Better folgt auf Schellenberg Rochade in der Führungsetage der Privatbank M.M. Warburg

Die Hamburger Privatbank M.M. Warburg baut ihre Führungsspitze um: Matthias Schellenberg scheidet nach einem halben Jahr aus, für ihn kommt die ehemalige HRE-Chefin Manuela Better. Auch der Schwiegersohn von Hauptgesellschafter Christian Olearius verlässt die Bank.
Bankexpertin: Die 60-jährige Manuela Better war schon bei der HRE, der Deutschen Pfandbriefbank und zuletzt bei der Dekabank tätig

Bankexpertin: Die 60-jährige Manuela Better war schon bei der HRE, der Deutschen Pfandbriefbank und zuletzt bei der Dekabank tätig

Foto: Frank Leonhardt/ picture alliance / dpa

Personelle Turbulenzen bei der Hamburger Privatbank M.M. Warburg: Matthias Schellenberg (56), Partner und für die Bereiche Märkte, institutionelles Bankgeschäft und Unternehmensfinanzierung zuständig, verlässt das Unternehmen nach rund einem halben Jahr schon wieder. Seine Nachfolgerin werde Manuela Better (60), die ab 1. Juli als Partnerin und Risikovorständin für das Unternehmen arbeiten wird, teilte die Warburg-Bank am späten Mittwochabend in Hamburg mit.

Better, ehemals Chefin des in der Finanzkrise verstaatlichten Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate (HRE) sowie der Deutschen Pfandbrief AG, war zuletzt bis vor gut einem Jahr Risikochefin bei der zur Sparkassengruppe gehörenden Dekabank. Dort war sie auch zuständig für Recht und Compliance, also Fragen guter Unternehmensführung. Die Managerin ist vor allem durch ihren Job bei der HRE gut mit den Regulatoren in Deutschland vernetzt. Joachim Olearius (49), Vorstandschef und Sprecher der Warburg-Partner, hob die "langjährige Vorstandserfahrung" Betters hervor.

Schellenberg habe den Vorstand und Partnerkreis bereits am 10. Juni verlassen habe, hieß es weiter. Über den Weggang des 56-Jährigen hatte die "Wirtschaftswoche " zuerst berichtet. Die Gründe seines Ausscheidens sind nicht bekannt. Von Warburg hieß es, Schellenberg habe "die Bank in bestem Einvernehmen verlassen". Schellenberg wollte nach Informationen von manager magazin Sprecher des Vorstands werden. Vor Vertrauten soll er gesagt haben: "Wenn ich es nicht werde, werde ich die Bank verlassen."

Auch Olearius' Schwiegersohn scheidet aus

Mit Peter Rentrop-Schmid (52) scheidet zudem "aus persönlichen Gründen in bestem Einvernehmen" ein weiterer wichtiger Warburg-Manager aus Vorstand und Partnerkreis aus. Rentrop-Schmid ist der Schwiegersohn von Christian Olearius (79), einem der Hauptgesellschafter der Warburg-Bank und der Vater von Joachim Olearius. Seine Frau Katharina verstarb im Januar.

Die Bundesanstalt für Finanzaufsicht (Bafin) dringt derzeit darauf, Eigentümerschaft und operative Führung der Bank zu trennen. Nach dem Tod seiner Ehefrau wurde nach Informationen von manager magazin intern darüber diskutiert, ob Rentrop-Schmidt nun weiterhin zu der Familie Olearius zu zählen sei oder nicht. Der Manager galt intern als eigentlicher operativer Kopf des Unternehmens. Dies könnte ein möglicher Grund für den Abgang von Rentrop-Schmid sein.

Die Warburg-Bank ist verstrickt in den Steuerskandal um sogenannte Cum-ex-Geschäfte, bei denen sich findige Banker und Investoren Steuern erstatten ließen, die zuvor nicht gezahlt wurden (lesen Sie hier alle Hintergrundinformationen zu dem Skandal). Die Bank hatte damit nach eigenen Angaben zwischen 2007 und 2011 insgesamt 68 Millionen Euro verdient, erklärt allerdings heute, damals nicht durchschaut zu haben, dass bei den Geschäften Illegales vor sich ging. Die Bank habe nicht beabsichtigt, von zu Unrecht erstatteten Steuern zu profitieren.

Ehemaliger Manager der Bank wurde zu Haftstrafe verurteilt

Vor zwei Wochen hat das Landgericht Bonn einen ehemaligen Manager der Bank wegen der Geschäfte zu fünf Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt. Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Der Banker galt zur Zeit der Geschäfte als rechte Hand des damaligen Bankchefs Christian Olearius. Beobachter erwarten, dass die Staatsanwaltschaft in den kommenden Monaten auch gegen Olearius Anklage erhebt.

Der Bundesgerichtshof (BGH) will Ende Juli das erste höchstrichterliche Urteil zu Cum-Ex-Geschäften verkünden. Im vergangenen Jahr waren ebenfalls in Bonn bereits zwei britische Aktienhändler wegen Cum-Ex-Geschäften verurteilt worden, an denen Warburg beteiligt war. Warburg wurde dabei zur Rückerstattung der Steuern verpflichtet. Vor dem BGH geht es nun unter anderem darum, ob Warburg zu Recht dazu verurteilt wurde, die erstatteten Steuern komplett zurückzuzahlen, obwohl auch weitere Geschäftspartner an den Geschäften verdienten.

Nach dem ersten Urteil im vergangenen Jahr hatte die Bank die Millionen vorsorglich ans Finanzamt überwiesen, versucht aber juristisch, wenigstens Teile des Betrags zurückzubekommen. Die Bank teilt mit, sie habe die wirtschaftlichen Folgen der Cum-ex-Geschäfte mit dem letzten Jahresabschluss vollständig verarbeitet. Zum Jahresende werde ein positives Ergebnis erwartet. In den vergangenen Jahren hatte Warburg Verluste gemacht.

mg, soc, oho/dpa-afx, Reuters