Offenlegungsberichte 2021 Welche Sparkassen in Deutschland Millionengehälter zahlen

Die öffentlich-rechtlichen Institute haben sich lange bedeckt gehalten, was die Gehälter ihrer Topmanager angeht. Eine neue Verordnung erfordert nun Transparenz. Es gibt im roten Lager überraschend viele Einkommensmillionäre.
Vergütungs-Millionäre: Im Ländervergleich gibt es in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz die meisten

Vergütungs-Millionäre: Im Ländervergleich gibt es in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz die meisten

Foto: Daniel Naupold/ dpa

Dieser Artikel gehört zum Angebot von manager-magazin+. Sie können ihn auch ohne Abonnement lesen, weil er Ihnen geschenkt wurde.

Die Europäische Bankenaufsicht (EBA) zählt in jedem Jahr, wie viele Großverdiener in den Geldhäusern arbeiten. Trotz aller Finanzkrisen steigen die Zahlen mit leichten Schwankungen tendenziell an. Laut der jüngsten Auswertung  aus diesem Sommer tummelten sich europaweit zuletzt 1383 Einkommensmillionäre in den EU-Banken, rund 600 mehr als noch 2011. Allein in Deutschland arbeiteten davon 541.

Der Großteil der Millionäre arbeitet sicher in den großen Privatbanken. Christian Sewing (52), Vorstandschef der Deutschen Bank, konnte sich für 2021 als einer der bestverdienenden Manager des Landes über eine Gesamtvergütung von 8,8 Millionen Euro freuen. Laut Geschäftsbericht erhielten insgesamt 520 Frauen und Männer des Hauses ein Millionengehalt – allerdings längst nicht alle in Deutschland.

Inzwischen zeigt sich aber, dass auch bei den Sparkassen eine überraschend große Anzahl von Menschen mit Millioneneinkommen arbeitet. Die Institute sind anders als Banken öffentlich-rechtliche Anstalten – und damit nicht profitorientiert. Die Topleute deutscher Sparkassen kassieren im Vergleich zu anderen Jobs im öffentlichen Sektor dennoch üppige Gehälter. So zumindest belegen es erstmals zugängliche Zahlen.

Eine neue Offenlegungs-Verordnung verpflichtet alle großen Sparkassen, die Zahl ihrer Einkommensmillionäre zu veröffentlichen. Das Portal Finanz-Szene  durchsuchte die bereits vorhandenen Berichte der 100 größten Sparkassen – und fand 78 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit einer Millionen-Gesamtvergütung, wenn man die Pensions-Rückstellungen mit einberechnet. Das manager magazin hat die Ergebnisse überprüft: Die 78 Einkommensmillionäre arbeiten für 39 Sparkassen; 18 Sparkassen haben laut ihren Berichten keine Einkommens-Millionäre; 43 der Top-100-Institute haben bislang noch keine Berichte veröffentlicht.

Das Grundgehalt ist im Sparkassen-Sektor zwar hoch, aber nicht exorbitant. Grund für die hohe Anzahl von Einkommensmillionären sind die Rückstellungen für Pensionsverpflichtungen, die in den vergangenen Jahren explodiert sind. "Der größte Anreiz in der Sparkassenwelt ist die Pensionszusage", sagt der Finanzprofessor Gregor Weiß von der Universität Leipzig gegenüber dem manager magazin. Weil sich das zurückgelegte Geld im Niedrigzinsumfeld der vergangenen Jahre schwierig vermehren ließ, mussten die Sparkassen immer höhere Rückstellungen bilden, damit ihre Vorstände im Alter die versprochenen Pensionen erhalten.

Spitzenreiter in NRW

Im Ländervergleich gibt es in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz die meisten Topmanager mit einem Millionengehalt, dicht gefolgt von Schleswig-Holstein. In Hessen finden sich diese hingegen nur in der Frankfurter Sparkasse.

Zwei Sparkassen in Nordrhein-Westfalen ragen besonders heraus: Die Sparkasse Aachen mit fünf Vergütungs-Millionären und damit mit den meisten bekannten hierzulande sowie die Sparkasse Münsterland-Ost, bei der ein Mitarbeiter 2021 ein Gehalt in Höhe von mehr als sechs Millionen Euro kassierte. Die beiden Sparkassen wollten sich auf Anfrage nicht dazu äußern. Zwar gehen aus den Berichten keine Namen hervor, aber der Spitzenverdiener in Westfalen ist bekannt: Markus Schnabel (56), bis zu seinem Ausscheiden im August 2021 der Vorstandsvorsitzende. Er erhielt 2021 insgesamt 6,9 Millionen Euro – davon 520.000 Euro Vergütung und 6,4 Millionen Euro Pensionsrückstellung. Zum Vergleich: 2017 hatte er insgesamt noch rund 1,2 Millionen Euro erhalten. Sein Nachfolger ist seit knapp einem Jahr Klaus Richter (54).

Es ist davon auszugehen, dass noch weit mehr Hochverdiener im Sparkassen-Sektor arbeiten. Schließlich haben etliche der größten Institute ihre Berichte noch nicht veröffentlicht; andere sind wegen ihrer Größe von der Pflicht ausgenommen. Insgesamt gibt es bundesweit rund 380 Sparkassen.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.