Nach vier Monaten Milliardenzocker Kerviel kommt frei - mit Fußfessel

Der wegen Milliarden-Spekulationen verurteilte frühere SocGen-Banker Jérôme Kerviel ist nach nur vier Monaten aus dem Gefängnis entlassen worden. Kerviel muss eine elektronische Fußfessel tragen - hat aber schon einen neuen Job.
Kerviel (r.) mit Anwalt: "Ich bin superfroh, heute rauszukommen"

Kerviel (r.) mit Anwalt: "Ich bin superfroh, heute rauszukommen"

Foto: LIONEL BONAVENTURE/ AFP

Paris - Nach nur vier Monaten Haft ist der als Milliardenzocker bekanntgewordene Börsenhändler Jérôme Kerviel entlassen worden. Der 37-Jährige verließ die Haftanstalt in Fleury-Mérogis im Süden von Paris am Montagmorgen in Begleitung seines Anwalts. Ihm sollte umgehend eine elektronische Fußfessel angelegt werden als Bedingung für die vorzeitige Haftentlassung. "Ich bin superfroh, heute rauszukommen", sagte Kerviel zu wartenden Journalisten. "Ich will ein normales Leben führen."

Kerviel hatte vor sechs Jahren mit seinen Finanzspekulationen die französische Großbank Société Générale  fast in den Ruin getrieben, er soll seinem Arbeitgeber einen Verlust von 4,9 Milliarden Euro eingebrockt haben. Er wurde deswegen zu fünf Jahren Haft verurteilt, von denen zwei zur Bewährung ausgesetzt wurden. Seine Haftstrafe trat er Mitte Mai an, nachdem er 2008 bereits 41 Tage in Untersuchungshaft gesessen hatte.

Am Donnerstag hatte das Berufungsgericht in Paris einem Antrag stattgegeben, Kerviel mit einer elektronischen Fußfessel aus der Haft zu entlassen. Kerviel muss unter der Woche die Nächte in seiner Wohnung verbringen, darf diese aber zwischen 7 Uhr und 20.30 Uhr verlassen. Am Wochenende gibt es keine Beschränkungen.

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Kerviel wird als Berater in einem Software-Beratungsunternehmen arbeiten. Die Fußfessel wird er voraussichtlich bis Juni 2015 tragen müssen. "Das ist immer noch besser, als in einer neun Quadratmeter großen Zelle eingesperrt zu sein", sagte Kerviel.

Die juristischen Auseinandersetzungen um Kerviel sind indes noch lange nicht vorbei: Frankreichs Oberster Gerichtshof bestätigte zwar im März die Haftstrafe gegen den Banker, erklärte den gegen ihn verhängten Rekord-Schadenersatz von 4,9 Milliarden Euro aber für ungültig. Der Schadenersatz wird nun vor dem Berufungsgericht von Versailles bei Paris neu verhandelt. Kerviel bestreitet, dass er der Société Générale mit seinen Finanzspekulationen einen Verlust von 4,9 Milliarden Euro bescherte.

Der Fall gilt als Symbol für die Auswüchse der Finanzwelt. Kerviel räumte zwar eine Teilschuld ein, stellte sich aber zugleich als Opfer des Systems dar. Unterstützung erhielt er von bekannten Linkspolitikern wie Jean-Luc Mélenchon von der Linkspartei und Eva Joly von den Grünen.

ts/afp/dpa
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