Erster Jahresverlust überhaupt Krise in Brasilien und Spanien trifft Bank Santander hart

Drohende Kreditausfälle und Abschreibungen haben Spaniens Großbank Santander 2020 fast neun Milliarden Euro Verlust eingebrockt - der erste Jahresverlust in ihrer Geschichte. Die Aktie steigt trotzdem.
Ana Botín: Die Chefin von Spaniens Großbank stellt den Aktionären nach einem historisch schlechten Jahr für die Zukunft mehr Dividende in Aussicht

Ana Botín: Die Chefin von Spaniens Großbank stellt den Aktionären nach einem historisch schlechten Jahr für die Zukunft mehr Dividende in Aussicht

Foto: BANCO SANTANDER HANDOUT/EPA-EFE/Shutterstock

Umbaukosten und Belastungen durch die Corona-Krise haben der spanischen Großbank Santander im vergangenen Jahr einen Fehlbetrag von fast neun Milliarden Euro eingebrockt. Es war der erste Jahresverlust überhaupt für das größte spanische Geldhaus. Im vierten Quartal schrumpfte der Nettogewinn wegen milliardenhoher Restrukturierungskosten um 90 Prozent auf 277 Millionen Euro zusammen, wie die Bank am Mittwoch weiter mitteilte. Analysten hatten mit noch stärkeren Rückgängen gerechnet.

Die Aktien  legten zunächst um 3 Prozent bis auf 2,67 Euro zu, gaben dann aber einen Teil ihrer Gewinne wieder ab. Seit Beginn der Corona-Krise hat das Papier eine Achterbahnfahrt hingelegt. Von knapp vier Euro Mitte Februar 2020 ging es im Corona-Crash an den Finanzmärkten binnen weniger Wochen steil nach unten. Ende September kostete das Papier sogar nur noch gut 1,50 Euro. Seitdem hat sich der Kurs deutlich erholt. Insgesamt wird Santander an der Börse derzeit mit rund 45 Milliarden Euro bewertet. Die Deutsche Bank kommt mit einer Marktkapitalisierung von rund 18 Milliarden Euro auf weniger als die Hälfte.

Goldman Sachs zeigte sich ob des vierten Quartals sogar leicht positiv überrascht und beließ die Titel in einer Schnelleinschätzung auf der "Conviction Buy List". Insgesamt sei das vierte Quartal der Bank solide ausgefallen, schrieb Analyst Jernej Omahen. Positiv sei auch die geringere Risikovorsorge für dieses Jahr.

Wegen der schlechteren Konjunkturaussichten hatten die Spanier bereits im zweiten Quartal fast 13 Milliarden Euro auf frühere Zukäufe abgeschrieben. Hinzu kam eine höhere Risikovorsorge für drohende Kreditausfälle. Diese Belastungen summierten sich aufs Jahr gesehen auf 12,2 Milliarden Euro, knapp ein Drittel mehr als 2019. Auch andere Banken in Europa mussten mehr zur Seite legen, um Kreditausfälle abzufedern - allerdings teilweise viel weniger. Bei der Deutschen Bank, die am Donnerstag ihre Jahreszahlen vorlegt, summierte sich die Risikovorsorge laut früheren Angaben auf 1,8 Milliarden Euro.

Krise in Brasilien und Spanien trifft Santander hart

Santander ist von der Corona-Krise besonders gebeutelt, da Spanien und Brasilien zu den wichtigsten Märkten gehören. Beide Länder gehören zu den am stärksten von der Pandemie betroffenen Staaten. Unter dem Strich stand 2020 ein Verlust von 8,8 Milliarden Euro, nachdem Santander ein Jahr zuvor noch 6,5 Milliarden Euro verdient hatte. Wegen der niedrigeren Zinsen gingen die Zinserträge zurück und auch die Provisionseinnahmen lagen unter dem Vorjahresniveau.

Außerdem verbuchte das Institut zum Jahresende eine Belastung von rund 1,15 Milliarden Euro für die Schließung von mehr als 1000 Filialen und den Abbau von fast 3600 Jobs in der spanischen Heimat. Santander hatte im Dezember eine Einigung mit der Arbeitnehmerseite erzielt. Nachdem das Geldhaus seine Kosten bis Ende 2020 um eine Milliarde Euro gesenkt hat, will Bankchefin Ana Botín (60) bis Ende 2022 eine weitere Milliarde einsparen.

2021 soll vieles besser werden und die Rendite steigen

Zuversichtlich stimmte Anleger aber, dass die Zinseinnahmen im Vergleich zum dritten Quartal 2020 zulegten, wie Analysten der US-Bank Jefferies konstatierten. Zudem sei die Risikovorsorge im vierten Quartal niedriger gewesen und die Bank habe mehr im Handelsgeschäft verdient, erklärten Experten der Bank Citi.

Im neuen Jahr soll es auch in der gesamten Bank wieder besser laufen. Nachdem die um Sondereffekte bereinigte Rendite auf das Eigenkapital im Corona-Jahr von zuvor 11,79 Prozent auf 7,44 Prozent abgesackt war, soll sie 2021 auf 9 bis 10 Prozent steigen. Mittelfristig stehen weiterhin 13 bis 15 Prozent im Plan. Dann will Santander 40 bis 50 Prozent des bereinigten Gewinns als Dividende ausschütten, sofern die Aufsichtsbehörden dies der Branche wieder erlauben.

Symbolische Dividende soll Aktionäre bei Laune halten

Vorerst aber müssen sich die Aktionäre mit einer wohl eher symbolischen Dividende von knapp drei Cent je Anteilschein begnügen. Eigentlich wollte Santander noch mehr an Investoren ausschütten, die Europäische Zentralbank schob dem aber einen Riegel vor. Sie rief Banken in der Euro-Zone dazu auf, ihr Kapital zusammenzuhalten, um die Belastungen durch die Corona-Krise besser abfedern zu können.

rei/Reuters, DPA