Dienstag, 18. Juni 2019

Nach Steuerspar-Deals Sarasin sucht das rettende Geschäftsmodell

Sarasin: Auf der Suche nach dem rettenden Geschäftsmodell
REUTERS

Die Schweizer Traditionsbank Sarasin hat dubiose Steuerspargeschäfte mit deutschen Promi-Kunden abgewickelt. Nachdem das öffentlich geworden ist, spielt die brasilianische Eigner-Familie Safra nun verschiedene Szenarien durch - bis hin zum Verkauf.

Hamburg - Es muss um viel gehen, wenn ein publicityscheuer Milliardär wie Drogeriemarktkönig Erwin Müller (82) sich selbst in aller Öffentlichkeit als Steuerhinterzieher brandmarkt. Die Anklage, die er seinem Schwarzgeldgeständnis Mitte Januar folgen ließ, zeigt unmissverständlich, worum es ihm tatsächlich geht: um Revanche.

Sein langjähriger Vermögensverwalter, das Schweizer Bankhaus J. Safra Sarasin, so ließ Müller erklären, habe seinen Versuch, mit dem deutschen Fiskus ins Reine zu kommen, durch handwerkliche Fehler torpediert - was aus Basel vehement bestritten wird.

Die lautstarke Auseinandersetzung ist nur ein kleiner Teil der Altlasten, mit denen sich die angeschlagene Edeladresse derzeit herumplagt. Schwerreiche Kunden wie der einstige Finanzunternehmer Carsten Maschmeyer (55) und der westfälische Großschlachter Clemens Thönnies (58) fühlen sich betrogen, deutsche und schweizerische Staatsanwälte ermitteln wegen dubioser Steuersparmodelle, und die Anleger einer von Sarasin emittierten Anleihe des inzwischen insolventen Energieunternehmens Windreich haben die Bank auf Schadensersatz in dreistelliger Millionenhöhe verklagt.

Für Joseph Safra (75), den Kopf der brasilianischen Finanzdynastie, die Sarasin vor gut drei Jahren für eine Milliarde Schweizer Franken übernommen hat, stellt sich nun die Frage, wie viel von der Reputation und damit von der Geschäftsgrundlage bleibt, wenn der Sturm vorübergezogen ist.

Headhunter klopft bei Führungskräften anderer Banken an

Intern lässt er gegenwärtig jedenfalls etliche Szenarien durchspielen - bis hin zum Verkauf der Bank. Derzeit spricht ein Headhunter Führungskräfte anderer Finanzhäuser an, ob sie sich vorstellen könnten, nach einem Verkauf als Sanierer an die Spitze des Instituts zu rücken.

Ein derart radikaler Schnitt ist momentan allerdings kaum vorstellbar. Nicht nur weil die Safras ihre übrigen europäischen Aktivitäten mit Sarasin zusammengelegt haben. Sondern vor allem, weil sich angesichts der rechtlichen Risiken kaum ein Käufer auftreiben lassen dürfte. Allenfalls für unbelastete Sparten wie das institutionelle Asset-Management stehen Interessenten bereit.

Das Dilemma haben die Safras geerbt. Ein Jahr vor ihrem Einstieg hatte der damalige Bankchef Joachim Strähle (56) das Ende des alten Geschäftsmodells verkündet, das in großen Teilen darin bestand, unversteuertes Vermögen reicher ausländischer Kunden zu managen.

Statt sich aber auf die Fähigkeiten seiner Kapitalmarktleute und Vermögensverwalter zu verlassen, verlegte er sich auf eine Art Trickdiebstahl: Riesige Fonds, deren Geschäftsgrundlage darin bestand, sich einmal bezahlte Kapitalertragsteuer doppelt von den deutschen Finanzbehörden erstatten zu lassen.

Als die Masche aufflog und Berlin die Zahlungen stoppte, rutschten die Fonds in die Pleite und das Geld der Sarasin-Kunden war weg. Einer der ganz großen Verlierer dieses Spiels heißt Müller, Erwin Müller.

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