Sonntag, 21. Juli 2019

Misstrauen gegenüber Anlageberatern Die Träume der Sparer - nur weg von den Banken

Allem Ärger zum Trotz Treue zu den Hausbanken: "Die deutschen Bankkunden sind konservativ eingestellt"

Wohin mit dem Geld? Es erscheint als ein Luxusproblem, treibt aber tatsächlich einen guten Teil der Deutschen um. Die Folgen der Finanzkrise, die sich jetzt in Null- und Negativzinsen zeigen, treiben die Sparer in den Anlagenotstand. Es ist schlicht zu viel Kapital im Umlauf, um profitable Verwendung dafür zu finden.

Eine deutliche Mehrheit der Bundesbürger hat deshalb Sorge, wie eine aktuelle Umfrage im Auftrag der Markenberatung Prophet zeigt, die manager-magazin.de vorliegt - und fühlt sich "von den etablierten Banken allein gelassen".

Hinzu kommt das Misstrauen gegenüber den Beratern. 82 Prozent der Befragten stimmen der Aussage zu, "dass diese eher ihre eigenen Interessen verfolgen, nicht meine". Sogar 90 Prozent schließen sich der Forderung an, die Banken müssten "sich dringend ändern und die Bedürfnisse der Kunden ernst nehmen", wozu "auch neue Produkte und Lösungen für die Nullzinsphase" gehörten.

Nur - wie sollen diese aussehen? Mehr Risiko für mehr Rendite, diese einfache Gleichung geht nur für eine Minderheit von 35 Prozent der Befragten auf, mehrheitlich Männer. "Dusch mich, aber mach mich nicht nass", kommentiert Prophet-Partner Felix Stöckle das Anspruchsdenken.

Eine Chance für Fintechs - wenn sie nicht so exotisch wirken

Eine Möglichkeit, die Wünsche der Sparer doch noch mit der Realität zu vereinen, sieht er in neuen digitalen Angeboten, die zumindest die Filialkosten und Provisionen der Berater einsparen - auch wenn das grundsätzliche Problem des Anlagenotstands bleibt. Stöckle spricht von Chancen für die Startup-Unternehmen der Fintech-Welt, den etablierten Anbietern Konkurrenz zu machen.

Immerhin 65 Prozent der Befragten "können sich vorstellen", ihr Geld auch bei "neuen Anbietern" anzulegen, die "zunehmend einfache und transparente Anlagelösungen ohne hohe Provisionen und Kosten bieten". Das klingt verlockend, ist allerdings auch der vorgegebene Umfragetext - lässt also nicht darauf schließen, dass die Sparer tatsächlich in Scharen zu neuen Peer-Lending- oder Social-Trading-Plattformen mit exotischen Namen abwandern. Das würde ja auch doch wieder höheres Risiko bedeuten.

Einer früheren Prophet-Umfrage zufolge hapert der Erfolg der Fintechs auch daran, dass "die deutschen Bankkunden ziemlich konservativ eingestellt sind und ungern Risiken jeder Art eingehen". Man wisse ja nicht, wer hinter den Start-ups stecke und ob es sie in sechs Monaten noch gebe. So landen die Sparer doch wieder bei ihren Hausbanken - in der Hoffnung, dass diese "für sie ähnlich innovative Anwendungen entwickeln und anbieten".


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