Interne Dokumente Sparkassen halten sich bei Privatkunden für schlechter als Deutsche und Commerzbank

Alarmstimmung unter Deutschlands Sparkassen: Interne Dokumente legen eklatante Mängel im Kerngeschäft offen. Die Folge: Mit einem Großteil der Privatkunden erwirtschaftet die Gruppe Verluste.
Von Tim Bartz und Meike Schreiber
Erklärt viel, möglicherweise aber die falschen Sachen: Sparkassen-Verbandspräsident Georg Fahrenschon.

Erklärt viel, möglicherweise aber die falschen Sachen: Sparkassen-Verbandspräsident Georg Fahrenschon.

Foto: Rainer Jensen/ picture alliance / dpa

Frankfurt - Deutschlands Sparkassen bescheinigen sich selbst gravierende Schwächen im Kerngeschäft. So liefere der Großteil der Privatkunden einen "negativen Ergebnisbeitrag", wie das manager magazin in seiner neuen Ausgabe (Erscheinungsdatum: 21. November) mit Verweis auf interne Dokumente des hauseigenen IT-Dienstleistungsanbieters Finanz Informatik (FI) berichtet.

Der Grund dafür liege auch in der schwachen Leistung der Mitarbeiter, heißt es in dem Papier. Sie seien häufig mit der Komplexität der Produkte überfordert. Bei der Beratung von Privatkunden etwa seien Commerzbank  und Deutsche Bank  deutlich besser. Bei der Betreuung vermögender Individualkunden sehen die internen Analysten die Sparkassen gar nur auf Platz fünf. Hier attestieren sie neben Deutscher und Commerzbank auch noch MLP und den Volksbanken eine bessere Leistung.

Das ernüchternde Ergebnis dieser Inventur des Kerngeschäfts ist ein schwerer Schlag für den Sparkassenpräsidenten Georg Fahrenschon (46). Der ehemalige bayerische Finanzminister kritisiert die private Konkurrenz gern und heftig und stilisiert die Sparkassen so zum natürlichen Marktführer im Geschäft mit Privatkunden. Verbandsintern war zuletzt bereits die Kritik an ihm angeschwollen: Er verwende zu viel Zeit für Öffentlichkeitsarbeit statt die Sparkassen-Gruppe strategisch weiterzuentwickeln, bemängeln seine Kritiker (siehe dazu auch manager magazin, Ausgabe 11/2014).

Der Sparkassenverband DSGV teilte auf Nachfrage mit, die Analyse sei bewusst überspitzt "wie bei solchen Projekten üblich". Gleichwohl steuert die Organisation gegen: Bis 2017 sollen rund 225 Millionen Euro in das Projekt "Internet-Filiale 6.0" und die IT-Plattform "OSPlus_neo" investiert werden, um in der Anlageberatung nicht noch weiter zurückzufallen.

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