Bitcoin nahe 10.000 Dollar - Bankmanager im Krypto-Sturm Banken, Zentralbanken und ein heißes Eisen namens Bitcoin

Bitcoin-Münze

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Die größten Digitalwährungen: Bitcoin und die Alternativen

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Der Bitcoin, inzwischen unterwegs zum Sprung über die 10.000-Dollar-Marke, bleibt ein heißes Thema an den Finanzmärkten. Erfunden wurde die Kryptowährung vor Jahren als Alternative zum Banken-dominierten traditionellen Geldsystem. Doch mit zunehmender Popularität und vor allem mit dem enorm steigenden Bitcoin-Preis rückt die Digitalwährung inzwischen auch zunehmend in den Fokus von Geschäfts- und Zentralbanken.

Die Digitalwährung Bitcoin  hat ihre Rekordjagd am Dienstag fortgesetzt und auf einigen Handelsplattformen die Marke von 10.000 US-Dollar geknackt. Am Vormittag zeigten die Kurse der Portale "Gatecoin", "Lykke" und "Remitano" erstmals Preise oberhalb der neuen Rekordmarke. Auf den führenden Handelsplattformen wie zum Beispiel "Bitstamp" oder "Coinbase" blieben die Notierungen am Dienstag aber weiter knapp unter der Marke von 10 000 Dollar.

Der Preis für das von Computern geschaffene Geld hat sich seit Jahresbeginn verzehnfacht. Hintergrund für den enormen Kursanstieg sind Spekulationen, dass die renommierte US-Börse CME noch dieses Jahr einen Future auf Bitcoin  auflegt. Mit einem solchen Finanzprodukt würden Invesotren leichteren Zugang zu der virtuellen Währung haben und sie könnten auf steigende oder fallende Kurse wetten. Ein indexbasierter Fonds (ETF) auf Bitcoin dürfte nach Meinung von Experten bald folgen.

Was die Bankchefs vom Bitcoin halten

Axel Weber beispielsweise, der frühere Chef der Bundesbank und heutige Verwaltungsratspräsident der Schweizer UBS , riet den Notenbanken weltweit kürzlich in einem Interview mit der "Financial Times ", nicht so sehr auf die Risiken und stattdessen mehr auf die Chancen dieser Entwicklung zu schauen und sich dem Thema Krypto-Währungen stärker zu öffnen.

Auch die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), die Zentralbank der Zentralbanken also, teilte bereits mit, Krypto-Währungen seien bereits zu groß, um ignoriert zu werden. Jede Notenbank, so die BIZ kürzlich in einem Quartalsbericht , müsse sich damit auseinandersetzen.

Doch was tut der Bankensektor tatsächlich in Sachen Bitcoin und Krypto-Währungen? Wie verhalten sich Zentralbanken? Und wie positionieren sich Geschäftsbanken rund um den Globus?

Ein Überblick zeigt: So gut wie alle Institute beschäftigen sich offensichtlich mit dem Thema. In vielen Fälle stecken die Aktivitäten jedoch noch in den Kinderschuhen. Und eine abschließende Meinung geschweige denn ein Plan für ein konkretes Vorgehen wurde vielfach noch nicht gefunden - von einigen Ausnahmen abgesehen.

Beispiel Zentralbanken, deren Haltung zum Thema Krypto-Währungen die Finanzinformationsplattform Bloomberg zusammengefasst  hat. Die Notenbanken in aller Welt stehen bei dem Thema vor allem vor zwei Fragen, so Bloomberg. Erstens: Wie sollen sie sich in Bezug auf die zunehmende Popularität und Bedeutung bestehender Krypto-Währungen wie Bitcoin  oder Ethereum verhalten? Und zweitens: Sollen sie, wie auch von der BIZ angeregt, womöglich eigene Digital-Währungen herausgeben?

Besonders weit bei der Beantwortung dieser Fragen ist offenbar bereits die People's Bank of China. Um das Geschehen nicht aus der Kontrolle zu verlieren, haben die Behörden in der Volksrepublik der Ausgabe neuer Krypto-Währungen, so genannten Initial Coin Offerings (ICOs), kürzlich einen Riegel vorgeschoben. Schon seit 2014 beschäftigt sich zudem ein Research-Team der Zentralbank mit der Möglichkeit zur Ausgabe einer eigenen Digitalwährung, so Bloomberg. Noch gebe es zwar kein konkretes Datum für eine solche Emission. Von offizieller Seite heiße es jedoch, auf dem digitalen Weg könne die Effizienz und Kontrolle des Zahlungsverkehrs verbessert werden.

Niederlande und Skandinavien vorn, EZB und Fed skeptisch

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Die größten Digitalwährungen: Bitcoin und die Alternativen

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Zu den fortschrittlichsten Notenbanken beim Krypto-Thema zählt auch die Niederländische Bank. Das Institut hat, um die Materie besser zu verstehen, bereits vor zwei Jahren eine eigene Digitalwährung kreiert, den DNBCoin, allerdings nur zum internen Gebrauch. Bei der Präsentation der Ergebnisse äußerte sich Projektleiter Ron Berndsen nach Angaben Bloombergs ziemlich positiv zu den Möglichkeiten der zugrundeliegenden Blockchain-Technologie.

Ebenfalls weit fortgeschritten sind zudem die Pläne zur Einführung digitaler Währungen in einigen skandinavischen Ländern, wo der Einsatz von Münz- oder Papiergeld ohnehin bereits stark abnimmt. Die Schwedische Reichsbank etwa, die älteste Notenbank der Welt, hat kürzlich ein umfangreiches Papier  über eine mögliche "e-Krona" veröffentlicht. In Norwegen werden ähnliche Ideen verfolgt.

Darüber hinaus gibt es zahlreiche Äußerungen von Notenbankern, die zeigen, dass sich die Institute mit dem Thema Krypto-Währungen zwar beschäftigen, dass es aber offenbar vielerorts noch keine abschließende Einschätzung dazu gibt. Eine eigene Digitalwährung herauszugeben, sagte etwa kürzlich der Chef der Bank of Japan, sei, als würde die Notenbank ihre Konten für Jedermann öffnen. Insofern erfordere dieses Thema eine grundsätzliche Auseinandersetzung mit der Aufgabe der Notenbanken.

Eher zurückhaltend äußerten sich auch Verantwortliche der US-Zentralbank Fed sowie der Europäischen Zentralbank (EZB). Jerome Powell, beispielsweise, designierter Nachfolger von Janet Yellen an der Spitze der Fed, sagte früher in diesem Jahr, es gebe technische Gesichtspunkte sowie Fragen der Steuerung und des Risiko-Managements, die er in dem Zusammenhang kritisch sehe. EZB-Vizepräsident Vitor Constancio warnte vor den Gefahren der Krypto-Währungen und verglich die Entwicklung beim Bitcoin erst im September mit der Spekulation auf Tulpenpreise in den Niederlanden des 17. Jahrhunderts.

Deutsche Bank, Goldman und Co - das machen die Geschäftsbanken

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Jamie Dimon in Zitaten: Wie Amerikas mächtigster Banker die Welt sieht

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Und die Geschäftsbanken? Auch dort gibt es verschiedene Auffassungen zum Bitcoin und anderen Krypto-Währungen. Ulrich Stephan, Chefstratege der Deutschen Bank (Kurswerte anzeigen), brachte beispielsweise kürzlich Skepsis zum Ausdruck. "Ich würde das dem normalen Anleger nicht empfehlen", sagte er mit Blick auf den Bitcoin. Die Schwankungen seien einfach zu hoch und der Sektor noch zu wenig reguliert.

Ähnlich kritisch klingen die Äußerungen anderer Geldhäuser. Doch je höher der Bitcoin-Preis steigt und je mehr Interesse die Digitalwährung bei der potenziellen Bankkundschaft erregt, desto offener zeigen sich offenbar auch die Institute. Lloyd Blankfein etwa, Chef der US-Bank Goldman Sachs, teilte bereits mit, sein Haus beschäftige sich ernsthaft mit dem Thema - Ergebnis offen.

Und selbst bei JP Morgan Chase, dem Platzhirsch an der Wall Street, dreht offenbar der Wind: Noch vor wenigen Wochen hatte Bankchef Jamie Dimon den Bitcoin als Betrug bezeichnet und jedem Mitarbeiter, der Geld hineinstecke, mit Kündigung gedroht. Nachdem inzwischen aber die New Yorker Börse Future-Kontrakte auf den Bitcoin angekündigt hat und die Digitalwährung damit ein Stück weiter in die Nähe des Finanzestablishments rückt, bröckelt offenbar auch bei JP Morgan die Front: Laut "Wall Street Journal " denkt die Bank darüber nach, ihren Kunden gegebenenfalls den Zugang zu diesen Futures zu verschaffen.

Besonders weit scheinen indes die UBS und einige Partnerinstitute zu sein. Wie die "Financial Times " berichtet, arbeitet die Schweizer Bank gemeinsam mit Barcleys, Credit Suisse und HSBC bereits an der Einführung einer eigenen Krypto-Währung namens "Utility Settlement Coin".

UBS-Verwaltungsratspräsident Weber spricht von "offenen Ohren", auf die er stoße, wenn er beispielsweise in Zentralbanken von dem Vorhaben berichte. Das Konzept, so Weber, sei allerdings noch weit davon entfernt, operativ eingesetzt zu werden.

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