Nach Gehaltsstreit Softbank-Vize Marcelo Claure geht

Der Softbank-COO Marcelo Claure verlässt nach neun Jahren enger Zusammenarbeit mit dem Chef Masayoshi Son den Technologieinvestor – nachdem die Forderung von zwei Milliarden US-Dollar Gehalt abgelehnt wurde.
Knallhart: Nachdem seine Gehaltsforderung in Höhe von zwei Milliarden US-Dollar abgelehnt wurde, verlässt Marcelo Claure nun die Softbank

Knallhart: Nachdem seine Gehaltsforderung in Höhe von zwei Milliarden US-Dollar abgelehnt wurde, verlässt Marcelo Claure nun die Softbank

Foto: Seth Wenig / AP

Marcelo Claure (51), COO von Softbank, verlässt den japanischen Tech-Investor. Damit beendet er eine turbulente Amtszeit, die zuletzt in einem Gehaltsstreit gipfelte: Claure forderte laut Medienberichten  eine Vergütung in Höhe von zwei Milliarden Dollar über mehrere Jahre verteilt. Der Manager ist den Berichten zufolge der Ansicht, die Summe sei ihm von Softbank-Chef Masayoshi Son (64) versprochen worden - unter anderem für seine Leistungen beim Turnaround des US-Mobilfunkers Sprint und dessen Verschmelzung mit der US-Tochter der Deutschen Telekom sowie der Sanierung des Büroflächenvermieters Wework. Das sieht Son jedoch offenkundig anders.

Für das vergangene Jahr wies Softbank eine Vergütung für Claure in Höhe von rund 17 Millionen Dollar aus - Claure war damit bestbezahlter Manager der Gruppe, knapp hinter dem Chef des Chipdesigners ARM, Simon Segars. Da die Verhandlungen aber offenbar zu keiner Einigung führten, zieht der US-Amerikaner mit bolivianischen Wurzeln nun die Konsequenzen.

Laut "Financial Times" könnte sich das Abfindungspaket der Nummer zwei bei Softbank auf "mehrere hundert Millionen Dollar" belaufen. Dafür habe er einem Wettbewerbsverbot zugestimmt, demzufolge er für "ein paar Jahre" keine Projekte mehr leiten oder begleiten darf, die mit Softbank konkurrieren. Weder Softbank noch ein Sprecher von Claure wollten den Bericht kommentieren.

In der offiziellen Mitteilung  betont Softbank, Son und Claure hätten sich einvernehmlich getrennt. Während sich Claure bedankt bei Son, "der mir während meiner Amtszeit als Mentor und Freund diente", lobt der Softbank-Chef Claures Hingabe und seine "vielen Beiträge" für den Konzern - das nennt man wohl Abschied auf japanisch.

Nachfolger von Claure an der Softbank-Spitze wird Michel Combes (59). "Ich habe großes Vertrauen in Michel Combes und das talentierte Softbank-Team, dass sie die großartige Arbeit, die wir bei SBGI begonnen haben, fortsetzen werden", lässt sich der Softbank-Chef weiter zitieren.

Claure hat eine steile Karriere hinter sich und galt ob seiner zahlreichen Funktionen und seines großen Einflusses als möglicher Nachfolger des Konzerngründers. Nach einem Wirtschaftsstudium in den USA gründete er 1997 den Telefonvertrieb Brightstar und kontrollierte bald weite Teile des lateinamerikanischen Marktes. 2013 stieg Softbank bei Brightstar ein und machte Claure zum Milliardär.

Seit Juni 2018 verantwortete er als COO der Japan-Holding und Chef der Auslandsgeschäfte das Tagesgeschäft und die Umsetzung der Strategie. So hatte er unter anderem die Fusion der amerikanischen Mobilfunktochter Sprint mit T-Mobile US im Jahr 2020 begleitet. Für Son agierte der Manager als eine Art Ausputzer, der die Rettung des Bürovermittlers Wework ebenso mit verantwortete wie gewichtige Lateinamerika-Fonds oder Sons Bitcoin-Strategie.

Der Zeitpunkt, an dem der Vize-Chef geht, kann nicht ungünstiger sein. Denn Softbank steht ohnehin schon vor großen Herausforderungen: Der Aktienkurs des Unternehmens sinkt, inmitten eines Rückgangs der Technologieaktien und Pekings Vorgehen gegen Alibaba, der größten Einzelinvestition von Softbank.

Und: Nvidias Deal, den Chipdesigner Arm von Softbank zu kaufen, stößt auf heftigen regulatorischen Widerstand. Aus einem Zahltag für Softbank wird daher womöglich nichts. Nvidia bereitet sich bereits auf ein mögliches Scheitern seines Übernahmeangebots vor. Der US-Chiphersteller habe seinen Partnern mitgeteilt, dass er nicht mit einem Abschluss des Deals rechne, sagten Insider gegenüber Bloomberg. Softbank, soll stattdessen die Vorbereitungen für den Börsengang von Arm vorantreiben.

sio/rei