Vorstandschef Zielke kritisiert Vorgänger Blessing "Commerzbank 4.0" beginnt mit Panne

Am Donnerstag entscheidet der Aufsichtsrat der Commerzbank über die Umbaupläne von Vorstandschef Martin Zielke. Schon am Vortag tauchen Details im Intranet des Unternehmens auf - und verschwinden wieder.
Commerzbank-Chef Martin Zielke

Commerzbank-Chef Martin Zielke

Foto: Alexander Scheuber/ Bongarts/Getty Images

Mitarbeiter der zweitgrößten deutschen Bank trauten am Mittwoch ihren Augen nicht. Noch hat der Aufsichtsrat derneuen Strategie gar nicht zugestimmt, da wandte sich Commerzbank-Vorstandschef Martin Zielke über das Intranet in einem Brief an seine (noch) 51.000 Banker. "Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen, nach den Spekulationen der letzten Tage und Wochen kann ich Ihnen heute offiziell sagen, woran wir in den letzten Monaten intensiv gearbeitet haben, nämlich an der Strategie Commerzbank 4.0."

Kurz darauf war das Dokument wieder verschwunden. Doch da hatte sich der Inhalt schon verbreitet und erste zynische Reaktionen ausgelöst. Zielke preist sein Konzept als mutigen Schritt und "Neuerfindung der Commerzbank  in Zeiten der Digitalisierung". Erst einmal bedeutet das allerdings enorme Kosten und einen drastischen Stellenabbau.

Bereits in den vergangenen Tagen war durchgesichert, dass der Konzern 9000 Jobs streichen will . Jetzt schreibt Zielke, der Abbau werde über alle Bereiche und Hierarchiestufen erfolgen. Zielke beschreibt dies vor allem als Folge des digitalen Wandels. Er wolle die Commerzbank zu einem "digitalen Technologieunternehmen umbauen". Alle Geschäftsprozesse sollen binnen vier Jahren komplett digitalisiert werden. Das will sich die Bank 2 Milliarden Euro kosten lassen, also 500 Millionen Euro im Jahr. Bereits in den vergangenen Tagen hatte es geheißen, dass eine Milliarde Euro an Restrukturierungskosten anfallen, vor allem für den Stellenabbau.

Woher will die Commerzbank die Milliarden für den Umbau nehmen?

Woher die Milliarden für den Umbau kommen sollen, lässt Zielke in dem Schreiben offen. Vielleicht von den vielen neuen Kunden, die er mit der neuen Strategie gewinnen möchte? Die Commerzbank will ihr Investmentbanking praktisch auflösen und die bisher in diesem Segment betreuten Großkunden der bisherigen Mittelstandsbank zuschlagen - dem neuen Bereich Firmenkunden. Kleinere Mittelständler werden künftig von dem zweiten Geschäftsbereich Privat- & Unternehmerkunden betreut. Zielke will mit der Commerzbank wieder internationaler werden und die "Zahl der von uns betreuten europäischen Großkunden und Dax-/MDax-Kunden" verdoppeln, wie er in dem Mitarbeiterbrief vollmundig ankündigt.

Zielke wirft dann selbst die Fragen auf, die sich viele Mitarbeiter stellen dürften: Wie realistisch die Wachstumsziele sind, wie man die Mitarbeiter für den Umbau begeistern soll, der viele den Job kosten wird, und wie sich eine Firma an die Spitze des digitalen Wandels setzen soll, die gerade erst Windows 7 ausgerollt hat? Als Antwort gibt Zielke die Angela Merkel des deutschen Bankgeschäfts, wie ein Mitarbeiter in einem Posting gedankenschnell erkannt hat. Er formuliert eine eigene Version des Kanzlerinnen-Mantras "Wir schaffen das".

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Ziemlich unverhohlen kritisiert Zielke seinen Vorgänger Martin Blessing, um seinen Job-Kahlschlag zu begründen: Das wichtigste, was die Bank sich 2012 (unter Blessing) vorgenommen habe, habe sie noch nicht erreicht, nämlich profitabler zu werden.

Die Digitalisierung soll es nun richten, ein "digitaler Campus" soll zum Motor des Wandels werden. Kunden können sich nur wünschen, dass die Commerzbank 4.0 ihre Daten dann besser im Griff hat als den digitalen Mitarbeiter-Brief zur Zukunft der Bank.