Erster US-Tech-Riese bietet Sparkonten für Privatkunden an Paypal steigt bei Weltsparen.de ein

Von Heinz-Roger Dohms
Künftig zusammen: Paypal und Weltsparen

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Die traditionellen deutschen Banken bekommen erstmals von einem US-Tech-Riesen Konkurrenz in ihrem Kerngeschäft. Paypal, Marktführer für digitales Bezahlen, plant, über das deutsche Fintech Raisin ("Weltsparen.de") demnächst in Deutschland, Großbritannien und weiteren europäischen Ländern Tages- und Festgelder anzubieten.

Dazu ist Paypal kürzlich als Investor bei Raisin eingestiegen. Die genauen Pläne wollte Raisin-Gründer Tamaz Georgadze am Dienstag gegenüber dem Branchen-Newsletter "Finanz-Szene.de"  zwar nicht offenlegen. Allerdings sagte Georgadze kaum verklausuliert: "Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit PayPal." Das Ziel seines Unternehmens sei es nun, "unsere Produkte für Hunderte Millionen Europäer zugänglicher zu machen".

Für die europäische Bankenbranche bahnt sich damit eine Zäsur an. Denn es ist das erste Mal, dass Paypal seinen Privatkunden diesseits des Atlantiks ein eigenständiges Sparprodukt anbietet.

Zwar unterhält der US-Riese, der mit einem Börsenwert von rund 89 Milliarden Dollar locker mehr wert ist als die Deutsche Bank und die Commerzbank zusammen, auch jetzt schon die Paypal Bank in Luxemburg. Deren Produktpalette ist allerdings sehr überschaubar und beschränkt sich zum Beispiel auf einen Händlerkredit, mit dem Paypal kleinen Shops, die die Bezahllösung nutzen, den Wareneinkauf vorfinanziert.

Auch in den USA hielt sich Paypal mit herkömmlichen Bankdienstleistungen bis vor kurzem zurück. Einzige nennenswerte Ausnahme war lange Zeit die Möglichkeit, überschüssige Liquidität auf dem Paypal-Konto in einen Geldmarktfonds zu überführen. Kürzlich allerdings ändert der Payment-Konzern erstmals seine Strategie und nahm die digitale Vermögensverwaltung des Robo-Advisors Acorn in sein Angebot auf.

Der frühere Paypal-Manager Jochen Siegert sieht eine Parallele: "Offensichtlich soll Weltsparen für Paypal in Europa das werden, was Acorn für Paypal in den USA ist - nämlich der Einstieg ins klassische Retail-Banking jenseits des Zahlungsverkehrs, allerdings nicht als eigenes Angebot, sondern mithilfe eines Produktpartners."

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Für Weltsparen.de kommt die Kooperation mit Paypal einem Ritterschlag gleich, zumal der US-Konzern, der bislang nicht wirklich als Startup-Investor aufgefallen ist, den Pakt durch die Geldspritze unterlegt. Zur Höhe der Finanzierung machte Georgadze keine genauen Angaben, sie dürfte allerdings im niedrigen zweistelligen Millionenbereich liegen.

Die bislang letzte Finanzierungsrunde hatte Raisin Anfang des Jahres verkündet. Damals spülten klassische Venture-Capital-Fonds 30 Millionen Euro in das Unternehmen. Zur Bewertung sagten die Berliner damals nichts. Allerdings dürfte Raisin genauso wie N26, die Solarisbank oder Deposit Solutions zu jenen deutschen Fintechs gehören, die zwar die 100-Millionen-Grenze bereits deutlich geknackt haben, von einer 500-Millionen-Bewertung allerdings noch ein gutes Stück entfernt sind.

"Es macht uns stolz, dass sich Paypal für uns als Partner entschieden hat", sagte Georgadze. Der Kontakt sei vor rund einem Jahr zustande gekommen und vonseiten der Amerikaner ausgegangen. "Über die vergangenen Monaten ist das dann immer konkreter geworden."

Vor diesem Hintergrund erscheint auch die vor wenigen Wochen verkündete Expansion nach Großbritannien in neuem Licht; dort übernahm Raisin für einen nicht genannten Kaufpreis das britische Pendant PBF Solutions. "Natürlich spielt es für einen Konzern wie Paypal eine Rolle, dass potenzielle Partner möglichst international aufgestellt sind", meinte Georgadze. Als weiteren wichtigen Faktor nannte er die sogenannte "API" - also die technische Schnittstelle, über die große Finanzkonzerne die Dienstleistungen von Finanz-Startups integrieren.

Die große Frage wird nun sein, wie die etablierte Finanzbranche auf die Kooperation reagieren. Als Schwäche der Fintechs galt bislang, dass ihnen der direkte Zugang zu größeren Kundengruppen fehle - und sie deshalb zwingend auf die Zusammenarbeit mit klassischen Banken angewiesen seien.

Sollten die Paypal-Nutzer das neue Angebot annehmen, hätte Raisin nun einen Weg gefunden, seine Produkte in den Massenmarkt zu schleusen und dabei die Banken als Vertriebsweg zu umgehen. Der Konkurrent Deposit Solutions ("Zinspilot") hat sich zwar ebenfalls darauf spezialisiert, Spar- und Festgelder zu vermitteln. Allerdings gehen die Hanseaten einen anderen Weg und bieten ihre technische Lösung verstärkt als B2B-Dienstleistung den Banken an.

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