Raisin und Deposit Solutions Erste Großfusion zweier deutscher Fintechs

Aus Wettbewerbern werden Partner: Die Betreiber der beiden Finanzplattformen "Weltsparen" und "Zinspilot" fusionieren. Zusammen wollen sie schnell expandieren - nicht gegen, sondern mit Banken als Partner.
Weltsparen ist ihre Marke: Die Rasin-Gründer Michael Stephan, Tamaz Georgadze und Frank Freund (von links)

Weltsparen ist ihre Marke: Die Rasin-Gründer Michael Stephan, Tamaz Georgadze und Frank Freund (von links)

Foto: Lukas Schramm / weltsparen

Die beiden großen Zinsplattformen Raisin und Deposit Solutions tun sich zusammen. Nach mehr als einem Jahr Vorbereitung und Verhandlungen fusionieren die beiden Unternehmen auf Augenhöhe zur "Raisin DS", wie die ehemaligen Wettbewerber am Freitag mitteilten . Es ist der erste Zusammenschluss zweier bedeutender deutscher Finanz-Start-ups.

Die beiden Unternehmen vermitteln Sparern über ihre Plattformen "Weltsparen"  (Raisin) und "Zinspilot"  (Deposit Solutions) Einlagenprodukte, die in Zeiten extrem niedriger Zinsen im Euroraum höhere Renditen versprechen. Beide Anbieter hatten auch Einlagen an die Bremer Pleitebank Greensill vermittelt und standen nach deren Zusammenbruch entsprechend in der Kritik.

Zu den finanziellen Details des Zusammenschlusses wollten sich die beiden nicht äußern. Auch zum Wert der einzelnen Firmen und zur Bewertung von Raisin DS machten sie keine Angaben. Raisin wurde laut finanzszene.de  bei seiner letzten großen Finanzierungsrunde im Mai 2019 mit rund 670 Millionen Euro bewertet. Deposit Solutions kam nach Angaben seines Großaktionärs Finlab zuletzt auf eine Bewertung von rund einer Milliarde Euro.

Raisin mit Sitz in Berlin und Deposit Solutions in Hamburg wollen gemeinsam und international wachsen. "Wir werden unsere Marktabdeckung in Europa erhöhen und eine bedeutende Präsenz in den USA aufbauen", sagte Tim Sievers, Gründer und Chef von Deposit Solutions. Mit der Fusion entstehe "aus zwei deutschen Innovationsführern ein europäischer Champion mit globalen Ambitionen". Raisin-Chef Tamaz Georgadze sagte: "Unsere Vision ist ein globaler Spar- und Anlagemarkt ohne Hürden." Raisin DS betrachtet sich den Angaben zufolge als Teil eines Finanzsystems, das sich stärker an den finanziellen Bedürfnissen der Menschen orientieren wolle und zugleich aber "Banken als wichtige Stütze der Realwirtschaft" interpretiert

Deposit Solutions bezeichnet sich als führende B2B-Open-Banking-Plattform im Spareinlagenmarkt, Raisin als führender pan-europäischer B2C-Marktplatz für Spar- und Investmentprodukte. Zusammen kooperieren die beiden Unternehmen nach eigenen Angaben mit etwa 400 Banken und Finanzdienstleistern aus mehr als 30 Ländern. Über die eigenen Marktplätze legen bei Raisin DS den Angaben zufolge 550.000 Direktkunden an. Die fusionierte Firma soll gut 500 Beschäftigte haben.

Weiteres Geld für Wachstum benötigt

Um das weitere Wachstum zu finanzieren, wollen die Firmen demnächst wieder Geld von Investoren einsammeln. "Die Marktlage ist derzeit sehr gut. Es wäre nicht abwegig, bald eine neue Finanzierungsrunde einzuläuten", sagte Georgadze. "Erstmal wollen wir unsere Teams zusammenbringen. Dann gehen wir gemeinsam in die nächste Phase." Der Raisin-Gründer wird das fusionierte Fintech bis Ende des Jahres gemeinsam mit Sievers leiten, ab dann aber alleiniger Vorstandschef sein. Sievers wechselt dann in den Beirat der GmbH.

Einlagen in Höhe von 20 Milliarden Euro vermittelt

Die beiden Firmen sollen über ihre Plattformen bislang Einlagen in Höhe von rund 20 Milliarden Euro vermittelt haben. Aktuelle Geschäftszahlen sind nicht bekannt: Laut finanzszene.de stammen die jüngsten aus dem 2017: Seinerzeit hätte Raisin 11,9 Millionen Euro umgesetzt und Deposit rund 5,7 Millionen Euro Umsatz generiert. Nach der Fusion der ehemaligen Wettbewerber könnte sich nun Check24 mit Sitz in München als neuer Gegenspieler positionieren, heißt es in dem Bericht. Über eine eigene Banklizenz verfüge das Portal bereits.

Zum Investorenkreis gehören die Deutsche Bank, der Wagniskapitalgeber und Paypal-Mitgründer Peter Thiel (53) sowie die US-Bank Goldman Sachs. Alle Investoren blieben nach der Fusion an Bord, sagte Sievers. Der Zusammenschluss werde in den kommenden Tagen ins Handelsregister eingetragen. Kartellrechtliche Bedenken gebe es keine.

rei/DPA/Reuters
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