Montag, 22. April 2019

Lehre aus 10 Jahren Finanzkrise Privatisiert die deutschen Sparkassen!

Deutschland braucht seine noch verbliebenen Großbanken. Sparkassen müssen privatisiert werden dürfen, um die Risiken im Finanzmarkt zu reduzieren und die Leistungsfähigkeit des Finanzplatzes Deutschland mit wieder bedeutenden Kreditinstituten herzustellen.

Als vor zehn Jahren die US-Investmentbank Lehman Brothers zusammenbrach und ein weltweites Beben an den Finanzmärkten auslöste, taumelte die Weltwirtschaft in den stärksten wirtschaftlichen Abschwung seit der großen Depression 1929. Noch immer sind viele Folgen nicht aufgearbeitet, sondern nur durch die Politik des billigen Geldes der Europäischen Zentralbank übertüncht. Tatsächlich spürt man, dass im Finanzsektor weiterhin viel im Argen liegt.

Markus Schön
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    Markus Schön ist Geschäftsführer der DVAM Vermögensverwaltung GmbH. Das Unternehmen beschäftigt sich mit der individuellen Vermögensverwaltung und dem strategischen Finanzmanagement auf überwiegend langfristiger, makroökonomischer Basis. Aktuell hat Markus Schön ein Buch über die Wirtschaftspolitik Donalds Trumps "Twittern zur Planwirtschaft" geschrieben.

Deswegen ist es schon fast zum Trend geworden, die Großbanken als Alleinschuldige an der Krise zu sehen und diesen mit maximalem Misstrauen zu begegnen, was für eine so exportabhängige Industrienation wie Deutschland Gift ist. Ohne funktionierende Großbanken, die die Expansion deutscher Weltmarktführer in Milliardenhöhe im Ausland begleiten können, wäre die deutsche Wirtschaft möglicherweise noch viel angreifbarer, als dies durch den zunehmenden Protektionismus weltweit ohnehin der Fall ist.

Sparkassen handeln wie Investmentbanken

Kreditinstitute benötigen eine bestimmte Größe, weil sie gerade großvolumige Finanzierungen von Unternehmen mit Eigenkapital unterlegen müssen. Zur Eigenkapitalstärkung gibt es jedoch nur zwei Wege: Entweder die Bank macht Gewinne, oder sie verschafft sich neue Finanzmittel durch Kapitalerhöhungen. Letztere wiederum können nur erfolgreich platziert werden, wenn Anleger damit die Hoffnung auf Gewinne verbinden können. Entsprechend steigt der Ergebnisdruck für Unternehmen, die Kapitalerhöhungen vornehmen wollen, überproportional.

Hier zeigt sich ein gravierendes Defizit im deutschen Finanzsektor: Anders als Geschäfts- und Privatbanken müssen die öffentlich-rechtlichen Sparkassen nicht in nennenswertem Umfang Gewinne an ihre faktischen Eigentümer - die Städte und Kommunen - abführen. Vielmehr besteht der Eindruck, dass dort die Gewinne durch Einstellungen in Sicherheitsrücklagen oder den Fonds für allgemeine Bankrisiken kleingerechnet werden.

So lange diese Rechenmodelle betriebswirtschaftlich geboten sind und von den beaufsichtigenden Verwaltungsräten verstanden werden, spricht nichts dagegen. Allerdings kämpfen auch die Sparkassen seit Jahren mit rückläufigem Geschäft, so dass die Erhöhung von Kapitalpolstern sich zumindest nicht direkt erschließt. Tatsächlich verfügen die deutschen Sparkassen über so viel Kapital, dass ein erheblicher Teil der aktuellen Erträge aus dem Anlegen des eigenen Geldes resultiert. Bei Großbanken würde man dies als Eigenhandel bezeichnen und als Teufelszeug des Investmentbankings ächten.

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