Schwaches viertes Quartal Deutsche Bank prüft angeblich Gewinnwarnung

Einem Medienbericht zufolge könnten die Geschäfte der Deutschen Bank im vierten Quartal so schlecht gelaufen sein, dass das Institut eine Gewinnwarnung prüft. Damit nicht genug: Die Bankenaufsicht Bafin will den Devisenhandel einer Sonderprüfung unterziehen.
Deutsche Bank in Frankfurt: Spekulationen zufolge liefen die Geschäfte zuletzt schlecht

Deutsche Bank in Frankfurt: Spekulationen zufolge liefen die Geschäfte zuletzt schlecht

Foto: © Alex Domanski / Reuters/ REUTERS

Frankfurt am Main - Spekulationen über unerwartet schwache Geschäfte der Deutschen Bank haben für Verunsicherung bei Anlegern gesorgt. Das "Wall Street Journal" berichtete, der Vorstand prüfe, ob er in den kommenden Tagen eine Gewinnwarnung für das vierte Quartal ausgeben müsse. Grund dafür seien unter anderem unerwartet hohe Verluste infolge des Bilanzabbaus, hieß es in dem Bericht unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen. Zudem mache der Deutschen Bank - wie den großen US-Investmentbanken auch - ein schwaches Anleihegeschäft zu schaffen.

Die Deutsche Bank wollte sich zu dem Bericht nicht äußern. Das Institut will seine Geschäftszahlen für das Jahr 2013 am 29. Januar veröffentlichen. Eine konkrete Gewinnprognose hatten die Bank-Chefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen weder für das Jahr noch für das Quartal abgegeben. Damit wäre eine Warnung nur dann fällig, wenn die tatsächlichen Zahlen stark von den Schätzungen der Analysten abweichen.

Nach einer Auswertung von Thomson Reuters I/B/E/S erwarten die Experten für das Gesamtjahr im Schnitt einen Gewinn von 4,2 Milliarden Euro vor Steuern - aus dem vierten Quartal fehlt dazu noch rund eine Milliarde. Einige Analysten hatten ihre Schätzungen zuletzt etwas zurückgenommen.

An der New Yorker Börse waren die Aktien der Deutschen Bank  am Freitag bei hohen Umsätzen mit einem Minus von 3 Prozent ins Wochenende gegangen.

Die Deutsche Bank hat sich vorgenommen, bis Ende 2015 rund 250 Milliarden Euro aus ihrer billionenschweren Bilanzsumme herauszuschneiden, um die maximale Verschuldungsquote (Leverage Ratio) einhalten zu können. Das wären rechnerisch 30 bis 40 Milliarden Euro im Quartal. Im dritten Quartal schaffte sie sogar 64 Milliarden.

Steigende Marktzinsen bremsen Anleihegeschäfte

Finanzvorstand Stefan Krause hatte im Oktober gewarnt, der Abbau werde mit der Zeit mühsamer. "Wir pflücken zunächst die niedrig hängenden Früchte", hatte er gesagt. Maximal 600 Millionen Euro Verlust hat die Bank für den Abbau eingeplant. Unter Druck steht die Deutsche Bank damit aber nicht; zudem finden sich derzeit am Markt für viele Vermögenswerte leicht Abnehmer.

Die steigenden Marktzinsen in den USA hatten zuletzt auch US-Investmentbanken wie Goldman Sachs  und JPMorgan  ausgebremst. Ihre Gewinne hängen - wie die der Deutschen Bank - stark vom Geschäft mit festverzinslichen Wertpapieren ab. Sie verwiesen auf ein "schwieriges Umfeld".

US-Investoren machen sich seit dem Herbst auf höhere Leitzinsen gefasst. Insgesamt haben die Investmentbanken im vierten Quartal nach Reuters-Daten an den Märkten für festverzinsliche Wertpapiere 7 Prozent weniger verdient. Doch überraschen kann diese Entwicklung die Deutsche-Bank-Analysten nicht.

Unsicherheit bergen allerdings die Folgen der Skandale von der Manipulation des Interbanken-Zinses Libor bis zur Rolle des Instituts in der Kirch-Pleite. 4,1 Milliarden Euro hat die Deutsche Bank dafür bisher zurückgestellt, die Anleger jedoch darauf vorbereitet, dass es noch mehr werden könnte.

Allein im Dezember wurden 1,4 Milliarden Euro für die Beilegung eines Streits mit der staatlichen US-Behörde FHFA um fragwürdige Hypothekengeschäfte in den USA fällig, dazu verhängte die EU-Kommission eine Buße von 725 Millionen Euro für Absprachen über Referenzsätze wie den Libor. Doch dafür hatte die Deutsche Bank nach eigenen Angaben bereits ausreichend Geld reserviert.

Sonderprüfung durch die Bafin in Devisenaffäre

Derweil intensiviert die deutsche Finanzaufsicht Bafin offenbar ihre Untersuchungen zur Verwicklung der Deutschen Bank in die weltweite Manipulation von Devisenkursen. Die Bafin wolle den Devisenhandel mit einer Sonderprüfung ausleuchten, berichtete "Der Spiegel" unter Berufung auf "das Umfeld des Konzerns". Die Aufseher gingen der Frage nach, ob die Deutsche Bank, die als größter Devisenhändler der Welt gilt, den Bereich ordnungsgemäß organisiert hat und ob es dort ausreichende Kontrollen gibt.

Die Bafin wollte sich nicht zu dem konkreten Fall äußern. Sie hatte allerdings bereits im Oktober nicht ausgeschlossen, dass es in der Devisenaffäre zu Sondeprüfungen bei deutschen Banken kommen werde.

Eine Sonderprüfung gilt als schärfstes Schwert der Aufsichtsbehörde. Dabei nisten sich die Aufseher - oder Wirtschaftsprüfer in deren Auftrag - oft über Wochen bei der Bank ein, befragen Mitarbeiter und durchforsten Unterlagen.

Laut "Spiegel" wollen die Bafin-Aufseher in der Sonderprüfung unter anderem Chats auf einer Handelsplattform untersuchen, die sowohl von Devisenhändlern genutzt wurde, als auch von Mitarbeitern, die in der Libor-Affäre aufgefallen waren. Vor Weihnachten war bekannt geworden, dass die Deutsche Bank  die Nutzung solcher Chatrooms im Handel intern verboten hat.

Händler vorsorglich suspendiert

Die Bafin hat dem Magazin zufolge schon länger Zweifel, ob die Kontrollen im Devisenhandel der Deutschen Bank ausreichen, um Manipulationen zu verhindern. Bei dem Institut laufen bereits mehrere solcher Prüfungen parallel, so zur Manipulation des Interbanken-Zinssatzes Libor und zum Vorwurf von Bilanzmanipulationen in der Finanzkrise.

Die Bank selbst hat nach einer internen Untersuchung wegen des Verdachts der Manipulation am Devisen-Fixing Finanzkreisen zufolge mehrere Händler in New York und an anderen Standorten vorsorglich suspendiert.

Ein Sprecher bekräftigte die Aussage, die Deutsche Bank habe Anfragen von Aufsichtsbehörden erhalten, die den Devisenhandel unter die Lupe nehmen. "Die Bank unterstützt diese Untersuchungen und wird in begründeten Fällen disziplinarische Maßnahmen gegen einzelne Mitarbeiter ergreifen", sagte er. Auch bei anderen Banken wurden Händler beurlaubt.

Ins Rollen gebracht hatte den Fall im Sommer die britische Finanzaufsicht, inzwischen haben sich neben der Bafin auch die Behörden in den USA eingeschaltet. Die Referenzkurse, die einmal am Tag festgestellt werden, dienen Unternehmen und großen Profi-Anlegern wie etwa Investmentfonds als Basis für ihre Währungsgeschäfte. Am Devisenmarkt werden weltweit pro Tag Währungen im Wert von mehr als fünf Billionen Dollar gehandelt. Das Segment ist der größte Markt im Finanzsystem und gilt als am wenigsten reguliert.

ts/rtr

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