Montag, 14. Oktober 2019

Madoff-Skandal JPMorgan offenbar kurz vor Milliardenvergleich

Anlagebetrüger Madoff: JPMorgan soll sein Schneeballsystem gedeckt haben
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Anlagebetrüger Madoff: JPMorgan soll sein Schneeballsystem gedeckt haben

JPMorgan steht einem Medienbericht zufolge kurz vor einem milliardenschweren Vergleich im Rahmen des Madoff-Skandals. Damit soll die US-Großbank für Fehlverhalten büßen.

New York - JPMorgan kommt einem Bericht zufolge beim Aufarbeiten ihrer Skandale weiter voran. Wegen Fehlverhaltens beim Milliardenbetrug des Börsenmaklers Bernhard Madoff stehe ein Vergleich mit mehreren Behörden nun kurz bevor, berichtete das "Wall Street Journal" (WSJ) unter Berufung auf mehrere mit den Verhandlungen vertraute Personen. Die US-Großbank sei bereit, dafür etwas mehr als zwei Milliarden Dollar (rund 1,5 Milliarden Euro) auf den Tisch zu legen.

Bereits im Dezember hatten das "WSJ" und die "New York Times" über einen bevorstehenden Vergleich von rund zwei Milliarden Dollar berichtet. JPMorgan-Chef Jamie Dimon selbst hatte zuletzt angedeutet, dass eine Einigung mit den Behörden nahe sei. Die Ermittler werfen der Bank vor, Madoffs Schneeballsystem gedeckt und gegen Geldwäschegesetze verstoßen zu haben.

Madoff hatte über Jahrzehnte vermeintliche Traumgewinne von Investoren mit dem frischen Geld neuer Anleger bezahlt. In der Spitze wiesen die Madoff-Konten auf dem Papier einen Wert von 60 Milliarden Dollar aus. Als der Schwindel mitten in der Finanzkrise aufflog, verloren viele Anleger ihre kompletten Ersparnisse. Madoff wurde im Juni 2009 zu 150 Jahren Haft verurteilt. Ein Großteil der Geschäfte lief über Konten von Madoffs Hausbank JPMorgan Börsen-Chart zeigen.

Dimon will nun laut der "WSJ" bis zur Vorlage der 2013er-Bilanz am 14. Januar die Madoff-Sache vom Tisch bringen. Dies könnte der Zeitung zufolge auch gelingen. Eine Einigung mit diversen Aufsichtsbehörden könnte bereits an diesem Dienstag veröffentlicht werden, hieß es in dem Bericht. Behörden-Vertreter und ein JPMorgan-Sprecher hätten sich hierzu nicht äußern wollen. Von der Strafzahlung sollen mehr als 1,5 Milliarden Dollar an Opfer von Madoff gehen, der Rest an die Behörden.

Der Madoff-Vergleich wäre der vorerst letzte in einer Reihe von beigelegten Rechtsstreitigkeiten der größten US-Bank. Dimon drückte bei den Aufräumarbeiten zuletzt aufs Tempo. In den letzten Monaten des vergangenen Jahres hatte sich die Bank in diversen Streitfällen wie den fragwürdigen Hypotheken-Geschäfte oder dem Milliardenverlust wegen mangelhafter Aufsicht einer Handelsabteilung mit den Behörden verglichen.

Die Strafzahlungen beliefen sich dabei auf fast 20 Milliarden Dollar. Aber selbst diese immensen Summen bringen die Bank finanziell nicht ins Wanken. Im dritten Quartal war sie zwar wegen der juristischen Auseinandersetzung erstmals in Dimons Amtszeit ins Minus gerutscht. 2013 dürfte das Institut laut Analystenschätzung aber trotz der teuren Vergleiche noch knapp 18 Milliarden Dollar verdient haben, nach einem Rekordüberschuss von 21,3 Milliarden Dollar im Jahr 2012. Die von der Nachrichtenagentur Bloomberg befragten Experten rechnen im laufenden und kommenden Jahr mit einem Gewinnplus. 2015 wird ein Überschuss von 25 Milliarden Dollar erwartet.

Am Aktienmarkt sind die Folgen der Finanzkrise offenbar auch abgehakt. Das JPMorgan-Papier entwickelte sich 2013 besser als der amerikanische Leitindex Dow Jones Börsen-Chart zeigen. In den vergangenen Tagen kletterte der Kurs auf den höchsten Stand seit dem Jahr 2000. Seit Ende 2012 stieg der Börsenwert um rund ein Drittel auf zuletzt rund 240 Milliarden Dollar. JPMorgan ist damit rund fünfmal so teuer wie die Deutsche Bank , die zurzeit ebenfalls versucht, die juristischen Folgen früherer Geschäfte aufzuarbeiten.

ts/dpa-afx

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