Wirecard-Prozess Kronzeuge beschuldigt Ex-Wirecard-Chef Braun schwer

Oliver Bellenhaus, der frühere Statthalter von Wirecard in Dubai, sieht die Verantwortung für den Milliardenbetrug eindeutig beim früheren Vorstandschef Markus Braun. Er sei ein "absolutistischer CEO" gewesen, der alles bestimmte. Brauns Verteidiger sieht dagegen Bellenhaus als "Täter".
"Wenn er etwas sagte, wurde es so gemacht": Oliver Bellenhaus (l.) beschuldigt den früheren CEO Markus Braun als maßgebliche Figur für den Milliardenbetrug

"Wenn er etwas sagte, wurde es so gemacht": Oliver Bellenhaus (l.) beschuldigt den früheren CEO Markus Braun als maßgebliche Figur für den Milliardenbetrug

Foto: Peter Kneffel / dpa

Im Wirecard-Prozess hat der Kronzeuge der Staatsanwaltschaft Oliver Bellenhaus den früheren Vorstandschef Markus Braun (53) als maßgebliche Figur bei jahrelangem Milliardenbetrug beschuldigt. "Wirecard war ein Krebsgeschwür", sagte der mitangeklagte Manager am Montag vor dem Landgericht München. "Es gab ein System des organisierten Betrugs." Braun sei ein "absolutistischer CEO" gewesen. "Wenn er etwas sagte, wurde es so gemacht." Braun und der Manager sitzen beide seit zweieinhalb Jahren in Untersuchungshaft, dritter Angeklagter ist der frühere Wirecard-Chefbuchhalter.

Die Staatsanwaltschaft wirft den drei Angeklagten und weiteren Beschuldigten vor, eine kriminelle Betrügerbande gebildet und mit erfundenen Gewinnen die Kreditgeber des 2020 zusammengebrochenen Dax-Konzerns um 3,1 Milliarden Euro geprellt zu haben. Braun bestreitet die Vorwürfe.

"Hasardeuren, Kriminellen und Verrätern"

"Er sieht sich als Opfer, und das ist ein bekanntes Muster", sagte der Manager über seinen früheren Chef. Blinde Loyalität zu Braun und dem seit zweieinhalb Jahren flüchtigen früheren Vertriebsvorstand Jan Marsalek (42) habe ihn das Gesetz brechen lassen und ins Gefängnis gebracht. Bellenhaus sprach von "Hasardeuren, Kriminellen und Verrätern".

Bellenhaus war Statthalter von Wirecard in Dubai. Er hatte sich bereits kurz nach der Pleite von Wirecard im Sommer 2020 den Münchner Behörden gestellt und gegenüber der Staatsanwaltschaft umfassend ausgesagt. Die Staatsanwaltschaft stützt ihre Anklage auch auf seine Angaben zum sogenannten Drittpartnergeschäft in Asien, das er von Dubai aus zum Teil gesteuert hat. Laut Bellenhaus und Staatsanwaltschaft waren die Geschäfte erfunden. Vorstandschef Braun beharrt darauf, dass es sie gegeben hat und das Geld von anderen Beteiligten beiseite geschafft wurde.

Brauns Verteidiger Alfred Dierlamm hatte Bellenhaus zuvor beschuldigt, er sei als Kronzeuge unglaubwürdig und habe während der Ermittlungen die Veruntreuung von Millionensummen verschwiegen. Dierlamm warf der Staatsanwaltschaft schwere Fehler und Versäumnisse bei den Ermittlungen vor, und will deswegen das Verfahren stoppen lassen. Die Kammer hat noch nicht über den Aussetzungsantrag entschieden.

dri/dpa-afxp, Reuters
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