Dienstag, 25. Juni 2019

Deutsche Bank prüft Abschied von Privatkunden Die Bank mit der zittrigen Hand

Wir waren es nicht, zumindest nicht alleine: Die Co-Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen (r) und Anshu Jain Ende Mai 2014 zu Beginn der Hauptversammlung der Deutschen Bank in der Festhalle in Frankfurt am Main.

Was würde wohl ein Investmentbanker der Deutschen Bank sagen, käme der Vorstand eines großen Konzerns zu ihm mit folgendem Anliegen: Er habe da eine Sparte mit zwei Marken, nur halbwegs integriert und modernisierungsbedürftig. Außenstellen müssten wegfallen, wohl auch aus zwei Zentralen eine werden. Und auf das Internet müsse man die Sparte auch noch vorbereiten. Aber das wolle er lieber nicht selbst machen, jedenfalls nicht so ganz. Politisch etwas heikel, die ganze Sache. Ihm schwebe da ein Börsengang vor, 51 Prozent der Aktien, den Rest wolle er noch ein wenig behalten.

Hoffentlich würde der Investmentbanker der Deutschen Bank seinen Mandanten höflich aber bestimmt von dieser Idee abzubringen versuchen. Denn sie wirkt zwar auf den ersten Blick radikal, ist aber leider nicht konsequent: Sie maximiert nicht die Erlöse, weil die Sparte in sanierungsbedürftigem Zustand verkauft werden soll. Sie minimiert nicht die öffentlichen und politischen Attacken, wenn es denn dann mit der Sanierung losgeht, weil man mit 49 Prozent größter Anteilseigner bleibt.

Das Erstaunliche ist: Die Deutsche Bank favorisiert trotzdem genau eine solche Lösung für ihr Privatkundengeschäft: mit den Marken Deutsche Bank und Postbank, Zentralen in Frankfurt und Bonn, sehr vielen Filialen und noch viel, viel Potenzial im Internet.

Diese Verirrung hat ihre Ursache in der tiefen Verunsicherung der Bank: Ihr fehlt die Stärke und Überzeugungskraft für mutige Richtungswechsel, also tastet sie sich nur behutsam und unter allseitiger Absicherung vor.

Die erste und wichtigste Absicherung gilt den Investoren. Die verlangen nach der Rendite-Düsternis der vergangenen Jahre in den nächsten Wochen einen beherzten Schritt. Gleichzeitig haben sich Aufsichtsratschef Paul Achleitner und die Co-Vorstandschefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen in ihre These von einem komparativen Vorteil verliebt: die Deutsche Bank als einzige kontinentaleuropäische Investmentbank mit weltumspannenden Netzwerk. Das zusammen ergibt dann, dass irgendetwas mit dem Privatkundengeschäft geschehen muss.

Es abzuspalten, birgt ein paar Risiken: Die Deutsche Bank geht mir ihrer Rest- oder Kernbank (je nach Perspektive) eine große Wette auf das Investmentbanking ein. Ohne das vergleichsweise risikoarme und zuletzt meist gewinnsolide Massengeschäft wird ihr Rating tendenziell schlechter - was die Refinanzierungskosten ansteigen lässt. Mit dem Verzicht auf das Privatkundengeschäft verliert die Bank zudem einen Teil ihres Nimbus' als nationales Kulturgut. Das kann sich in der nächsten Krise rächen, wenn es auf politischen Einfluss ankommt. Einer mehr oder weniger reinen Kapitalmarktbank beizuspringen, wird jedenfalls weder der SPD noch der sozialdemokratisierten CDU besonders leicht fallen.

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