Sonntag, 19. Mai 2019

Verdacht der Steuerhinterziehung Bundesweite Razzia gegen Banken, Sparkassen, Vermögende

Frankfurter Bankenviertel
Frank Rumpenhorst / DPA
Frankfurter Bankenviertel

Steuerfahnder durchsuchen bundesweit Banken, Privatwohnungen von Vermögenden sowie Kanzleien von Steuerberatern. Die Razzia steht im Kontext mit den Enthüllungen durch die "Panama Papers" und die sogenannten "Offshore Leaks". Im Zentrum steht dabei offenbar eine frühere Firma der Deutschen Bank.

Drei Jahre nach den Enthüllungen der sogenannten Panama Papers sind Ermittler am Mittwoch wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung zu einer bundesweiten Großrazzia ausgerückt. Die Behörden durchsuchten die Wohnräume von acht vermögenden Privatpersonen, elf Banken und Sparkassen sowie die Geschäftsräume von vier Steuerberatern, teilte die Staatsanwalt Frankfurt mit.

Justiz und Steuerbehörden haben die Privatleute im Verdacht, über eine frühere Gesellschaft des Deutsche-Bank-Konzerns Briefkastenfirmen gegründet und Steuern hinterzogen zu haben. Die Vorgänge waren über die Veröffentlichung der "Panama Papers" bekannt geworden.

Die Ermittler machten keine Angaben dazu, welche Geldhäuser durchsucht wurden. Betroffen waren die Geschäftsräume von elf Instituten in Aachen, Bonn, Düsseldorf, Erding, Frankfurt, Köln und Trier. Wohnräume wurden von Privatpersonen in Bad Tölz, Erkrath, Hamburg, Konz, Simmerath und auf Sylt durchsucht. Beteiligt waren auch Beamte des Bundeskriminalamts (BKA), des Landeskriminalamtes Hamburg, der Oberfinanzdirektion Frankfurt und verschiedener Finanzämter.

Die aktuelle Razzia steht im Zusammenhang mit Durchsuchungen bei der Deutschen Bank im vergangenen November. Damals hatten die Ermittler zahlreiche Geschäftsunterlagen sichergestellt. Der Verdacht: Mitarbeiter des Instituts sollen Kunden geholfen haben, Briefkastenfirmen in Steuerparadiesen zu gründen und so Gelder aus Straftaten zu waschen.

Im Mittelpunkt dieser Machenschaften stand eine Gesellschaft mit Sitz auf den Britischen Jungferninseln. Allein im Jahr 2016 soll diese mehr als 900 Kunden mit einem Geschäftsvolumen von 311 Millionen Euro betreut haben. Die Deutsche Bank hatte diese Tochter mit dem Namen "Regula Limited" im Frühjahr 2018 verkauft.


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Die Ermittler hatten seinerzeit zwei Mitarbeiter im Alter von 46 und 50 Jahren im Visier sowie andere nicht näher identifizierte Beschäftigte der Deutschen Bank. Die Verdächtigen sollen bis heute für das Private Wealth Management und die Compliance-Abteilung der Bank arbeiten, berichtet das "Handelsblatt".

Auslöser der Razzia war eine Auswertung der so genannten "Panama Papers" und "Offshore Leaks" - vertrauliche Unterlagen darüber, wie Politiker, Sportfunktionäre, Prominente, Kriminelle und Milliardäre Briefkastenfirmen in Steueroasen nutzten, um Steuerzahlungen in ihrer Heimat zu umgehen. Ein internationales Recherchenetzwerk hatte die Informationen im Frühjahr 2016 enthüllt.

Die Deutsche Bank teilte am Mittwoch mit, die Ermittlungsverfahren richteten sich nicht gegen die Deutsche Bank, sondern gegen Privatpersonen. "Die Deutsche Bank kooperiert mit der Staatsanwaltschaft und gibt alle angeforderten Unterlagen freiwillig heraus." Aktuell habe keine Durchsuchung stattgefunden.

rei mit Nachrichtenagenturen

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