Mittwoch, 27. Mai 2020

Neuer Finanzvorstand Was Marcus Schenck mitbringt

Angesehener Finanzmanager: Deutsche-Bank-Chefaufseher Paul Achleitner bescheinigt Marcus Schenck eine "beeindruckende internationale Karriere"
[M] mm.de; picture alliance / Sven Simon
Angesehener Finanzmanager: Deutsche-Bank-Chefaufseher Paul Achleitner bescheinigt Marcus Schenck eine "beeindruckende internationale Karriere"

Es ist die vorläufige Krönung einer beachtlichen Karriere: Im Mai 2015 soll Marcus Schenck Finanzvorstand der Deutschen Bank werden. Warum er gute Möglichkeiten hat, sich als Nachfolger von Jürgen Fitschen in Stellung zu bringen.

Hamburg - Seit Jahren verantwortet Marcus Schenck Milliardenbeträge - den Respekt vor großen Summen hat er scheinbar trotzdem nicht verloren. "Keine Spur vom Master of the Universe, der leichtfertig mit Milliarden jongliert", schreibt das Wirtschaftsmagazin "brand eins" 2011 über den damaligen Finanzvorstand des Energiekonzerns Eon. Bei vielen Top-Managern habe man das Gefühl, sie seien abgehoben und nicht von dieser Welt: Doch das gelte nicht für Marcus Schenck.

Der 48-Jährige kann auf eine beachtliche Karriere zurückblicken: Nach einem Studium der Wirtschaftswissenschaften in Bonn und Berkeley heuerte er Anfang der 90er Jahre zuerst bei der Unternehmensberatung McKinsey an; hier knüpft er auch erste Kontakte zur Deutschen Bank, die er im Rahmen eines Projekts betreut.

Einige Jahre später wechselt Schenck zu Goldman Sachs - und steigt in Rekordzeit bis 2002 in den prestige- und boniträchtigen Partnerrang auf. Zu seinen Goldman-Zeiten gilt Schenck als einer der versiertesten Investment-Banker der Republik.

"Beeindruckende internationale Karriere im Bankensektor"

Als Co-Head Investment Banking Deutschland verlässt er das Bankhaus schließlich Ende 2006: Während das Investmentgeschäft boomt und viele Banker hohe Millionenboni mit nach Hause nehmen, wird Schenck Finanzvorstand beim Energieunternehmen Eon. Einen solchen, antizyklisch erscheinenden Wechsel legt er erneut Ende 2013 hin. Viele Banker streben nach der Finanzkrise nun in die Realwirtschaft, Schenck macht dagegen die Rolle rückwärts und kehrt zu Goldman Sachs zurück.

Der Wechsel offenbart sein Ansehen in der Branche: Als einer von nur wenigen Deutschen zieht er in den Führungszirkel der Bank ein und verantwortet das Investment-Banking in Europa, dem Nahen Osten und Afrika. Im Oktober 2014 folgt nun der nächste Karriereschritt hin zu Deutschlands größter Bank.

Schenck gilt als Vertrauter des Aufsichtsratschefs: Paul Achleitner und er kennen sich seit Jahren. Achleitner selbst sagte laut einer Mitteilung, Schenck verbinde die "Erfahrung eines Dax-Finanzvorstands mit einer beeindruckenden internationalen Karriere im Bankensektor". Seine Persönlichkeit und Kompetenz gäben "dem Vorstand einen willkommenen Mehrwert".

Der nächste Deutsche-Bank-Chef?

Seine guten Kontakte zu Achleitner und sein Ansehen innerhalb der Branche machen Schenck nun fast automatisch zum potenziellen Chef-Kandidaten - 2017 laufen die Verträge der beiden Co-CEOs Anshu Jain und Jürgen Fitschen aus. Um einen ernstzunehmenden potenziellen Bankchef abzugeben, muss sich Schenck allerdings noch bewähren, zumal er erst im Mai 2015 seinen neuen Job antritt. Bis dahin fungiert er als Generalbevollmächtigter und Stellvertreter des bisherigen CFOs Stefan Krause.

Verglichen mit anderen möglichen Kandidaten aus dem aktuellen Vorstand steht Schenck allerdings relativ gut dar: Die Versetzung seines Vorgängers Krause auf den neuen Vorstandsposten für Strategie und Organisationsentwicklung wird allgemein als Entmachtung gewertet; Privat- und Geschäftskundenvorstand Rainer Neske fehlt es an Fürsprechern innerhalb der mächtigen Investmentbanking-Abteilung; Europachef Stephan Leitner ist ebenfalls angeschlagen, weil er das wichtige Rechtsressort an den anderen Neu-Vorstand Christian Sewing abtreten muss.

Viel Raum also für Marcus Schenck, um sich zu empfehlen.

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