Lehre aus 10 Jahren Finanzkrise Privatisiert die deutschen Sparkassen!

Von Markus Schön
Deutschland braucht seine noch verbliebenen Großbanken. Sparkassen müssen privatisiert werden dürfen, um die Risiken im Finanzmarkt zu reduzieren und die Leistungsfähigkeit des Finanzplatzes Deutschland mit wieder bedeutenden Kreditinstituten herzustellen.
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Als vor zehn Jahren die US-Investmentbank Lehman Brothers zusammenbrach und ein weltweites Beben an den Finanzmärkten auslöste, taumelte die Weltwirtschaft in den stärksten wirtschaftlichen Abschwung seit der großen Depression 1929. Noch immer sind viele Folgen nicht aufgearbeitet, sondern nur durch die Politik des billigen Geldes der Europäischen Zentralbank übertüncht. Tatsächlich spürt man, dass im Finanzsektor weiterhin viel im Argen liegt.

Markus Schön
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Markus Schön ist Vermögensverwalter und Geschäftsführer der Schön & Co GmbH . Er hat mehrere Bücher geschrieben und 2007 die gemeinnützige Giving Tree Stiftung gegründet, die benachteiligte Kinder und Jugendliche unterstützt.

Deswegen ist es schon fast zum Trend geworden, die Großbanken als Alleinschuldige an der Krise zu sehen und diesen mit maximalem Misstrauen zu begegnen, was für eine so exportabhängige Industrienation wie Deutschland Gift ist. Ohne funktionierende Großbanken, die die Expansion deutscher Weltmarktführer in Milliardenhöhe im Ausland begleiten können, wäre die deutsche Wirtschaft möglicherweise noch viel angreifbarer, als dies durch den zunehmenden Protektionismus weltweit ohnehin der Fall ist.

Sparkassen handeln wie Investmentbanken

Kreditinstitute benötigen eine bestimmte Größe, weil sie gerade großvolumige Finanzierungen von Unternehmen mit Eigenkapital unterlegen müssen. Zur Eigenkapitalstärkung gibt es jedoch nur zwei Wege: Entweder die Bank macht Gewinne, oder sie verschafft sich neue Finanzmittel durch Kapitalerhöhungen. Letztere wiederum können nur erfolgreich platziert werden, wenn Anleger damit die Hoffnung auf Gewinne verbinden können. Entsprechend steigt der Ergebnisdruck für Unternehmen, die Kapitalerhöhungen vornehmen wollen, überproportional.

Hier zeigt sich ein gravierendes Defizit im deutschen Finanzsektor: Anders als Geschäfts- und Privatbanken müssen die öffentlich-rechtlichen Sparkassen nicht in nennenswertem Umfang Gewinne an ihre faktischen Eigentümer - die Städte und Kommunen - abführen. Vielmehr besteht der Eindruck, dass dort die Gewinne durch Einstellungen in Sicherheitsrücklagen oder den Fonds für allgemeine Bankrisiken kleingerechnet werden.

So lange diese Rechenmodelle betriebswirtschaftlich geboten sind und von den beaufsichtigenden Verwaltungsräten verstanden werden, spricht nichts dagegen. Allerdings kämpfen auch die Sparkassen seit Jahren mit rückläufigem Geschäft, so dass die Erhöhung von Kapitalpolstern sich zumindest nicht direkt erschließt. Tatsächlich verfügen die deutschen Sparkassen über so viel Kapital, dass ein erheblicher Teil der aktuellen Erträge aus dem Anlegen des eigenen Geldes resultiert. Bei Großbanken würde man dies als Eigenhandel bezeichnen und als Teufelszeug des Investmentbankings ächten.

Sparkassen verzerren den Wettbewerb

Vor der Finanzkrise stellte sich für die damals noch vier deutschen Großbanken und viele andere private Kreditinstitute die Frage, wie man in einem Markt, der durch die nicht ausschließlich ertragsorientiert agierenden Sparkassen stark verzerrt ist, wirtschaftlich erfolgreich sein kann. Eine Sparkasse stand unter einem erheblich geringeren Druck. Wenn sie im Kundengeschäft nicht erfolgreich war, blieben ja immer noch die Erträge aus den Eigenanlagen. Hatte man dort schlecht gewirtschaftet, konnte man sich immer noch unter das Dach einer erfolgreicheren Nachbarsparkasse flüchten.

Großbanken mussten sich hingegen international behaupten und hatten - anders als in den USA oder Großbritannien - nicht die Möglichkeit, sich eine fundierte Basis durch einen starken Heimatmarkt zu verschaffen. Daher gab es nur die Möglichkeiten, übernommen zu werden oder im Ausland zu wachsen.

Dieses Wachstum in ausländischen Märkten war vielfach nur über das Investmentbanking möglich. Nur so konnten europäische und insbesondere deutsche Großbanken die Nachteile bestimmter Kapitalanforderungen im Vergleich zu angelsächsischen Anbietern kompensieren. Dabei ist Investmentbanking so lange unkritisch, solange jede Transaktion auf einem Grundgeschäft basiert.

Gefährlich wurde es erst, als immer mehr Nachfrage - gerade von öffentlich-rechtlichen Banken - aufkam, die eben keinen Zugang zu Investmentbankinglösungen hatten, aber an den vermeintlich lukrativen Geschäften mitverdienen wollten. Deswegen hat die Finanzkrise ja gerade so viele öffentlich-rechtliche Kreditinstitute die Existenz gekostet - und die Steuerzahler so viele Milliarden.

Gesunde Sparkassen zu Ausschüttungen zwingen

Ohne die so dominant zulasten der Großbanken lebenden Sparkassen und die jahrzehntelang geltende Gewährträgerhaftung wären die Schadenvolumina bei den Landesbanken in der Finanzkrise deutlich geringer ausgefallen. Sie hätten schlicht nicht so viel Kapital erhalten, um sich in diesem Umfang verspekulieren zu können.

Die Politik hat bereits vor der Finanzkrise - unter anderem mit der Vereitelung des Versuchs der Deutschen Bank, die Sparkasse Stralsund zu übernehmen - versäumt, einen modernen und zukunftsfähigen Bankensektor aufzustellen und damit Milliardeneinnahmen für Städte und Kommunen zu ermöglichen. Heute würde es den zwei verbliebenden Großbanken wesentlich schwerer fallen, in nennenswertem Umfang Sparkassen zu übernehmen. Daher sollte der Gesetzgeber - auch im Vorgriff auf eine neuerliche Krise - die deutlich übermäßige Kapitalisierung von Sparkassen auf ein angemessenes Niveau zurückführen und die so für Städte und Kommunen freiwerdenden Mittel zum Schuldenabbau und zur Verbesserung der kommunalen Infrastruktur einsetzen.

Laufende Gewinne sollten von den Sparkassen, die wirtschaftlich gesund sind, zu mindestens 50 Prozent ausgeschüttet werden, sofern die Sparkasse keine nachhaltige Investitionsstrategie verfolgt. Dazu kann auch die Aufrechterhaltung eines wirklich flächendeckenden Filialnetzes gehören, da es eben nicht Aufgabe einer Sparkasse ist, maximale Gewinne zu erwirtschaften, sondern Geldversorger in der Fläche zu sein.

Sparkassen, die diesem Auftrag nicht mehr nachkommen, sollten von ihren Trägern verkauft werden können, ohne dass dies mit der Verpflichtung verbunden sein darf, das Drei-Säulen-System aufrechtzuerhalten. Sparkassen müssten also privatisiert werden, um die Risiken im Finanzmarkt zu reduzieren und die Leistungsfähigkeit des Finanzplatzes Deutschland mit wieder international bedeutenden Kreditinstituten herzustellen.

Markus Schön ist Geschäftsführer des DVAM Vermögensverwaltung GmbH und Mitglied der MeinungsMacher von manager-magazin.de. Trotzdem gibt diese Kolumne nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion des manager magazins wieder.

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