Sparkurs verschärft Deutsche Bank will zusätzliche 2,5 Milliarden Euro einsparen

Teure Rechtsstreitigkeiten, strengere Auflagen: Der Deutschen Bank setzen hohe Kosten zu, auch im Investmentbanking läuft es nicht gut. Nun reagiert der Vorstand offenbar mit einem schärferen Sparkurs - ohne Stellenabbau.
Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt: Effizenzgewinne und bessere Abläufe sollen 2,5 Milliarden Euro bis 2018 sparen

Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt: Effizenzgewinne und bessere Abläufe sollen 2,5 Milliarden Euro bis 2018 sparen

Foto: Arne Dedert/ dpa

Frankfurt/Main - Die Deutsche Bank  verschärft zufolge ihren Sparkurs. Die Co-Chefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen planten, die Kostensenkungen auszudehnen, berichtete das "Handelsblatt" unter Berufung auf Finanzkreise. Bis 2018 wolle der Vorstand zusätzlich bis zu 2,5 Milliarden Euro einsparen. Kern des neuen Sparpakets sollen der Zeitung zufolge nicht Stellenstreichungen, sondern Effizienzgewinne durch neue Technologien und bessere Abläufe der Bankprozesse sein.

Ein Konzernsprecher wollte den Bericht nicht kommentieren. Die Belegschaft soll der Zeitung zufolge in den kommenden Wochen auf den neuen Kurs eingeschworen werden. Der Konzernbetriebsratsvorsitzende Alfred Herling, der zugleich Vizechef des Aufsichtsrates der Bank ist, sagte der dpa: "Ich kenne das laufende 4,5-Milliarden-Programm, weitere Pläne sind mir nicht bekannt. Ich habe dringenden Gesprächsbedarf beim Vorstand angemeldet." An der Börse kam die Nachricht dagegen gut an: Die Aktie  legte am Vormittag zu.

Deutschlands größtes Geldinstitut steht derzeit von vielen Seiten unter Druck: Hohe Kosten für Tausende Rechtsstreitigkeiten machen dem Dax-Konzern ebenso zu schaffen wie schärfere Regeln der Aufseher. Das macht kapitalintensives Geschäft schwieriger und drückt auf die Renditen. Insider gehen davon aus, dass die jüngste Kapitalerhöhung über acht Milliarden Euro zum Großteil für das Begleichen der Rechtsstreitigkeiten draufgehen dürfte.

Auch im Investmentbanking ist die Lage dem Vernehmen nach angespannt. Darüber hinaus läuft das Tagesgeschäft derzeit zäh. Die niedrigen Zinsen lasten gerade auf dem Privatkundenbereich. Zudem läuft branchenweit der Handel mit Anleihen, Aktien und Rohstoffen auch wegen des allmählichen Auslaufens der ultralockeren Geldpolitik in den USA schleppend. Wenn die Deutsche Bank an diesem Dienstag (29.7.) ihre Zwischenbilanz für das zweite Quartal 2014 vorlegt, erwarten Analysten erneut keine berauschenden Zahlen.

Kräftige Ausweitung der Sparziele

Kurz nach ihrem Amtsantritt im Juni 2012 hatten die Deutsche-Bank-Chefs Jain und Fitschen ein erstes Sparprogramm aufgelegt. Es soll bis Ende 2015 die Kosten um rund 4,5 Milliarden Euro senken. Bis Ende März hat die Bank davon 2,3 Milliarden Euro erreicht und liegt damit etwas über Plan. Nun will das Management die Einsparziele dem Bericht zufolge auf sechs bis sieben Milliarden Euro erhöhen.

Beim Amtsantritt von Jain und Fitschen lag das Verhältnis der Kosten zu den Einnahmen bei 92,5 Prozent. Mit dem laufenden Sparprogramm wollen die Manager die Quote auf 65 Prozent drücken. Im ersten Quartal 2014 lag sie bei 77 Prozent. Pro verdientem Euro gingen also 77 Cent als Kosten verloren. Im internationalen Vergleich hinkt die Bank damit wichtigen Konkurrenten deutlich hinterher.

Für das neue Sparprogramm seien Hunderte Einzelmaßnahmen geplant, zitiert die Zeitung einen hochrangigen Manager. So sollen bei der Kölner Tochter Sal. Oppenheim die Abläufe schlanker und effizienter werden. Im Privatkundengeschäft wolle die Bank als nächsten Schritt das Mobile- und Onlinebanking voranbringen. Auch daraus könnten sich Einsparmöglichkeiten ergeben, etwa durch die Schließung von Filialen. Zudem wird offenbar die Verlagerung von weniger hochwertigen Dienstleistungen im Risikomanagement ins Ausland geprüft.

wed/dpa
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