Scheichs schicken deutschen Anwalt in Aufsichtsrat Katars Herrscher bauen Macht bei Deutscher Bank aus

Baut seine Macht über die Deutsche Bank aus: Katars Ex-Premier Hamad bin Jassim bin Jaber Al-Thani, inzwischen Privatinvestor.

Baut seine Macht über die Deutsche Bank aus: Katars Ex-Premier Hamad bin Jassim bin Jaber Al-Thani, inzwischen Privatinvestor.

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Die Deutsche Bank wird auf Wunsch zweier katarischer Großaktionäre den Juristen Stefan Simon als Nachfolger für ihren langjährigen Chefaufklärer Georg Thoma in den Aufsichtsrat berufen. Offiziell sprach Deutschlands größtes Geldhaus am Freitag von einer "Anregung"  aus Katar, Simon zu berufen. Die zwei Mitglieder der Herrscherfamilie Al-Thani halten privat inzwischen fast zehn Prozent an der Deutschen Bank und sind damit zum größten Aktionär noch vor dem Fonds-Konzern Blackrock aufgestiegen.

Die Pakete werden jeweils über eine steuervermeidende Offshore-Investmentgesellschaft gehalten: die Paramount Services Holdings Ltd. von Hamad bin Jassim bin Jaber Al-Thani, des langjährigen Premierministers Katars, mit Sitz auf den Britischen Jungferninseln und die Supreme Holdings Ltd. mit Sitz auf den Kaimaninseln. Nachdem im März wesentliche Großaktionäre der Deutschen Bank anonym ihren Wunsch geäußert hatten, dass Aufsichtsratschef Paul Achleitner im kommenden Jahr sein Amt aufgeben solle, hatte Paramount ihm öffentlich sein Vertrauen und seine Unterstützung ausgesprochen. Supreme hatte auf Nachfrage von manager-magazin.de erst ebenfalls eine Stellungnahme angekündigt, dies dann aber unterlassen.

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Die Karriere des Deutsche-Bank-Aufsichtsratschefs: Warum Paul Achleitner um sein Amt kämpft

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Simon, lange Zeit im Hauptberuf Partner der Kanzlei Flick Gocke Schaumburg, war zuletzt vor allem wegen seines umstrittenen Engagements für das inzwischen insolvente Energie-Unternehmen Windreich bekannt geworden. Für dessen Gründer Willi Balz hatte der 46-jährige Jurist im Jahr 2013 Investoren gesucht - und war offensichtlich von seinen Fähigkeiten sehr überzeugt: "Es gibt nur einen, der Windreich vor dem Zusammenbruch zu retten vermag. Die Verhandlungen mit den verschiedenen Investoren hängen hinsichtlich Struktur und Erfolgswahrscheinlichkeit von meinem Verhandlungsgeschick ab", zitiert das "Handelsblatt" aus einer E-Mail Simons in dieser Zeit an Balz .

Hätte Simon damals einen Investoren für Windreich gefunden, wäre er möglicherweise als Energie-Manager aktiv geworden. Seine künftige, mögliche Rolle hatte er immerhin schon konstruiert: Als Vorstandsvorsitzender Windreichs mit 2,5 Millionen Euro Jahresgehalt und garantierten 50 Flugstunden mit Firmenflugzeugen. Simon sagte laut "Handelsblatt" dazu, er habe damals noch keine Entscheidung getroffen, ob er das Amt tatsächlich übernehmen wolle. Weil der Deal platzte, musste er das auch nicht mehr. Balz trennte sich kurz darauf von Simon im Streit.

Simons neuer Job bei der Deutschen Bank war frei geworden, nachdem der langjährige Chefaufklärer Georg Thoma im Frühjahr nach einer Mobbing-Attacke seiner Kollegen zurückgetreten war. Sie hatten ihm öffentlich Übereifer bei der Aufarbeitung von Skandalen vorgeworfen. Die Schlammschlacht war auch Thema auf der jüngsten Hauptversammlung gewesen.

Sein Nachfolger ist dem Amtsgericht Frankfurt von der Deutschen Bank offiziell vorgeschlagen worden. Er muss gerichtlich bestellt werden, weil er sich erst auf der kommenden Hauptversammlung im Mai 2017 zur Wahl stellen kann. Die Bank kennt Simon bereits aus anderer Perspektive: Er hatte den inzwischen ausgeschiedenen Vorstand Michele Faissola in der Libor-Affäre gegenüber der deutschen Finanzaufsicht BaFin vertreten.

Simons Aufgabe im Kontrollgremium fällt nun allerdings eine Nummer kleiner aus als Thomas, denn anders als Thoma wird er nicht an der Spitze des Integritätsausschusses stehen. Diese Aufgabe übernimmt dauerhaft die US-Juristin Louise Parent, die das Gremium seit April bereits übergangsweise führte.

Lesen Sie auch im aktuellen Heft: Wie die Herrscherfamilie aus Katar ihre Gas-Milliarden einsetzt.

Anmerkung der Redaktion:

In einer früheren Version des Beitrags hatten wir unter Berufung auf Angaben des "Handelsblatts"  berichtet, dass Simon Mitglieder der Herrscherfamilie Katars bereits von seiner Investorensuche für den inzwischen insolventen Energie-Unternehmen Windreich kennt. Ein Sprecher Simons dementierte gegenüber manager-magazin.de am Freitagabend diese Version. Es habe niemals einen solchen Kontakt zwischen Simon und den Al-Thanis gegeben. Simon habe erst kürzlich zum ersten Mal Kontakt mit einem Mitglied der Familie Al-Thani gehabt.

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