Schottische Finanzbranche RBS droht mit Umzug, Aberdeen hält dagegen

Ein unabhängiges Schottland könnte sein größtes Unternehmen verlieren. Die Royal Bank of Scotland droht offen mit Umzug nach London, falls die Bürger am kommenden Donnerstag für die Abspaltung von Großbritannien stimmen. In der Finanzbranche gibt es aber auch andere Stimmen.
Schottische Tradition: Die Royal Bank of Scotland wurde gegründet, um der gegen Englands Krone gerichteten Bank of Scotland Konkurrenz zu machen

Schottische Tradition: Die Royal Bank of Scotland wurde gegründet, um der gegen Englands Krone gerichteten Bank of Scotland Konkurrenz zu machen

Foto: © David Moir / Reuters/ REUTERS

Hamburg - In Edinburgh kursieren jetzt "Notfallpläne". Die schottische Hauptstadt ist das Finanzzentrum Nummer zwei auf der Insel nach London, und die Großbanken sind versessen darauf, die Verbindung zur City zu halten - auch wenn das Volk sich im für kommenden Donnerstag geplanten Referendum anders entscheiden sollte.

"Die Abstimmung über Unabhängigkeit ist eine Angelegenheit des schottischen Volks", teilt die Royal Bank of Scotland mit - um sogleich klarzustellen , dass das größte Unternehmen des Landes im Fall einer "Ja"-Mehrheit seinen Hauptsitz von Edinburgh nach London verlegen werde. Dort findet ohnehin der Großteil des Betriebs statt, dort sitzt mit dem britischen Staat noch immer der Hauptaktionär, und überhaupt müsse man "Unsicherheit hinsichtlich des Kreditratings, des steuerlichen, monetären, rechtlichen und regulatorischen Umfelds" ausräumen.

Die Bank erinnert dennoch daran, dass sie Schottland nicht nur im Namen trägt, sondern seit ihrer Gründung 1727 dort ihre Heimat hat - schottische Separatisten mögen sich dadurch aber auch eher bestätigt fühlen: Die RBS hat ihre Wurzeln in einer Antwort der britischen Loyalisten auf damalige Aufstände in Schottland zugunsten der schottischen Tudor-Dynastie und gegen die auf Betreiben der englischen Liberalen eingesetzten neuen Herrscher aus dem Haus Hannover.

Der noch vom unabhängigen schottischen Parlament im 17. Jahrhundert gegründeten Bank of Scotland wurde vorgeworfen, die Aufstände zu unterstützen. Die Royal Bank of Scotland sollte deren Dominanz brechen. Jahrzehntelang wurde der Wettbewerb der beiden Banken auch von diesem politischen Konflikt geprägt.

Aberdeen-Chef glaubt an "großen Erfolg" im Fall der Unabhängigkeit

Doch auch die Bank of Scotland, die nach zwei Fusionen und infolge der Finanzkrise zur Lloyds Banking Group  gehört, hält der schottischen Fahne nicht mehr die Treue. Lloyds - deren Aktienanteil der britische Staat inzwischen auf ein Viertel reduziert hat - teilt ebenfalls mit, "neue rechtliche Einheiten in England" zu errichten, falls sich die Schotten lossagen, meldet die BBC . Mit der australisch beherrschten Clydesdale Banke würde sich auch die dritte Geschäftsbank, die schottische Pfundnoten herausgibt, aus dem Land verabschieden, ebenso äußert sich der Lebensversicherer Standard Life.

Die BBC hat jedoch auch eine Gegenstimme aufgetan: "Ich glaube, dass ein unabhängiges Schottland großen Erfolg hätte", zitiert der Rundfunksender Martin Gilbert, den Chef der Fondsgesellschaft Aberdeen Asset Management. "Die meisten vernünftigen Menschen wissen, dass Schottland unabhängig vom Ausgang der jetzigen Verfassungsdebatte wohlhabend wäre."

Der angekündigte Wegzug der Großbanken könnte für die Separatisten auch ermutigend wirken statt als Drohung. Denn mit einem Sitz in London wäre auch klar, dass im Zweifel das Rest-Vereinigte Königreich das Risiko dieser Finanzriesen tragen müsste und nicht das kleine Schottland. Die Erfahrung mit den schottischen Banken in der Finanzkrise ist eines der Hauptargumente gegen die Unabhängigkeit.

Allein die Royal Bank of Scotland musste mit 46 Milliarden Pfund (57 Milliarden Euro) von den Steuerzahlern gestützt werden, die teuerste Bankenrettung weltweit. Noch immer ist der britische Staat mit mehr als 80 Prozent beteiligt. Auch an den bereits stattfindenden Stellenabbau zu Zehntausenden könnten die Folgen eines Umzugs der Zentrale kaum heranreichen.

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