Sparkassen-Image Tatort Duisburg

Die Deutschen lieben ihre Sparkassen. Dabei haben viele Institutschefs das Fingerspitzengefühl dafür verloren, was noch angemessen ist und was schon maßlos - das zeigt ein aktueller Fall im hochverschuldeten Ruhrgebiet. Die Kassen riskieren ihren Status als Säulenheilige der Finanzbranche.
Von Meike Schreiber
Foto: Bodo Marks/ picture alliance / dpa

Auf den ersten Blick ist es eine Lokalposse: Hans-Werner Tomalak, Ex-Chef der Sparkasse im hochverschuldeten Duisburg, sollte der Abschied aus dem Berufsleben versüßt werden. 65 Prozent seiner letzten, anrechnungsfähigen Bezüge von 550.000 Euro sollte er als Pension erhalten, umgerechnet fast 30.000 Euro monatlich. Ein flauschiges Ruhekissen und sogar mehr als der Rheinische Sparkassenverband empfiehlt, der für Sparkassenchefs maximal 55 Prozent Rente für angemessen hält.

Und doch war diese Empfehlung nicht genug: Kurz vor Tomalaks Eintritt in die Pension erhöhte der Hauptausschuss des Sparkassen-Verwaltungsrates im Beisein von Duisburgs Oberbürgermeister Sören Link die Pension 2013 auf 65 Prozent der Bezüge. Lediglich drei Lokalpolitiker von CDU und SPD, so berichtet es die Tageszeitung "WAZ ", votierten dagegen. Erst als der Coup öffentlich wurde, lenkte Link ein und kassierte die Rentenerhöhung so rasch, wie sie beschlossen worden war.

Für die Sparkassen ist die Kungelei zwischen Sparkasse und Politik in Duisburg peinlich. Schließlich grenzen sie sich bewusst ab gegen die vermeintlichen Gierbanker der Privatbanken. In der Öffentlichkeit verfängt das Gutmenschen-Image bestens, die Deutschen lieben ihre Sparkassen. Dass deren Töchter, die Landesbanken, wegen außerbilanzieller Geschäfte mit Steuermilliarden gerettet werden mussten, ist den meisten irgendwie durchgerutscht. Wie auch kaum Aufhebens darum gemacht wird, dass Chefs größerer Sparkassen im Schnitt rund 500.000 Euro verdienen.

Das Sparkassen-Image bekommt immer mehr Kratzer

Dabei beziehen die Sparkassen ihre Legitimation aus ihrem gemeinwohlorientierten Selbstverständnis. Und natürlich hat ihre Rolle als Kreditspender der regionalen Wirtschaft in der Krise stützend gewirkt. Beides tragen die Institute denn gerne vor sich her. Ernsthaft ans Leder will den Instituten vorerst nicht einmal mehr die EU-Kommission, auch wenn die Kassen gerne über die Regulierung klagen.

Fälle wie der von Tomalak aber passen nicht zu ihrem Image. Und das bekommt in letzter Zeit immer mehr Kratzer. Monate lang Schlagzeilen machte etwa die Sparkasse Ulm: Die hat Kunden aus hochverzinsten Ratensparverträgen in für die Kasse günstigere Sparpläne drängen wollen und Widerspenstigen mehr oder weniger offen mit Kündigung gedroht. Der Fall wird seit März vor Gericht verhandelt.

Oder die Sparkasse Miesbach-Tegernsee: Deren Ex-Chef richtete dem CSU-Landrat eine Geburtstagsfeier aus, die stattliche 118 000 Euro verschlang und als Kundenveranstaltung verbucht wurde. Dass im Zuge des Skandals kostspielige Italien-Reisen, aufwendige Renovierungsarbeiten des Landratsbüros oder der Kauf einer Almhütte aufgedeckt wurde, rundete das für Sparkasse und Lokalpolitik unschöne Bild ab.

Die Governance-Strukturen der Sparkassen provozieren Missstände

Sparkassenvertreter tun Vorfälle wie in Duisburg, Ulm, Miesbach gerne als Einzelfälle ab. So etwas könne in einer dezentralen Groß-Organisation halt schon mal vorkommen, heißt es achselzuckend. Die Häufigkeit der Skandale lässt aber auch einen anderen Schluss zu: Was, wenn das Ganze System hat?

Denn die Governance-Strukturen der Sparkassen provozieren solche Missstände nun einmal geradezu. Statt ihre Gewinne an die Träger auszuschütten, spenden die Sparkassen diese in der Regel für Gemeinnütziges in der Kommune. Was löblich ist, schafft indes Abhängigkeit. Denn über den Einsatz der Spenden entscheiden oft Sparkassenvorstand und Bürgermeister alleine. Öffentlich bekannte Regeln für die Spendenvergabe gibt es nicht.

Und: So gerne die Sparkassen ihre öffentlich-rechtliche Verfasstheit vor sich her tragen, wenn es für sie günstig ist, so schnell schlüpfen sie wiederum in die Rolle des privaten Wirtschaftsunternehmens, das Betriebsgeheimnissen unterliegt, sobald irgendein Rechnungsprüfer zu neugierig wird.

Georg Fahrenschon, der medienaffine Chef des Sparkassen-Dachverbandes DSGV, ist stets gut darin, mit dem Finger auf andere zu zeigen: gierige Investmentbanker, übereifrige Aufseher oder Notenbanker, deren Niedrigzinspolitik Vertrauen und Vermögen der Anleger zerstöre. Vielleicht sollte sich der CSU-Mann, der anderen stets gern Ratschläge in Sachen Bescheidenheit und Transparenz erteilt, seine Kraft besser einteilen. Im eigenen Haus gibt es jedenfalls genug zu tun.

Bislang profitieren die Sparkassen noch davon, dass sich die erzürnte Öffentlichkeit vor allem an der Deutschen Bank und ihren vielen Skandalen abarbeitet. So bescheiden, wie die Sparkassen gern tun, sind sie aber nicht. An Beispielen dafür, wie schnell Vertrauen verspielt ist, mangelt es nicht. Die Sparkassen sollten ihre Lehre daraus ziehen, bevor es zu spät ist.

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