Geplatzter CEO-Vertrag Santander muss Andrea Orcel 68 Millionen Euro zahlen

Er sollte Chef der Großbank Santander werden, doch im Streit ums Gehalt zogen die Spanier ihr Angebot an den ehemaligen UBS-Starbanker und heutigen UniCredit-Chef Andrea Orcel zurück. Jetzt soll die Bank 68 Millionen Euro zahlen - und kündigt Berufung an.
Andrea Orcel: Der Mann hat seinen Preis

Andrea Orcel: Der Mann hat seinen Preis

Foto: Olivia Harris / Reuters

Die spanische Großbank Santander hat einen Prozess gegen den ehemaligen UBS-Starbanker und jetzigen Unicredit-Chef Andrea Orcel verloren. Sie soll ihm rund 68 Millionen Euro zahlen, weil sie ihm ein Angebot zum Vorstandschef unterbreitet hatte, es dann aber aufgrund abweichender Gehaltsvorstellungen zurückzog, entschied jetzt ein Gericht in Madrid. Die Richter argumentierten, bei dem vierseitigen Angebotsschreiben aus dem Jahr 2018 an Orcel handelte es sich um einen verbindlichen Vertrag. Orcel stünde deshalb die Entschädigung zu. Laut "Financial Times"  will die Bank in Berufung gehen.

Das Gerichtsurteil ist ein schwerer Schlag für Ana Botín, die Verwaltungsratsvorsitzende der Bank. Denn in ihre Zeit an der Spitze der Gruppe fiel die Entscheidung, Orcel zunächst einzustellen und ihm dann wieder den Stuhl vor die Tür zu stellen. Orcel galt zudem als ein Freund der Banker-Familie Botín.

"Ich denke, es ist bedauerlich, dass wir uns in dieser Situation befinden, aber wenn man sich die Fakten und die Ergebnisse des Gerichtsverfahrens ansieht, sind die Schlussfolgerungen klar", sagte Orcel der "FT", bevor er von der Entscheidung des Gerichts am Freitag erfuhr.

Santander sieht die Sache anders. "Wir sind mit dem Urteil nicht einverstanden. Der Vorstand von Santander ist zuversichtlich, dass wir in der Berufung erfolgreich sein werden, so wie wir es auch bei den beiden Strafanzeigen waren, die bereits von den Gerichten in dieser Angelegenheit geprüft wurden", zitiert die Zeitung eine Sprecherin der Bank.

10 Millionen Euro allein für "Rufschädigung"

Die von Santander geforderte Zahlung beinhaltet 10 Millionen Euro "für moralischen Schaden und Rufschädigung" an Orcel sowie offenbar vereinbarte oder zumindest in Aussicht gestellte vertragliche Posten wie Gehälter und Boni und Zinsen ab dem Zeitpunkt der Klageeinreichung.

Orcel hatte von Santander bis zu 112 Millionen Euro gefordert. Santander hatte in dem Verfahren argumentiert, das vierseitige Schreiben sei nur ein unverbindliches erstes Angebot gewesen. Die spanische Großbank hatte schließlich das Versprechen zurückgezogen, Orcel bis zu 35 Millionen Euro eines 55-Millionen-Euro-Pakets zu zahlen, das er von seinem früheren Arbeitgeber UBS noch zu Gute hatte.

In dem Prozess in Madrid waren auch Santander-Verwaltungsratschefin Botin und UBS-Verwaltungsratchef Axel Weber aufgetreten. Orcel und Botin hatten jahrelang eng zusammengearbeitet. Er tütete für die spanische Bank Übernahmen im Ausland ein und half dem Institut zu einem der größten Geldhäuser Europas aufzusteigen. Ein öffentlich ausgetragener Streit um einen Spitzenjob in der Finanzbranche ist ungewöhnlich. Der Rechtsstreit erregt deshalb viel Aufmerksamkeit in der Bankenbranche.

Orcel, der im April den Chefposten bei der italienischen Großbank Unicredit übernommen hatte, hatte unter anderem mit seinem Abgang als Leiter des Investmentbanking der UBS ein Vergütungspaket der Schweizer Großbank verloren.

rei/Reuters
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