Betriebsratswahl bei Fintech Gewerkschaften bieten N26 die Stirn

Das Berliner Parade-Fintech N26 bekommt es wohl künftig mit einem Betriebsrat zu tun. Die Beschäftigten trotzen einem harten Gegenkurs der Führung um Valentin Stalf mit allen Tricks.
Beschäftigte im Berliner Büro von N26 (Archivbild von 2018)

Beschäftigte im Berliner Büro von N26 (Archivbild von 2018)

Foto: DPA

Trotz heftigen Widerstands der Firmenleitung haben Beschäftigte der App-Bank N26 die Wahl von Betriebsräten eingeleitet. Nach einem Wahlvorstand für die N26 Operations GmbH am Donnerstag sei am Freitag in Berlin auch ein Wahlvorstand für die N26 GmbH gebildet worden, teilten die Initiatoren auf ihrer Website worker26.com  mit.

Diese Gremien bereiten nun die Wahl von Betriebsräten vor. Diese Art von Mitbestimmung wollte die Führung von Deutschlands höchstbewertetem Fintech-Start-up um die Gründer Valentin Stalf (34) und Maximilian Tayenthal (40) mit allen Mitteln verhindern.

Gegen beide Veranstaltungen erwirkte das Unternehmen einstweilige Verfügungen, die jeweils mit einem Wechsel der Veranstalter umgangen wurden. Am Donnerstag sprang die Gewerkschaft Verdi ein, am Freitag die IG Metall. Auf den Verweis des Unternehmens auf mögliche Mängel im Hygienekonzept kam am Freitag die Polizei vorbei, fand aber nichts zu beanstanden. Die Gewerkschafter sprachen von Schikanen. Die Gesundheitsbedenken seien vorgeschoben.

Schließlich versuchte N26 es noch mit einer Gegenveranstaltung: Zeitgleich mit der Versammlung wurde am Freitag ein Meeting als "Kick-off-Event für die 'alternative Mitarbeitervertretung'" einberufen, wie das Branchenblog "Finance Forward"  berichtete. Den Prozess der Betriebsratswahl stoppen konnten alle diese Schritte nicht.

"Vertrauen liegt auf Allzeittief"

"Finance Forward" zitierte aus einer Mail der Gründer an die Beschäftigten, ein Betriebsrat stünde "gegen fast alle Werte, an die wir bei N26 glauben". Unter anderem würde die Mitbestimmung den Betrieb verlangsamen, komplexer und hierarchischer machen, "eine Kultur des Vertrauens" untergraben und sei nicht zeitgemäß. Die Initiatoren des Betriebsrats hingegen begründen ihr Begehren damit, zahlreiche interne Vorschläge für Verbesserungen am Arbeitsplatz seien ignoriert worden. "Das Vertrauen in das Management, für das Wohl der Mitarbeiter zu sorgen, liegt auf einem Allzeittief."

Das Vorgehen brachte N26 reichlich negative Reaktionen ein. Auf Twitter beschrieb der Fernsehmoderator Jan Böhmermann (39) das Start-up kurz als "die Arschlochbank".

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Die "Payment and Banking"-Blogger Maik Klotz und Nicole Nitsche erklärten N26 zu einem "Neinhorn" , das gute Ideen blockiere. SPD-Chefin Saskia Esken (58) mahnte die "unternehmerische Verantwortung" der N26-Macher an.

Das Unternehmen teilte mit, selbstverständlich den Wunsch der Beschäftigten nach einer Interessenvertretung in jeder Form zu respektieren und zu unterstützen. Man habe lediglich aus Sorgfaltspflicht gehandelt.

ak
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