J.P. Morgan, Citigroup und Co. US-Großbanken melden massive Gewinneinbrüche

Die großen Banken eröffnen den vierteljährlichen Bilanzreigen der US-Unternehmen mit Gewinnrückgängen. Schrumpfenden Einnahmen im Investmentbanking und eine höhere Risikovorsorge bremsen die Institute aus. J.P.-Morgan-Chef Jamie Dimon spricht von "erheblichen Gegenwind".
"Erheblicher Gegenwind": J.P.Morgan-Chef Jamie Dimon fürchtet die hohe Inflation

"Erheblicher Gegenwind": J.P.Morgan-Chef Jamie Dimon fürchtet die hohe Inflation

Foto: EVELYN HOCKSTEIN / REUTERS

Die lahmende Weltwirtschaft hat die US-Banken erreicht: Zum Auftakt der Berichtssaison meldeten vier der größten Geldhäuser der USA am Freitag Gewinneinbrüche. Insbesondere die schrumpfenden Provisionen im Investmentbanking belasteten die Bilanzen der US-Institute.

Investmentbanking schwächelt bei J.P. Morgan Chase

Marktführer J.P. Morgan Chase schnitt mit einem Gewinnrückgang im dritten Quartal von 17 Prozent auf 9,7 Milliarden Dollar noch am besten ab und überraschte Analysten positiv. Finanzexperten gingen aber von noch schlechteren Zahlen aus und rechneten mit einem Gewinneinbruch von 24 Prozent. Der Wegfall von M&A-Deals ließ im Investmentbanking-Geschäft von J.P. Morgan den Gewinn um 43 Prozent schrumpfen bei einem Umsatz von 1,7 Milliarden Dollar.

Die Großbank verbuchte zudem 808 Millionen Dollar an Rückstellungen für drohende Kreditausfälle. Zum Vergleich hatte J.P. Morgan ein Jahr zuvor 2,1 Milliarden Dollar für pandemiebedingte Risikovorsorge aufgelöst.

Vorstandschef Jamie Dimon erklärte zwar, dass sich die Verbraucherausgaben und der Arbeitsmarkt in den USA bislang noch gut entwickelten. Er warnte jedoch vor "erheblichem Gegenwind", der unmittelbar bevorstehe. So führe die hartnäckig hohe Inflation weltweit zu höheren Zinsen und Ungewissheiten aufgrund strafferer Geldpolitik. Hinzu kämen geopolitische Risiken durch den Krieg in der Ukraine sowie eine fragile Lage bei Ölversorgung und -preisen.

Citigroup schrumpft um fast ein Viertel

Auch JPMorgans US-Rivale Citigroup machte trotz höherer Einnahmen erheblich weniger Gewinn. Die Großbank wappnet sich mit einer erhöhten Risikovorsorge für einen wirtschaftlichen Abschwung. Unter dem Strich verdiente Citi 3,5 Milliarden Dollar (3,6 Milliarden Euro) und damit rund ein Viertel weniger als vor einem Jahr. Experten hatten aber auch hier mit einem noch stärkeren Rückgang gerechnet. Dennoch reagierten Anleger verhalten und ließen die Aktie zunächst leicht fallen.

Dabei nahmen die Erträge des Geldhauses um 6 Prozent auf 18,5 Milliarden Dollar zu. Citi legte jedoch 370 Millionen Dollar als Absicherung für ausfallbedrohte Kredite beiseite, das drückte das Nettoergebnis. Vor einem Jahr hatte die Bank noch über eine Milliarde Dollar an Rückstellungen aufgelöst. Zudem musste Citi deutlich höhere Kosten und Abstriche im Investmentbanking verkraften, da viele Unternehmen sich im von Inflations- und Rezessionssorgen geprägten Marktumfeld mit Börsengängen und Wertpapierausgaben zurückhalten.

Nettogewinn von Morgan Stanley sank um 30 Prozent

Die kleinere und vor allem auf das Kapitalmarktgeschäft ausgerichtete US-Bank Morgan Stanley erlitt einen Gewinnrückgang um 30 Prozent auf 2,6 Milliarden Dollar (2,7 Milliarden Euro), wie sie am Freitag mitteilte. Die Erträge gingen um 12 Prozent auf 13 Milliarden Dollar zurück. Analysten hatten mit besseren Zahlen gerechnet. Die Aktie lag zunächst mit knapp 3 Prozent ins Minus.

Besonders im klassischen Investmentbanking, das etwa die Betreuung von Börsengängen und Fusionen umfasst, tat sich Morgan Stanley wie schon im Vorquartal schwer. Die Einnahmen brachen um 55 Prozent ein. Auch in der wichtigen Aktien-Handelssparte lief es angesichts des Negativtrends an den Börsen schlechter als erwartet. Ein Lichtblick der Bilanz war die Vermögensverwaltung, hier stiegen die Erträge um 3 Prozent.

Wells Fargo hat ebenfalls mit Verlusten zu kämpfen

Auch die US-Bank Wells Fargo meldete am Freitag einen Rückgang des Gewinns um 31 Prozent im dritten Quartal. Die Bank hatte unter anderem mit Skandalen um gefälschte Konten und erhöhte Rückstellungen für drohende Kreditausfälle zu kämpfen.

frm/dpa-afx/dpa/reuters
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