Nach Finanzierungsrunde N26 steigt zum wertvollsten Fintech Deutschlands auf

Nach ihrer jüngsten Finanzierungsrunde wird die von Valentin Stalf mitgegründete Onlinebank N26 mit rund neun Milliarden Dollar bewertet. Und das, obwohl die Finanzaufsicht Bafin das Wachstum des Start-ups künftig beschränken wird.
Bemüht um eine Einigung mit der Bafin: Für N26-Chef Valentin Stalf geht die geplante Beschränkung der Finanzaufsicht in Ordnung

Bemüht um eine Einigung mit der Bafin: Für N26-Chef Valentin Stalf geht die geplante Beschränkung der Finanzaufsicht in Ordnung

Foto: Lino Mirgeler / dpa

Die Smartphone-Bank N26 hat bei Investoren in ihrer fünften Finanzierungsrunde über 900 Millionen Dollar eingesammelt. Die Bewertung des Start-ups liege nun bei mehr als neun Milliarden Dollar, teilte das Unternehmen am Montag in Berlin mit. Damit steigt N26 zum wertvollsten Fintech in Deutschland auf und überholt den bisherigen Spitzenreiter, den Berliner Onlinebroker Trade Republic, der derzeit mit 5,3 Milliarden Dollar bewertet  wird. Insgesamt ist N26 jetzt das zweitwertvollste deutsche Start-up hinter Spitzenreiter Celonis , der von den Investoren mit rund elf Milliarden Dollar bewertet wird.

Firmenchef Valentin Stalf (36) sagte, die Finanzierungsrunde bedeute "für N26 einen Meilenstein, der zeigt wie wichtig digitales Banking geworden ist". "Mit den Investoren, die wir mit an Bord bekommen haben, machen wir auch einen wichtigen Schritt in Richtung Börsengang in den kommenden Jahren."

Bafin beschränkt Wachstum

N26 muss im Umfeld der neuen Finanzierungsrunde aber auch zeitlich befristet mit einer Einschränkung leben. Stalf kündigte an, die Bankenaufsicht Bafin werde in naher Zukunft eine Anordnung erlassen, wodurch das Wachstum von N26 über die nächsten Monate in Europa auf "maximal 50.000 bis 70.000 Neukunden pro Monat" beschränkt werde. N26 kommuniziert aktuelle Kundenzahlen nicht. Branchenbeobachter gehen aber davon aus, dass N26 in den vergangenen Monaten um rund 100.000 Neukunden monatlich zugelegt hat. Insgesamt zählte das Unternehmen zuletzt rund sieben Millionen Kunden und ist damit deutlich kleiner als der britische Wettbewerber Revolut mit 16 Millionen Kunden und einer Bewertung von 33 Milliarden Dollar.

Hintergrund für die geplante Beschränkung ist das massive Geldwäsche-Problem der Bank. Bereits im Mai hatte die Finanzaufsicht N26 enger an die Kandare genommen und einen Sonderbeauftragten eingesetzt, der die Verbesserung der internen Abläufe und IT-Systeme überwachen soll. N26 räumte in diesem Zusammenhang ein, dass die kriminellen Aktivitäten beim Onlinehandel seit Beginn der Corona-Pandemie zugenommen hätten.

Im August ging die Smartphone-Bank dann in die Offensive und ernannte im Kampf gegen die Geldwäsche einen eigenen Risikovorstand. Ende September schließlich wurde bekannt, dass die Smartphone-Bank eine Geldbuße von 4,25 Millionen Euro an die Bafin gezahlt hatte, weil Geldwäscheverdachtsmeldungen verspätet bei der Bankenaufsicht eingereicht worden waren.

Stalf sagte weiter, es zeige sich, dass die Bafin ein gewisses Vertrauen in N26 als eine der am stärksten wachsenden Banken in Europa setze. "Wir können mit dieser Entscheidung unseren Wachstumskurs weiter fortsetzen." N26 werde in den kommenden Monaten die Prozesse noch weiter verstärken. "Vor diesem Hintergrund ist das verlangsamte Wachstum, auf das wir uns nach Gesprächen mit dem deutschen Regulator geeinigt haben, für uns in Ordnung."

Third Point Ventures bei Finanzierungsrunde dabei

Zu den Investoren, die bislang an dem 2013 gegründeten Unternehmen beteiligt waren, gehören unter anderem der Versicherungskonzern Allianz, der Staatsfonds GIC aus Singapur, der chinesische Internet-Riese Tencent, Earlybird und der US-Investor Peter Thiel (53). Die aktuelle Finanzierungsrunde wird von den Investoren Third Point Ventures und Coatue Management mit Sitz in New York angeführt. Zusätzlich beteiligen sich die Dragoneer Investment Group und existierende Investoren.

Mit dem Geld will N26 weiter expandieren und fokussiert sich dabei auf Kontinentaleuropa. So sollen beispielsweise Kunden in Polen und Rumänien gewonnen werden. Geplant ist auch ein kleinerer Testlauf in Brasilien. N26 wird mit den Mitteln aber auch das Angebot in der digitalen Banking-App weiter ausbauen und die globalen Teams vergrößern. In den kommenden Jahren wolle man weltweit weitere 1000 Mitarbeiter vor allem in den Bereichen Technologie, Produktmanagement und digitaler Sicherheit einstellen. Derzeit beschäftigt N26 rund 1500 Mitarbeiter, für das letzte Geschäftsjahr meldete das Unternehmen einen Nettoverlust von 110 Millionen Euro.

mg/dpa-afx
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