Investmentbanker führt Staatsbank Citibanker Stefan Wintels wird Chef der KfW

Ein Investmentbanker dirigiert künftig die Ströme staatlichen Fördergelds in Deutschland. Der Verwaltungsrat der KfW setzt den langjährigen Citigroup-Manager Stefan Wintels auf den Chefposten. Die interne Favoritin Ingrid Hengster geht leer aus.
Klassischer Investmentbanker: Der KfW-Verwaltungsrat hat der Berufung von Stefan Wintels als neuen KfW-Chef nun formal zugestimmt

Klassischer Investmentbanker: Der KfW-Verwaltungsrat hat der Berufung von Stefan Wintels als neuen KfW-Chef nun formal zugestimmt

Foto: -- / dpa

Der Investmentbanker Stefan Wintels (54) wird im Herbst neuer Chef der staatlichen Förderbank KfW. Wintels beginne am 1. Oktober, teilte die KfW Bankengruppe am Mittwochabend nach einer Sitzung des Verwaltungsrates in Berlin mit. Er bekommt demnach einen Vertrag für vier Jahre. Um den Übergang zu begleiten, bleibt der derzeitige KfW-Vorstandsvorsitzende Günther Bräunig (65) vier Monate länger und verlässt das Institut mit Sitz in Frankfurt am Main erst Ende Oktober. Bräunig und Wintels werden somit im Oktober als Co-Chefs der KfW Bankengruppe fungieren.

Dass Bräunig in diesem Jahr altersbedingt aufhört, ist schon länger bekannt. Anfang Juni hatten sich die Spitzen der Großen Koalition auf Wintels als neuen Chef des Förderinstituts geeinigt, das dem Bund (80 Prozent) und den Ländern (20 Prozent) gehört. Die für die Inlandsförderung zuständige Vorständin Ingrid Hengster (60), die als interne Favoritin galt, ging hingegen leer aus . Der KfW-Verwaltungsrat, dem unter anderen Bundesfinanzminister Olaf Scholz (63, SPD) und Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (63, CDU) angehören, stimmten der Personalie nun formell zu.

Geübter Dealmaker

Der gebürtige Niedersachse Wintels ist seit 2001 bei der Citigroup tätig. Im März vergangenen Jahres hatte die US-Großbank den Manager in ihr globales Entscheidungskomitee berufen, seither leitet Wintels zudem das Geschäft mit Financial Institutions, das Banken, Versicherungen und Fintechs umfasst. Zuvor war Wintels von 2014 bis 2020 Deutschlandchef des US-Instituts und sorgte als Vorstandsvorsitzender der Citigroup Global Markets Europe AG dafür, dass nach dem Brexit Frankfurt am Main zum wichtigsten Standort der Bank in Kontinentaleuropa wurde.

Bei der Citigroup begleitete Wintels Fusionen, Übernahmen und Börsengänge - also das klassische Investmentbanking. Während der Privatisierung von Landesbanken hatte er Gelegenheit, Kontakte in die Politik zu knüpfen. Vor seiner Zeit bei der Citigroup war Wintels in Frankfurt am Main und London für die Deutsche Bank tätig. Wintels ist verheiratet und hat vier Kinder.

Der scheidende KfW-Chef Bräunig ist ein KfW-Urgestein: Der Jurist ist seit 1989 in verschiedensten Funktionen für das Förderinstitut tätig. In den Vorstand zog der damalige Generalbevollmächtigte am 1. Oktober 2006 ein. Seit 1. Januar 2018 ist Bräunig Vorstandsvorsitzender.

Die KfW ist mit einer Bilanzsumme von 546 Milliarden Euro per Ende 2020 die drittgrößte Bank Deutschlands, hinter Deutscher Bank (993 Milliarden Euro) und der genossenschaftlichen DZ Bank (595 Milliarden Euro), aber noch vor der Commerzbank (507 Milliarden Euro). Die Bedeutung der staatlichen Förderbank hat in der Corona-Krise noch zugenommen. Die KfW unterstützt unter anderem mit Hilfsprogrammen im Auftrag des Bundes zusammen mit Banken und Sparkassen Unternehmen, die wegen der Pandemie in Schwierigkeiten geraten sind.

ak/dpa-afx
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