Auf dem Weg zum Milliardengewinn Commerzbank sieht Gas als großen Unsicherheitsfaktor

Im zweiten Quartal verdient die Commerzbank 100 Millionen mehr als von Analysten erwartet. Nun sorgt sich das Geldinstitut um eine schlechte Versorgung der Unternehmen mit Gas - ist sie als Mittelstandsbank doch stark von der Entwicklung der Wirtschaft abhängig.
Commerzbank Chef Manfred Knof (56) sieht sich in seiner Strategie bestätigt

Commerzbank Chef Manfred Knof (56) sieht sich in seiner Strategie bestätigt

Foto: SEBASTIAN WIDMANN/EPA-EFE/Shutterstock

Die Commerzbank sieht sich nach einem unerwartet guten ersten Halbjahr auf Kurs zu ihrem geplanten Milliardengewinn für 2022. "Die starke Ergebnisentwicklung zeigt, dass unsere Strategie 2024 auch in einer Phase niedrigen Wirtschaftswachstums greift", sagte Vorstandschef Manfred Knof (56) am Mittwoch in Frankfurt.

Damit der Gewinn in diesem Jahr die Marke von einer Milliarde Euro wie geplant überspringt, dürfe sich jedoch die Konjunktur nicht noch deutlicher verschlechtern, sagte Finanzchefin Bettina Orlopp: "Ein großer Unsicherheitsfaktor bleibt in diesem Zusammenhang die Versorgung der deutschen Wirtschaft mit Gas." Die Commerzbank-Aktie hängt stark von den Entwicklungen der deutschen Wirtschaft ab. Wegen der aktuellen Situation in der Ukraine und den Gas-Problemen hat sie deshalb seit ihrem Jahreshoch im Februar rund ein Viertel an Wert verloren.

Sollte die Gaskrise eskalieren – etwa in Form eines Lieferstopps aus Russland – könnte jedoch eine Rezession drohen, wie eine Studie der Deutschen Bank zeigt. Denn neben den privaten Haushalten (40 Prozent) ist die Industrie (35 Prozent) noch vor der Energieerzeugung (25 Prozent) der größte Gasverbraucher in Europa. Ein Ausfall der russischen Gasimporte würde die Wirtschaft in Europa entsprechend hart treffen – und demnach auch die Commerzbank.

Die Aktie der Commerzbank  war zunächst deutlich gefallen, notierte Mittwochmittag aber wieder mit 2,52 Prozent im Plus.

Im zweiten Quartal verdiente die Commerzbank unter dem Strich 470 Millionen Euro und damit 100 Millionen mehr als von Analysten im Schnitt erwartet. Ein Jahr zuvor hatten hohe Kosten für Stellenabbau und Filialschließungen das Institut mit 527 Millionen Euro tief in die roten Zahlen gerissen.

Dass es diesmal so gut lief, verdankte die Bank einem kräftigen Anstieg der Einnahmen: Dank deutlicher Zinssteigerungen in Polen und des Anstiegs langfristiger Zinsen in Deutschland legten die Erträge im Jahresvergleich um 30 Prozent auf 2,4 Milliarden Euro zu.

Deutlich steigende Erträge, höhere Rücklagen für Kreditausfälle

Unterdessen legte das Geldhaus 106 Millionen Euro für mögliche Kreditausfälle zurück, gut ein Fünftel mehr als im Vorjahr. Belastungen im Zusammenhang mit dem russischen Krieg in der Ukraine summierten sich den Angaben zufolge auf 228 Millionen Euro. Unterdessen reduzierte die Bank ihre Russland-Risiken bis Mitte Juli der Mitteilung zufolge um 45 Prozent auf netto 1,02 Milliarden Euro.

Trotz der wirtschaftlichen Verwerfungen verdiente die Commerzbank in den ersten sechs Monaten 768 Millionen Euro. Das entspricht rund drei Vierteln des angepeilten Jahresgewinns. Neben dem Krieg und der allgemeinen Wirtschaftsentwicklung muss die Bank im zweiten Halbjahr allerdings noch speziellere Belastungen fürchten. Dazu zählt nicht nur die Risikovorsorge für gefährdete Kredite, die in diesem Jahr insgesamt bei rund 700 Millionen Euro liegen soll.

So dürfen Kunden der polnischen Commerzbank-Tochter mBank aufgrund eines neuen Gesetzes in dem Land ihre Ratenzahlungen für Hypothekenkredite bis Ende kommenden Jahres jetzt bis zu achtmal aussetzen. Für das dritte Quartal erwartet die mBank deshalb Belastungen von 210 bis 290 Millionen Euro.

Bereits im zweiten Quartal legte die mBank weiteres Geld für die umstrittenen Schweizer-Franken-Kredite aus früheren Jahren zurück. Der Commerzbank-Vorstand macht sein Gewinnziel weiterhin auch davon abhängig, dass die mBank nicht wesentlich mehr Geld für die Franken-Kredite aufwenden muss. Der Streit um den Umgang mit diesen Krediten läuft bereits seit Jahren. Die Commerzbank hat dafür insgesamt bereits Belastungen von mehr als 900 Millionen Euro verbucht.

Bislang 7700 Stellen abgebaut, Filialnetz schneller verkleinert

Angesichts der jüngsten Geschäftszahlen sieht sich Commerzbank-Chef Knof derweil in seiner Strategie bestätigt. Der Manager hatte die Führung der Bank Anfang 2021 übernommen und wenig später ein umfangreiches Sparprogramm mit einem radikalen Stellenabbau eingeleitet. Bis Ende des Jahres will die Bank die Kürzung von brutto 10.000 Vollzeitstellen weitgehend geregelt haben. Für 7700 Stellen sei dies schon bis Ende Juni geschehen, hieß es.

Bei der Verkleinerung ihres Filialnetzes kam die Bank deutlich schneller voran: Schon bis Ende Juni sei die Zahl der Geschäftsstellen in Deutschland auf 450 gesunken, hieß es in der Mitteilung. Zu Beginn des Sparprogramms waren es noch 790 Filialen. Allein im ersten Halbjahr 2022 hat die Commerzbank demnach 100 Geschäftsstellen geschlossen. Parallel laufe der Aufbau der neuen Beratungscenter "auf Hochtouren", hieß es. Nach den ersten drei Standorten sollten ab Mitte September weitere in Betrieb gehen.

Die Commerzbank-Aktionäre dürfen sich für 2022 jedenfalls wieder auf eine Dividende freuen: Das Institut will 30 Prozent des auf die Anteilseigner entfallenden Jahresgewinns als Dividende ausschütten.

mje/dpa-afpx
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