht nur über Geld reden!

Social Media-Ranking: Womit Banken Klicks gewinnen
storyclash

Social-Media-Ranking: Ing-Diba und Fintech-Start-up N26 punkten bei ihren Followern, weil ihre Posts keine trockene Finanzwerbung sind.

Humor und schöne Bilder kommen in den sozialen Netzwerken gut an, Finanzthemen eher weniger. Das ist nicht sonderlich überraschend, gilt aber sogar für Banken, die auf Facebook und Instagram für ihre Finanzdienstleistungen werben. Keine andere Bank brachte es in den sozialen Medien zu mehr Interaktionen, also Likes und Kommentare, als die Ing-Diba. Die Direktbank setzt auf Bilder mit finanzbezogenen Witzen.

Das Ranking, welcher Finanzdienstleister seine Follower in den sozialen Netzwerken am besten erreicht, hat das Unternehmen Storyclash erstellt. Storyclash hat eine Auswahl an etablierten Banken und Fintech-Start-ups unter die Lupe genommen. Mit fast 50.000 Interaktionen ist Ing-Diba mit Abstand Spitzenreiter, auf dem zweiten Platz folgt mit mehr als 18.000 Interaktionen das Fintech-Start-up N26, das sich auf die Kontoführung per Smartphone konzentriert hat.

Ing-Diba punktet bei seinen Followern mit eher schlichtem Humor. Unter den zehn erfolgreichsten Posts von Banken im Juli sind die ersten fünf von Ing-Diba abgesetzt worden. Mehr als 22.000 Reaktionen hat ein Facebook-Post ausgelöst, der die Follower auf folgende Weise zum Lachen bringen soll: "Heute in der Bank hat mich eine süße Angestellte bedient. Aber flirte mal mit einer Frau, die deinen Kontostand kennt." Der Scherz passt tatsächlich gar nicht zu der Direktbank ohne eigenes Filialnetz - aber dieser Aspekt ist für Ing nebensächlich.

Weniger humorvoll, dafür aber viel erfolgreicher auf Instagram als Ing-Diba (weniger als 5000 Follower) ist das Fintech-Start-up N26. Rund 34.000 User folgen der 2013 in Berlin gegründeten Direktbank, die ihren Kunden ein Girokonto anbietet, das sich per Smartphone-App verwalten lässt. Knapp 60 Prozent der rund eine Million Kunden sind laut N26 unter 35 Jahre alt. Viele Posts von N26 auf Instagram haben wenig mit Finanzen zu tun, sondern drehen sich ums Reisen oder zeigen Fotos von optisch ansprechendem Essen. Die Banker legen auch in ihrem Instagram-Profil sehr viel Wert auf ein einheitliches Design mit hellen, minimalistisch gehaltenen Bildern.

Den dritten Platz im Storyclash-Ranking belegt die Hamburger Sparkasse Haspa mit rund 18.000 Interaktionen, hauptsächlich auf Facebook. Haspa setzt auf Posts mit Hamburg-Bezug und auf Rabattaktionen. Außer N26 schafft es kein weiteres Fintech in die obere Hälfte des Rankings. Der fintechnahe Finanzdienstleister Fidor Bank (Platz 7), sowie die besonders für Gründer interessanten Fintechs Kontist und Penta (Platz 10 und 11) werben mit Posts rund um ihre Produkte für Likes - eine Strategie, die nach Einschätzung der Studien-Autoren nicht ganz aufgeht.

Auffallend schlecht schneidet die Deutsche Bank ab. Das größte Kreditinstitut Deutschlands landet nur auf dem achten Platz mit knapp 2500 Interaktionen - trotz mehr als 143.000 Followern auf Facebook. Auf Instagram setzt die Deutsche Bank zu viele Posts über ein und dasselbe Thema ab, etwa aktuell über eine Ausstellung in Berlin. Die Videos auf der Facebook-Seite erregen sogar den Zorn der Follower. Unter ein Video über Cybersicherheit schreibt etwa ein Facebook-User: "Ausgerechnet die Deutsche Bank verteilt Tipps. Danke! Aber nein."

Ing-Diba und N26 haben kein Filialnetz und sind deshalb nicht an jeder Straßenecke für den Kunden sichtbar. Die Deutsche Bank ist mit Filialen in ganz Deutschland automatisch bekannter. Auf eine Präsenz in den sozialen Medien wollen aber beide nicht verzichten: Gerade in Krisensituationen kann eine kluge, publikumsnahe Social-Media-Strategie für Konzerne Gold wert sein.

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