Bilanzskandal Prozess gegen Ex-Wirecard-Chef Braun beginnt im Dezember

Nun steht es fest: Der Prozess gegen den ehemaligen Wirecard-Chef Markus Braun beginnt noch dieses Jahr. Ihm und zwei weiteren Ex-Managern des Zahlungsabwicklers wird unter anderem bandenmäßiger Betrug vorgeworfen. Braun beteuert seine Unschuld.
Vor Gericht: Ex-Wirecard-Chef Markus Braun weist seine Mitschuld an dem mutmaßlichen Milliardenbetrug zurück, er sieht sich als Opfer

Vor Gericht: Ex-Wirecard-Chef Markus Braun weist seine Mitschuld an dem mutmaßlichen Milliardenbetrug zurück, er sieht sich als Opfer

Foto: Fabrizio Bensch / REUTERS

Zweieinhalb Jahre nach der spektakulären Pleite des einstigen Börsenlieblings Wirecard steht dessen ehemaliger Chef Markus Braun (53) ab Dezember vor Gericht. Der Mammut-Betrugsprozess vor dem Landgericht München I dürfte sich bis ins Jahr 2024 hinein ziehen, zumal Braun eine Mitschuld an dem mutmaßlichen Milliardenbetrug bei dem Zahlungsabwickler zurückweist und sich selbst als Opfer sieht.

Der Auftakt zu dem Verfahren ist am 8. Dezember, in diesem Jahr soll noch an sechs Tagen verhandelt werden. Die Große Strafkammer am Landgericht München habe zunächst 100 Verhandlungstage bis ins Jahr 2024 hinein anberaumt, teilte die Justizpressestelle am Mittwoch mit. Verhandlungsort ist der Sitzungssaal in der Justizvollzugsanstalt München-Stadelheim.

Braun seit 2020 in Untersuchungshaft

Im größten Betrugsfall der deutschen Nachkriegsgeschichte hat die Staatsanwaltschaft Braun und zwei weitere frühere Wirecard-Manager angeklagt. Braun sitzt schon seit Juli 2020 in Untersuchungshaft. Die Strafverfolger werfen Braun, seinem Bilanzchef Stephan von Erffa und dem Statthalter von Wirecard in Dubai, Oliver Bellenhaus, in der 474 Seiten starken Anklageschrift Bilanzfälschung, Marktmanipulation, Untreue in mehreren Fällen und gewerbsmäßigen Bandenbetrug vor. Das Wirtschaftsstrafverfahren dürfte eines der größten in der deutschen Geschichte werden. Vorsitzender Richter ist Markus Födisch.

Von dem Prozess erhoffen sich auch die ehemaligen Wirecard-Aktionäre Aufklärung darüber, wie es zu der Insolvenz kommen konnte. Die Ankläger sehen Braun als einen der Hauptverantwortlichen für einen jahrelangen Bilanzbetrug, der im Juni 2020 in eine Milliarden-Pleite mündete. Bis zur Insolvenz war Wirecard im Leitindex Dax gelistet und an der Börse zeitweise mehr wert als die Deutsche Bank. Braun und seine Manager hätten über Jahre hinweg darauf hingearbeitet, das Unternehmen erfolgreicher aussehen zu lassen, als es tatsächlich war. "Hierzu erfanden sie angeblich äußerst ertragreiche Geschäfte, vor allem in Asien", heißt es in der bereits im März vorgelegten Anklageschrift. Die Bilanzen der Jahre 2015 bis 2018 seien gefälscht.

Braun schiebt Verantwortung auf Marsalek

Wirecard hatte im Juni 2020 zugeben müssen, dass es eine Milliardensumme, die angeblich auf dem Konto eines Treuhänders in Singapur lag, nie gegeben hatte. Auf die Existenz des Geldes hatten auch die Wirtschaftsprüfer von Wirecard, EY, jahrelang vertraut. Auch Insolvenzverwalter Michael Jaffe geht davon aus, dass es nie existierte.

Der langjährige Wirecard-Chef Braun sieht sich dagegen laut seinen Verteidigern als Opfer einer Bande, "die Millionensummen hinter seinem Rücken veruntreut hat". Dabei könnte Geldwäsche im Spiel sein. Das Unternehmen wickelte jahrelang Transaktionen für Online-Wetten und Internet-Pornographie ab. Brauns Vorwurf zielt offenbar auf den ehemaligen Vorstand Jan Marsalek (42) ab, der für das angeblich erfolgreiche Asien-Geschäft verantwortlich war und sich kurz nach der Pleite abgesetzt hat. Er wird mit einem internationalen Haftbefehl gesucht, Medienberichten zufolge lebt er in Russland.

Die Höchststrafe für besonders schwere Fälle von Betrug sind zehn Jahre Haft. Eine Verurteilung setzt voraus, dass der Angeklagte mit voller Absicht handelte - einen Straftatbestand des fahrlässigen Betrugs gibt nicht.

dri/dpa-afxp, Reuters
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