Kritik am Paypal-Fighter Paydirekt Deutschlands Banken droht eine Blamage

Es sollte der lang ersehnte Schlag gegen den US-Konkurrenten Paypal werden: Im November ging Paydirekt ans Netz, das erste gemeinsame Online-Bezahlsystem der großen deutschen Banken und Sparkassen. Doch Kunden und Händler interessieren sich bislang kaum für den neuen Dienst.
Paydirekt: Bislang haben sich nur wenige Onlineshops für das neue Bezahlsystem geöffnet

Paydirekt: Bislang haben sich nur wenige Onlineshops für das neue Bezahlsystem geöffnet

Foto: manager magazin online

Mehr als 250.000 Girokontoinhaber sollen sich zwar registriert haben, aber ob sie Paydirekt auch nutzen bleibt fraglich. In einer aktuellen Umfrage sahen knapp 55 Prozent der Teilnehmer "keinen Mehrwert" in dem neuen Service. Ein Grund: Der IT-Versand Alternate ist bislang der einzige große Onlineshop, bei dem man fast ein halbes Jahr nach dem Start mit Paydirekt bezahlen kann. Andere Großhändler wie Zalando geben sich auf Anfrage skeptisch.

Das manager magazin berichtet über die Probleme in seiner neuen Ausgabe (Erscheinungsdatum: 22. April 2016). Experten wie der Berater Maik Klotz nennen etwa die hohen Preise oder das komplizierte Verhandlungsverfahren als Gründe für die Skepsis der Händler. "Bei Paydirekt haben die Banken fast alles falsch gemacht, was man falsch machen konnte", sagte Klotz dem manager magazin.

Die Institute rechtfertigten die Komplexität in der Vergangenheit auch mit Bedenken des Bundeskartellamts. "Konkrete Vorgaben" habe es nicht gegeben, verneinte die Behörde auf Anfrage von manager magazin. Das derzeitige Modell, bei dem Händler mit bis zu sieben Partnern separat über Konditionen verhandeln müssen, hätten die Banken selbst vorgeschlagen.

Die Institute haben das Problem scheinbar zumindest erkannt: In einer vertraulichen internen Präsentation (Stand: Februar 2016), die manager magazin vorliegt, ist unter "derzeitige Herausforderungen" etwa von der Notwendigkeit einer "marktkonformen Preisstellung" die Rede. Die eigenen Prozesse werden darin als weder "stringent" noch "einheitlich" kritisiert.

Paydirekt-Geschäftsführer Niklas Bartelt gibt sich im Gespräch derweil optimistisch. Ende April werden auch die Sparkassen an das System angeschlossen, die in Deutschland mit Abstand die meisten Privatkunden zählen. Bartelt sieht zudem Vorteile gegenüber Konkurrenten wie Paypal. Paydirekt wirbt beispielsweise damit, sensible Daten besonders gut vor dem Zugriff Dritter zu schützen.

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