Mittwoch, 24. April 2019

Vorwurf Insiderhandel Verfahren gegen Ex-Deutsche-Börse-Chef Kengeter eingestellt

Carsten Kengeter, Ex-Vorstandsvorsitzender der Deutschen Börse AG im Jahr 2017

Die Deutsche Börse Börsen-Chart zeigen hat einen Schlussstrich unter die Affäre um angebliche Insidergeschäfte ihres Ex-Chefs Carsten Kengeter (51) gezogen und Bußgelder in Millionenhöhe akzeptiert. Der Dax-Konzern zahlt demnach 10,5 Millionen Euro wegen Verstoßes gegen das Insiderhandelsverbot sowie wegen Unterlassung einer Pflichtmitteilung an die Börse, wie das Unternehmen bereits kurz vor Weihnachten mitteilte. Das Landgericht Frankfurt stellte das Ermittlungsverfahren gegen Kengeter ein.

Nicht nur die Deutsche Börse berappt Millionen. Auch Ex-Chef Kengeter müsse jetzt 250.000 Euro als Auflage sowie 4,5 Millionen Euro an die Staatskasse zahlen, schrieb das "Handelsblatt" am Freitagabend. Wie das manager magazin zuvor berichtet hatte, hieß es intern, die Börse habe der BaFin signalisiert, Kengeter sei zur Zahlung von fünf Millionen Euro bereit.


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Die Deutsche Börse hatte bereits vor mehr als einem Jahr - im September 2017 - angeboten, ein Bußgeld in Höhe von 10,5 Millionen Euro zu zahlen. Damals war der Versuch, eine Einstellung des Ermittlungsverfahrens zu erreichen, aber am Widerstand des Frankfurter Amtsgerichts gescheitert. Auch die Finanzaufseher der BaFin spielten da eine Rolle: Sie stießen sich an der vergleichsweise niedrigen Summe von 500.000 Euro, die Kengeter damals lediglich übernehmen sollte.

Der Manager hatte seinen Posten als Vorstandsvorsitzender zum Jahresende 2017 abgegeben. Kengeter hatte Mitte Dezember 2015 für 4,5 Millionen Euro 60.000 Deutsche-Börse-Aktien gekauft, die er nicht vor Ende 2019 veräußern darf. Der Konzern packte auf das eigens für Kengeter geschnürte Vergütungsprogramm weitere 69.000 Anteilsscheine drauf. Gut zwei Monate nach dem Aktiendeal machten die Börse und die London Stock Exchange Börsen-Chart zeigen (LSE) ihre - inzwischen gescheiterten - Fusionspläne öffentlich, was die Kurse trieb. Die Ermittler werfen Kengeter vor, schon im Sommer 2015 mit der LSE-Führung Gespräche über einen Zusammenschluss geführt und das lukrative Aktiengeschäft in diesem Wissen getätigt zu haben. Aufsichtsrat, Vorstand und Kengeter persönlich hatten die Vorwürfe zurückgewiesen.

"Die Gesellschaft ist unverändert der festen Überzeugung, dass die Vorwürfe unbegründet waren", teilte die Börse vor Weihnachten mit. Dies hätten umfangreiche "Prüfungen durch mehrere unabhängige externe Experten" ergeben. Eine Beendigung des Verfahrens sei jedoch "im besten Interesse des Unternehmens".

dpa-afx/kyr

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