Deutsche-Bank-Aktionäre gegen Billig-Vorstand Diesen Bankern gönnen wir noch viel höhere Boni

Sparkost: Die Aktionäre der Deutschen Bank fordern Boni für Manager, keine Dividende für sich

Sparkost: Die Aktionäre der Deutschen Bank fordern Boni für Manager, keine Dividende für sich

Foto: REUTERS

Wer hätte das gedacht? Die Demokratie ist quicklebendig in Deutschland, die Aktionärsdemokratie jedenfalls. Volksvermögens Stimme hat in der Frankfurter Festhalle gesprochen, und klar gemacht, dass die da oben nicht mit allem durchkommen.

Die Abstimmungsergebnisse der Hauptversammlung der Deutschen Bank haben es in sich. In einem Punkt haben die mündigen Aktionäre sogar eine Vorlage der Konzernführung zurückgewiesen, ein für Dax-Verhältnisse unerhörter Vorgang.

Sie wollten sich nicht mit einem Billig-Management abspeisen lassen, das sich anschickte, die bewährte Anreizkultur mit Boni abzuschaffen. Denn was nichts kostet, ist auch nichts wert ...

"Sparprogramm im Vorstand beginnen"? Lieber nicht

Rente mit 67: Der scheidende Chef Jürgen Fitschen beugt sich dem Zeitgeist der Bescheidenheit

Rente mit 67: Der scheidende Chef Jürgen Fitschen beugt sich dem Zeitgeist der Bescheidenheit

Foto: DPA

Zuerst schien alles klar für das neue Vergütungssystem, dem zufolge "sich Bonuszahlungen noch stärker am wirtschaftlichen Erfolg der Gesamtbank orientieren und die Bedeutung variabler Vergütung insgesamt zurückgeht", wie Ex-Chef Jürgen Fitschen erklärte. Erfolgsbeteiligung nur im Erfolgsfall, ein Totschlagargument.

Ganz dem Zeitgeist des Kürzens der Boni verpflichtet, übte sich sein Kollege John Cryan in wohlfeilen Floskeln wie "dieses Sparprogramm muss natürlich bei uns selbst im Vorstand beginnen". Und erntete Beifall von Redeführern wie Fondsmanager Ingo Speich von Union Investment: "Daran könnte sich auch der Aufsichtsrat von VW  ein Beispiel nehmen."

Aber die Basis rebellierte. Sie hat genau beobachtet, wie gut es ihren Brüdern bei Goldman Sachs  geht, deren Chef Lloyd Blankfein zuletzt nicht mehr wusste wohin mit seiner zweiten Hamptons-Villa. Und wie die Commerzbank  nebenan jahrelang die Vorstandsgehälter auf eine magere halbe Million deckelte, und nun folgerichtig überhaupt nicht mehr systemrelevant ist. Deshalb lehnten die Aktionäre das Anti-Boni-Programm lieber ab.

Von einem allgemeinen Misstrauen in die Führung kann jedoch keine Rede sein ...

Die Bankführung genießt mehr Vertrauen als jede demokratische Partei

Geht im Stahl-Glas-Bau schneller: Alle Steine wurden schon dreimal umgedreht

Geht im Stahl-Glas-Bau schneller: Alle Steine wurden schon dreimal umgedreht

Foto: DANIEL ROLAND/ AFP

Noch mehr Sonderprüfungen zu allerlei Skandalen? Zu diesem Querulanten-Antrag sagten 53,6 Prozent Nein - eine klare absolute Mehrheit, ein Ergebnis, das selbst die CSU in Bayern mit einem monatelangen Besäufnis feiern würde.

"Die Steine wurden schon dreimal umgedreht", sagte einer der Top-Aktionäre der Nachrichtenagentur Reuters. "Jetzt nochmal Sonderuntersuchungen zu starten, würde nur viel Geld und Zeit kosten und wenig bringen." Wie stark das Vertrauen ist, zeigen auch die persönlichen Wahlergebnisse der Spitzenbanker ...

Achleitner hat sechsmal so viele Stimmen wie Obama

Präsidiale Geste: "My dear fellow citizens, as leader of the free world ..."

Präsidiale Geste: "My dear fellow citizens, as leader of the free world ..."

Foto: Arne Dedert/ dpa

Ein Denkzettel für Paul Achleitner? Denkste. Der Aufsichtsratschef war zu Unrecht nervös. Satte 86,9 Prozent stimmten für ihn, in absoluten Zahlen 412 Millionen - es gilt das urdemokratische Prinzip "one share, one vote". Selbst wenn man ein paar Irrwähler abzieht, die "Entlassung" statt "Entlastung" meinten, ist das noch ein überwältigender Vertrauensbeweis.

Zum Vergleich: Barack Obama hat sich mit nicht einmal 66 Millionen Stimmen und mediokren 51 Prozent zum Führer der freien Welt aufgeschwungen. Und Angela Merkel kann als persönliches Votum nur etwas mehr als 87.000 Kreuze im Wahlkreis Vorpommern-Rügen verbuchen.

22 Prozentpunkte Zugewinn für Anshu Jain - ganz ohne Wahlkampf

Anshu Jain: Ein weiteres Fünftel an Beliebtheit gewonnen

Anshu Jain: Ein weiteres Fünftel an Beliebtheit gewonnen

Foto: DANIEL ROLAND/ AFP

Selbst die Kandidaten mit schwächeren Wahlergebnissen können sich noch als Gewinner betrachten. So wie Anshu Jain, der noch nicht einmal Wahlkampf führte geschweige denn Ambitionen auf ein Amt hegte - und trotzdem noch auf 83,1 Prozent Ja-Stimmen kam, ein Zugewinn von sagenhaften 22 Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr. Solche Werte von Politikern würden jede Forsa-Skala sprengen.

So sehr sie von ihrem Wahlrecht Gebrauch machen, wenn es nötig ist - die Aktionäre der Deutschen Bank erwiesen sich wieder einmal als besonnenes Volk. Wutbürger wie zuvor bei Daimler ? Fehlanzeige, 5000 Paar Frankfurter Würstchen ließen sich friedlich und ohne Verteilungskämpfe unter 5000 Aktionären verteilen. Dividende muss nicht sein, aber bitte, meine Herren, gönnen Sie sich doch etwas höhere Boni. Denn nur wenn es den Bankern gut geht, kann es auch der Bank gut gehen ...

Bankchef for Bundeskanzler

Genug für den Squeeze-out: John Cryan (98,5 Prozent), Paul Achleiter (86,9 Prozent)

Genug für den Squeeze-out: John Cryan (98,5 Prozent), Paul Achleiter (86,9 Prozent)

Foto: Arne Dedert/ dpa

Als gefeierter Volkstribun verließ Deutsche-Bank-Chef John Cryan die Bühne, mit einem persönlichen Wahlergebnis von 98,5 Prozent - ähnlich hoch wie die verbleibenden Vorstandskollegen, alle zwischen 98 und 99 Prozent.

Sagen wir es laut: Das ist keine relative Mehrheit, keine absolute Mehrheit, keine verfassungsändernde Zwei-Drittel-Mehrheit - das reicht locker für einen Squeeze-out, für einen Gewinnabführungs- und Beherrschungsvertrag.

Damit hat Cryan genug Legitimation, um auch die Führung der Deutschen Regierungsbank zu übernehmen. Wenn er nur nicht immer so bescheiden aufträte ...


Alle relevanten News des Tages gratis auf Ihr Smartphone. Sichern Sie sich jetzt die neue kostenlose App von manager-magazin.de. Für Apple-Geräte hier  und für Android-Geräte hier . Viel Vergnügen bei der Lektüre!

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.