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Skype, Beats & Co.: Die größten Merger ohne Banken

Foto: DENIS BALIBOUSE/ REUTERS

M&A-Geschäft Warum Banker bei Tech-Deals außen vor bleiben

Fusionen und Übernahmen waren für Banker ein glänzendes Geschäft - sie galten als unverzichtbare Begleiter der großen Deals. Im Silicon Valley ist das mittlerweile anders.

New York/Hamburg - Wenn der Suchmaschinenriese Google  sich für ein paar Hundert Millionen Dollar ein Unternehmen einverleiben will, geht er mit der Idee nicht erst zu seiner Hausbank. Viel lieber setzt Google-CEO Larry Page auf den von ihm sehr geschätzten Zahnbürstentest.  Sprich: Werden Millionen Menschen den neuen Dienst, das neue Produkt ein oder zweimal pro Tag nutzen? Und geht damit eine Verbesserung des Lebens einher?

Viele Unternehmen lassen sich auch heute noch von Bankern wichtige Kennzahlen wie Gewinn, Umsatz und Profitabilität genau aufschlüsseln, bevor sie sich für die Übernahme eines Konkurrenten entscheiden. Anders im Silicon Valley: Die meisten Tech-Übernahmen gehen heutzutage ohne eine vorherige Analyse der Banken über die Bühne, berichtet die "New York Times ".

Von Apples Beats-Übernahme über den Facebook-Oculus-Deal bis hin zur Waze-Übernahme durch Google - bei keiner der Aquisitionen kam laut "NYT" eine Investmentbank zum Zuge.

Apple schluckt Beats, FB schluckt Oculus - ohne Investmentbanken

"Larry schaut sich ein mögliches Geschäft in einem sehr frühen Stadium an", erläutert der bei Google für die Geschäftsentwicklung zuständige Donald Harrison das Vorgehen in der "New York Times". "Banker können da hilfreich sein, aber sie sind nicht notwendigerweise Kern der Diskussion."

Laut dem M&A-Analysehaus Dealogics sind in diesem Jahr 69 Prozent aller Tech-Übernahmen im Wert von mehr als 100 Millionen Dollar ohne das Zutun von Investmentbanken über die Bühne gegangen. Vor zehn Jahren lag der Anteil lediglich bei 27 Prozent.

Einer der größten Übernahmen der vergangenen Jahre, die ohne Beistand von Investmentbankern zustande kam, war dem Blatt zufolge zuletzt die fünf Milliarden-Dollar-Übernahme von Micros System durch Oracle . Der SAP-Konkurent ist laut "NYT"  für seine ablehnende Haltung gegenüber Investmentbankern berüchtigt.

Unübertroffen bei den banklosen Deals ist aber noch immer die Skype-Übernahme im Jahr 2011. Damals zahlte Microsoft 8,5 Milliarden Dollar für den Internettelefonie-Betreiber an den Tech-Investor Silver Lake Partner.

Tech-Firmen sind extrem gut vernetzt - und kennen die Start-Ups

Um so bedauerlicher für die Banken, dass Tech-Übernahmen aktuell boomen. Alleine im bisherigen Jahresverlauf wurden Tech-Übernahmen im Wert von mehr als 100 Milliarden Dollar angekündigt. Laut Dealogics der höchste Wert seit dem Jahr 2000.

Gründe dafür, dass die Banken bei Übernahmen immer häufiger auf ihren Anteil verzichten müssen, gibt es viele. Zum einen sind die Tech-Manager im Silicon Valley extrem gut vernetzt. Viele kennen sich wie beispielsweise bei Facebooks Instagramm-Übernahme oder dem WhatsApp-Kauf schon vor dem Deal persönlich.

Zudem handelt es sich bei den Übernahmekandidaten oft um noch relativ kleine Start-ups, bei deren Bewertung sich Investmentbanker teils schwer tun.

"Der Eindruck ist weit verbreitet, dass Investmentbanker bei der Bewertung solcher Start-ups in der der Frühphase einfach nicht so wichtig sind", sagt Weil-Gotshal- and-Manges-Anwalt Richatrd E. Climan, der für seine Kanzlei Unternehmen bei Übernahmen ohne Bankzutun rechtlich berät.

Schließlich geht es bei vielen Übernahmen eher um Wetten auf die Zukunft. Oder die Unternehmen versuchen, durch die Übernahme technische Lücken zu schließen.

Viele Tech-Firmen haben Top-Banker längst abgeworben

Ganz überflüssig sind die Banker allerdings auch bei den Tech-Deals nicht. Vielmehr haben viele Tech-Unternehmen mittlerweile eigene Analyseabteilungen gegründet, die potenzielle Merger unter die Lupe nehmen. Und dafür haben sie Top-Leute bei den Investmentbanken abgeworben.

So handelt es sich beim Unternehmensentwicklungschef von Cisco, Hilton Romanski, um einen ehemaligen Mann von JPMorgan . Und auch Facebook hat bei den großen Geldhäusern Leute abgeworben - unter anderem von Credit Suisse  und von Jeffries.

Und wenn die Übernahme-Entscheidung gefallen ist, dürfen einige Banken dann doch in der Regel noch einmal zumindest etwas mitverdienen.

Entweder bei der Finanzierung - die viele der großen Tech-Unternehmen angesichtsprall gefüllter Kriegskassen allerdings nicht mehr nötig haben. Oder bei der sogenannten "fairness opinion", einer Bücherprüfung-light im Auftrag der Aktionäre.

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