Europas wertvollstes Fintech Kapitalrunde treibt Klarnas Firmenwert über zehn Milliarden Euro

Der Bezahldienst Klarna macht einen Sprung an die Spitze der wertvollsten Start-ups Europas. In einer neuen Finanzierungsrunde verdoppelt sich die Bewertung der Schweden.
Klarna-Chef Sebastian Siemiatkowski

Klarna-Chef Sebastian Siemiatkowski

Foto: Noam Galai/ AFP

Der Zahlungsdienstleister Klarna hat seinen Marktwert innerhalb von rund einem Jahr verdoppelt. Bei einer vom US-Investor Silver Lake angeführten Finanzierungsrunde seien 650 Millionen Dollar eingesammelt worden, teilte der schwedische Konkurrent von Paypal und Afterpay am Dienstag mit. Damit steige die Bewertung auf 10,65 Milliarden Dollar. Im August vergangenen Jahres waren es noch 5,5 Milliarden Dollar. Damit sei Klarna nach wie vor das am höchsten bewertete private Fintech in Europa und stehe weltweit an vierter Stelle, hieß es weiter. Auch außerhalb der Branche gibt es kein teurer gehandeltes Start-up auf dem Kontinent - Klarna verdrängt den rumänischen Roboterspezialisten UIPath  auf Platz zwei.

Klarna profitiert wie andere Zahlungsdienstleister von dem durch die Corona-Krise verstärkten Trend zum Onlineshopping und zum digitalen Bezahlen. Mittlerweile arbeitet das 2005 gegründete Unternehmen mit 205.000 Händlern wie H&M, Spotify und der Deutschen Bank zusammen und zählt 90 Millionen Kunden. Firmenchef Sebastian Siemiatkowski (38) hatte vor Kurzem erklärt, das Unternehmen plane einen Börsengang in den USA in den nächsten ein bis zwei Jahren.

Bislang ist Deutschland der größte Markt für Klarna, das Unternehmen steckt hinter dem Onlinezahldienst Sofortüberweisung. Doch die Schweden expandieren stark in den USA und Großbritannien, die USA sollen der größte Markt werden. Das frische Kapital will Klarna nun nutzen, um das Produktangebot weiter auszubauen, neue Märkte zu erschließen sowie das Wachstum in den USA mit inzwischen mehr als neun Millionen Nutzern zu beschleunigen.

Der Expansionskurs beschert dem Unternehmen, zu dessen Unterstützern auch der Rapper Snoop Dogg (48) gehört, allerdings Verluste. In der ersten Jahreshälfte hat sich der Fehlbetrag auf rund 53 Millionen Euro vervielfacht. Es sei wahrscheinlich, dass die aktuelle Finanzierungsrunde die letzte vor einem möglichen Börsengang sei, sagte ein Insider kürzlich. Klarna werde wohl in einigen Monaten Gespräche mit Investmentbanken aufnehmen, die den Schritt aufs Parkett begleiten sollen.

ak/reuters
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.