Bankenverband VÖB Staatsbanken mit neuer Cheflobbyistin

Zum ersten Mal rückt eine Frau an die Spitze eines deutschen Bankenverbandes. Nach Informationen von manager magazin online wird Liane Buchholz Chefin der Staatsbankenlobby VÖB. Erste Wahl war sie allerdings nicht.
Von Heinz-Roger Dohms und Meike Schreiber
Kanzlerin Merkel auf dem Sparkassentag im Mai: Die neue Verbandsgeschäftsführerin ist politisch wenig verdrahtet

Kanzlerin Merkel auf dem Sparkassentag im Mai: Die neue Verbandsgeschäftsführerin ist politisch wenig verdrahtet

Foto: FABRIZIO BENSCH/ REUTERS

Hamburg - Nach mehrmonatiger Suche und einem handfesten Verbandskrach haben sich die Landes- und Förderbanken auf eine neue Cheflobbyistin geeinigt. Laut Informationen von manager magazin online wird Liane Buchholz neue Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbandes Öffentlicher Banken (VÖB). Die 48-Jährige leitete bislang die Management-Akademie der Sparkassen-Finanzgruppe. Es ist das erste Mal, dass eine Frau an die Spitze eines deutschen Bankenlobbyverbands rückt. Der VÖB wollte sich zu den Informationen nicht äußern.

Buchholz ist eine Überraschung - und nicht wirklich erste Wahl. Denn ursprünglich hatte das VÖB-Präsidium zwei andere, externe Kandidatinnen auf dem Zettel. Buchholz dagegen ist im öffentlichen Bankenlager fest verwurzelt. Bislang bildet sie als Professorin am Lehrinstitut der öffentlich-rechtlichen Finanzgruppe angehende Sparkassenvorstände aus. Zuvor war sie unter anderem beim Ostdeutschen Sparkassenverband (OSV) tätig.

Auch mit den Landesbanken kam Buchholz schon in Berührung: So hat sie eine eigene Beratungsgesellschaft für Banksteuerungssysteme gegründet, die auch für Landesbanken tätig war. Politisch allerdings ist die parteilose Bankexpertin bislang noch wenig verdrahtet, weder in Berlin noch Brüssel. Auch mit Blick auf die vielen Verästelungen der neuen Bankenregulatorik wird Buchholz wohl noch Einarbeitungszeit brauchen. Die designierte VÖB-Chefin, in Eisenach geboren, ist verheiratet und hat einen Sohn.

Antreten wird sie ihren neuen Job spätestens zum 1. März 2014, die offizielle Wahl durch die Mitglieder ist am 14. November. Insgesamt vertritt der Verband 62 Mitgliedsinstitute, darunter alle Landesbanken sowie die bundes- und ländereigenen Förderinstitute, mit insgesamt fast 80.000 Beschäftigten und einer Bilanzsumme von zuletzt knapp zwei Billionen Euro, vergleichbar mit der Deutschen Bank .

Warum die Verbandsposten wichtiger denn je sind

Erst im Frühjahr hatte Vorgänger Hans Reckers den Posten vorzeitig räumen müssen. Die Vorstandschefs der Mitgliedsinstitute - etwa die BayernLB, die Helaba oder die NordLB - hatten dem früheren Bundesbanker mangelnde Dynamik, ungeschickte Kommunikation und eine zu große Nähe zur CDU vorgeworfen. Außerdem habe Reckers den Verband nicht reformiert und verschlankt, hieß es.

Die Verbandsposten in der Bankenbranche sind momentan so wichtig wie wohl nie zuvor: Die Regulierungswelle hat die Anforderungen an die Lobbyarbeit deutlich erhöht; effektive Kontakte zu Entscheidungsträgern in Politik und Aufsicht gelten als immens bedeutend. Aktuelles Beispiel sind die Stresstests der Europäischen Zentralbank (EZB). Wie hart die im Detail ausfallen, hängt auch vom Geschick der Bankenvertreter ab.

Im Sommer hatten sich die Mitgliedsinstitute heftig über die Besetzung des Postens zerstritten. Im Wesentlichen lag das an verhärteten Fronten zwischen Förderbanken und Landesbanken, die zum Teil unterschiedliche Interessen haben. Schon Anfang Mai sollte der Verbandsvorstand über die Personalie entscheiden, Für die Mitgliederversammlung Anfang Juni stand die offizielle Kür an - und wurde dann plötzlich abgesagt.

Kurz darauf trat Dietmar Binkowska, Chef der zweitgrößten deutschen Förderbank, der NRW-Bank, verärgert von seinem Vorstandsamt beim VÖB zurück. Insidern zufolge begründete er dies in einem Brief an Vorstandskollegen und den ebenfalls erst seit Sommer amtierenden Präsidenten und hauptamtlichen NordLB-Chef Gunter Dunkel mit der missglückten Geschäftsführersuche.

Die Rede war von "organisatorischen Unzulänglichkeiten". Dem Vernehmen nach steht der zwölfköpfige VÖB-Vorstand, der sich aus den wichtigsten Bankchefs aus dem staatlichen Lager zusammensetzt, nun aber geschlossen hinter der Wahl.

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