Donnerstag, 23. Mai 2019

Turbulenzen um Großbank Keine Staatshilfe für Espírito-Santo-Imperium

Es kriselt: Nun ermittelt auch Portugals Staatsanwaltschaft bei der Mutter von Portugals führender Privatbank Espirito Santo.

Schon seit Ende Mai steht Portugals führende Privatbank Banco Espírito Santo im Fokus der Staatsanwälte. Sie gehen den Turbulenzen in dem ganzen Firmen-Imperium nach. Klar ist schon jetzt: Auf Staatshilfe kann die Bank nicht zählen.

Lissabon - Die portugiesische Justiz prüft die Turbulenzen rund um das Geschäftsimperium Espírito Santo auf mögliche Straftatbestände. Es liefen mehrere Ermittlungen, teilte die Staatsanwaltschaft am Freitag mit. Die Strafverfolgungsbehörde verfolge die Entwicklung seit dem Aufkommen der Affäre und sammle alle öffentlich gewordenen Details, um diese auf strafrechtliche Relevanz zu prüfen, erklärte die Generalstaatsanwaltschaft.

Ende Mai waren Unregelmäßigkeiten bei der Dach-Holding Espírito Santo International (ESI) bekannt geworden. Sie soll Verluste in Höhe von 1,3 Milliarden Euro verschleiert haben. Zu ESI gehört die Investmentgesellschaft Rioforte, die wiederum 49 Prozent am Kapital der Espírito Santo Financial Group (ESFG) hält. ESFG ist mit 20,1 Prozent der größte Anteilseigner bei der Banco Espírito Santo (BES), der führenden Privatbank in Portugal. An ihr ist auch die französische Crédit Agricole beteiligt.

Die Enthüllungen rund um das Familien-Imperium Espírito Santo lösten in Portugal Zweifel an der Zahlungsfähigkeit der BES aus. Auch andere Banken und der Staat bekamen die Vertrauenskrise zu spüren.

Espírito Santo muss "ihre Probleme selbst lösen"

Ebenfalls am Freitag gab Portugals Finanzministerin Maria Luís Albuquerque bekannt, der Staat werde bei der Krise um die BES nicht eingreifen. Eine Verstaatlichung der Bank oder der übergeordneten Unternehmensgruppe käme nicht in Frage. Diese sei eine private Gruppe, "sie wird ihre Probleme selbst lösen." Eine Verstaatlichung wäre für die Steuerzahler von Nachteil.

Auch eine Kapitalerhöhung bei der Bank BES mit staatlichen Geldern sei nicht geplant, sagte die Ministerin. "Nach unseren Informationen ist eine solche Maßnahme nicht notwendig." Nach Angaben der Zentralbank hatte die BES der Gruppe der Gründerfamilie Darlehen und Bürgschaften in Höhe von 1,2 Milliarden Euro gewährt. Das Geldhaus, die bedeutendste Privatbank des Landes, verfüge für den Fall von Kreditausfällen aber über ausreichende Reserven.

luk/afp/dpa

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