Hilfe vom Motivations-Guru Führt dieser Mann Deutsche Bank und CoBa aus dem Jammertal?

(Sonst immer) Guru-Lächeln wie in Stein gemeißelt: Groß-Motivator Jürgen Höller

(Sonst immer) Guru-Lächeln wie in Stein gemeißelt: Groß-Motivator Jürgen Höller

Foto: Karl-Josef Hildenbrand/ picture-alliance / dpa/dpaweb

Abschied aus Dax und EuroStoxx, Kursverfall, die Suche nach einem verlorenen Geschäftsmodell, ach und weh - unsere ehedem akrobatischen Geldhochhäuser scheinen, im 10. Jahr nach Lehman, zu piefigen Finanzlauben zu degenerieren: Daniel Gottlob Schreber statt Hermann Josef Abs.

Wer im Hobbykeller gelegentlich mit Schraubzwinge und Stoßmeißel an den Unebenheiten der Seele herumklempnert, weiß: Ohne fremde Hilfe kommt kaum einer aus einem Jammertal wieder heraus. Aber wer kann helfen? Na Jürgen Höller natürlich. Und noch einmal alle: Höller! Höller!! Höller!!!

manager magazin ist es gelungen, mit verstecktem Aufnahmegerät einem Großbankenauffrischungskurs des bekannten Mentalmaestros beizuwohnen. Hier eine Mitschrift, ohne Gewähr, und presserechtlich natürlich hochgradig angreifbar.

Jürgen Höller, roter Schlips, rotes Einstecktuch, ein Guru-Lächeln wie in Stein gemeißelt: "Herzlich Willkommen zum Selbstbewusstsein-Seminar 'Master of the Universe reloaded'! Stellt Euch doch bitte kurz einmal vor."

Christian: "Ich bin der Christian und leite, führe...ähm… sitze auf einem nicht unwichtigen Posten bei der Deutschen Bank."

Martin: "Mein Name ist Martin, und ich tue mich schwer…ähm… bin ein Schwergewicht bei der Commerzbank."

Höller: "Sehr schön, ich sehe schon, es wartet ein hartes Stück Arbeit auf uns. Aber: Das wird! Das wird! Das wird!"

Christian raunt zu Martin: "Es kostet ja auch genug…"

Höller kramt T-Shirts hervor, Mutmachertrikots nennt er sie. "So, das zieht Ihr jetzt erst einmal an, zur Identifikation und im Sinne einer breiten Brust!"

Die textilen Ego-Stützen tragen die Aufschrift: "Leistung aus Leidenschaft", sind allerdings derart verwaschen, dass nur noch "…Leiden…" zu erkennen ist.

Christian merkt an, das sei ein alter Slogan. Die neue Kampagne der Deutschen Bank laufe unter dem Label "Positive Impact".

Höller: "Impact? Wie uncool ist das denn? Das klingt nach Imprägniermittel. Das Bekenntnis zu Leistung und Leidenschaft ist zwingend als Vorbereitung auf das Treffen im Kanzleramt."

"Vielleicht reicht ja auch der Bachelor of the Universe…"

Christian und Martin zucken zusammen. Richtig: Sie wollen ja von der Kanzlerin Rückenstärkung und möglichst pekuniären Beistand. Schließlich hatte Angela Merkel bei ihrer jüngsten Rede zu Ehren des Finanzplatzes Frankfurt anklingen lassen: "Wir unterstützen, wo wir können".

Christian streift das "Leiden"-T-Shirt widerwillig über: "Wäre es nicht taktisch klüger", gibt er zu bedenken, "wenn wir nicht als protzige Master of the Universe auftreten, sondern etwas, er zögert…devoter?"

"Vielleicht reicht ja auch der Bachelor of the Universe…", wirft Martin wattebauschartig in den Schüchtern- und Zweifelraum.

Höller ist Profi genug, um derlei Blockaden zu spüren: "Meine Herren, so kommen wir nicht weiter," sagt er. Er breitet die Hände aus, hebt den Kopf gen Tagungsraumdecke, schließt die Augen. "Jetzt bitte alle drei Mal: Ich liebe mich!"

Christian und Martin: "Ich liebe mich… liebe mich…"

Höller: "Lauter!"

Christian und Martin: "Ich liebe mich!!!"

Höller: "Und, fühlt Ihr Euch schon stärker?"

Christian und Martin: "Hmmh…"

Höller: "Wir müssen zurück zur GröBaZ-Philosophie!"

Christian und Martin: "GröBaz?"

Höller: "Größte Banken aller Zeiten. Dieses positive Denken müsst Ihr aufsaugen! Und jetzt alle drei Mal: Ich ziehe Geld an wie ein Magnet!"

Christian, hinter vorgehaltener Hand, zu Martin: "In seinem Fall stimmt es ja…". Dann beide, inbrünstig und volltönend: "Ich ziehe Geld an wie ein Magnet!!!"

Martin zeigt auf und kommt auch prompt dran: "Nur mal so als Gedankenoption. Wenn wir den Gutmenschen gäben, so wie diese Sparkassen es tun, dann könnten wir uns 'Deutsche Sparbank' oder 'Non-Kommerzbank' nennen. Das schafft womöglich neues Vertrauen und gesellschaftliche Akzeptanz…"

Höller rollt mit den Augen, spricht zu sich selbst: "Ich liebe mich vollkommen und besinnungs-… ähm bedingungslos, so wie ich bin." Er will das schlechte Karma ("Womit habe ich das nur verdient?") gar nicht erst aufkommen lassen. Dann, zu Christian und Martin gewandt: "Liebe Leute, Non-Kommerzbank… wollt Ihr etwa kein Geld mehr verdienen?"

Christian und Martin: "Doch, schon…"

Amtshilfe von der Automobilindustrie

Höller klaubt ein Dossier mit der Aufschrift "VDA" aus seinem Dokumentenkoffer: "So, bitte aufmerksam lesen! Es handelt sich sozusagen um eine Amtshilfe der Automobilindustrie. Hier könnte Ihr studieren, wie man es anstellt, Berlin jahrzehntelang um den kleinen Verteilerfinger zu wickeln." Höller findet, er laufe gerade zu Hochform auf, sagt zu sich: "Ich lebe in Heiterkeit, Freude und Leichtigkeit." Drei Mal natürlich, sonst wirkt es nicht.

Christian und Martin sind nach dem Aktenstudium allerdings wieder voll depri: "Wir sind schon aus dem Dax respektive EuroStoxx geflogen. Was, wenn unsere Börsenkurse weiter abfallen?"

Höller: "Dann macht Ihr halt Euren eigenen Index auf - Ihr seid schließlich die Master of the Universe!"

Christian: "Aber selbst ein Egozentriker-Club wie der DFB tritt neuerdings etwas, er zögert… demütiger auf."

Huuh, DeeEffBee…Martin erinnert sich mit Grauen an das Sponsoring der Fußball-Nationalmannschaft, überlegt, es künftig vielleicht mit der werblichen Begleitung des Ruderwesens zu versuchen. "Man sieht zwar nicht, wohin man steuert. Aber: Hauptsache, man bleibt über Wasser…". So ähnlich könne er sich das Marketingkonzept vorstellen. Was die Schwere der Mutlosigkeit so alles an Ideen hervorbringt…

Christian und Martin, leicht weinerlich: "Keiner mag uns, keiner schätzt uns…" Christian erinnert daran, dass ein chinesischer Großaktionär seinem Institut gerade abhandenkommt. Am Ende bleibe einem nichts anderes übrig, als sich zusammenzutun. Gemeinsam lässt sich der Blues ohnehin leichter ertragen.

Höller, zunehmend genervt, leert seinen Aktenkoffer auf dem Tisch aus, findet schließlich einen Zeitungsausschnitt und liest vor: "In Schleswig-Holstein wollten Kriminelle einen Geldautomaten der Deutschen Bank mit einer Sprengladung knacken. Aber das Gerät ließ sich nicht öffnen… Was lehrt uns das? Erstens ist es ein Zeichen von, ja sagen wir es ruhig… Wertschätzung. Und zweitens beweist es doch, wie sicher die Einlagen der Bank selbst unter größtem anzunehmenden Stresstest sind."

Christian und Martin: "Jaaa! Jaaa! Jaaa!"

Höller, mit sich zufrieden: "Na also, geht doch! Und jetzt noch drei Mal: High Five. Und: Ich schaffe das!"

Aber schaffen sie es wirklich? Bald schon sind der aufkeimende Optimismus und die Steigerung des Selbstwertgefühls wieder verflogen. Christian und Martin: "Was nur, wenn der nächste Abschwung kommt?" Beide erinnern an eine jüngste Studie, nach der die Amtszeit deutscher CEO so gering ist wie seit Jahren nicht.

Höller grübelt kurz, verfällt dann auf die bewährte Psychocoach-Taktik: vermeintlicher Rückzug, aber dennoch offensiv und fordernd bleiben: "Okay Leute, vielleicht habe ich Euch überfordert. Wir lassen das mit dem Master of the Universe. Die neue Vorgabe: Ihr seid die Piraten der Karibik. Captain Jack Sparrow ist immer gut drauf, segelt wie im Rausch traumwandlerisch über die Weltmeere und hat selbst vor Zombie-Banken keine Angst."

Christian und Martin nicken begeistert. Höller schließt die Sitzung und weist auf den nächsten Termin hin, den Power-Day: ein Besuch in der Höhle der Löwen. Arbeitsauftrag im Sinne des mentalen Upgrading: Carsten Maschmeyer (Standardspruch: "Die Nische ist mir zu klein") Millionen aus dem Kreuz leiern. Höller: "Wer das schafft, den wirft so leicht nichts mehr um, dessen Geschäftsmodell hat sich als grundsolide und zukunftstauglich erwiesen."

Puh, hat am Ende doch ganz gut angeschlagen, seine Nachhilfe in Siegesgewissheit, denkt Höller: "Und: Seid Ihr im Flow? Fühlt Ihr Euch fitter fürs Haifischbecken?"

Martin, tatsächlich extrem im Flow, berichtet euphorisiert von neuesten ozeanologischen Forschungen, denen zufolge der Schaufelnasen-Hammerhai auch als Pflanzenfresser identifiziert worden sei. Das sei doch sehr ermutigend, ja eine pazifistische Umwidmung des Haifischbeckens kündige sich an: "Wir sind alle eine große, friedliebende Finanzgemeinde."

Gibt's ja nicht, diese Weichspüler! Höller hat die Schaufelnase gestrichen voll. Er lockert die Krawatte, das Einstecktuch ist im autosuggestiven Überschwang irgendwo verloren gegangen. Der Lebensenergieapostel wirkt ausgelaugt, kann sich nur noch zu einem letzten Dreiklang wider die vegetarisch-harmonische Gesamtaura aufraffen: "Und jetzt alle zusammen: Wir mögen es blutig! Blutig! Blutig!"

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