Samstag, 7. Dezember 2019

Kapitalerhöhung Die riskante Wette der Deutschen Bank

Co-Chefs Fitschen (l.) und Jain: Deutsche Bank als Platzhirsch im Nischenmarkt

Mit einer massiven Kapitalerhöhung und der Herrscherfamilie Katars rüstet sich die Deutsche Bank für die schärferen Eigenkapitalrichtlinien. So weit, so richtig. Ihr Wachstumsproblem löst das aber nicht. Das soll, mal wieder, das Investmentbanking richten.

Dass die Deutsche Bank ihr Kapital erhöhen würde, war spätestens klar, seit Co-Chef Anshu Jain bei der Vorstellung der Quartalszahlen vor einigen Wochen entsprechende Gerüchte noch beflügelt hatte. Zwar hatte er vor Jahresfrist noch hoch und heilig versprochen, dass der "Hungermarsch" an den Kapitalmarkt beendet und keine weitere Kapitalerhöhung geplant sei. Aber auch, wenn das Hin und Her nicht seine Glaubwürdigkeit stärkt, lässt es sich mit etwas gutem Willen durchaus mit neuen aufsichtsrechtlichen Vorgaben begründen.

Dass die Kapitalerhöhung so rasch kommt, überrascht ebenfalls nicht. Am Donnerstag findet die Hauptversammlung statt, auf der sich die Führung auf unangenehme Fragen zum Kirch-Vergleich und zu den weiteren Rechtsstreitigkeiten einstellen muss. Da kommt eine geschmeidig durchgezogene Kapitalstärkung und das frühzeitige Übertreffen der regulatorisch vorgegebenen Anforderungen gerade recht.

Und dass die Deutsche Bank Börsen-Chart zeigen mit 8 Milliarden Euro einen gewaltigen Schluck aus der Pulle nimmt, sollte ebenfalls nicht verwundern: Schließlich steht nicht nur das Aktionärstreffen an, sondern auch der Stresstest der Europäischen Zentralbank, da ist Eile geboten. Zumal auch andere Banken bereits den Kapitalmarkt angezapft haben und die Investoren demnächst in die Sommerfrische abtauchen. Das viel zitierte "Zeitfenster" schließt sich langsam.

Alles in Butter also? Nicht ganz. Für Aktionäre der Deutsche Bank oder solche, die es werden wollen, ist inzwischen einigermaßen klar, dass sich mit dem Papier kaum Geld verdienen lässt. So predigt der Konzern - richtigerweise - Verzicht auf steigende Dividenden. So etwas hören Aktionäre nie gern.

Die Deutsche Bank agiert nicht auf Augenhöhe mit der US-Konkurrenz

Auch die unmittelbare Kursreaktion der Aktie ist negativ. Mit einem Kurs um 30 Euro und einer Börsenbewertung von etwa 30 Milliarden Euro ist die Deutsche Bank weit von dem Niveau entfernt, auf dem sie sich selbst sieht: auf Augenhöhe mit der Konkurrenz von der Wall Street. Und daran wird sich in absehbarer Zukunft nichts ändern.

So richtig es ist, sich fit zu machen für Stresstests und Basel-III-Kapitalregeln: Für die Geldanlage bleibt die Deutsche-Bank-Aktie allenfalls ein Hoffnungswert. Mehr nicht.

Jain wird das verschmerzen können. Wichtiger für ihn ist, die Geschäftsziele der Strategie "2015+" einzuhalten. Und da sieht es mager aus. Denn zusammen mit der Kapitalerhöhung revidierte die Bank kurzerhand ihre Gewinnprognosen für die einzelnen Säulen des Kerngeschäfts (mit Ausnahme der Vermögensverwaltung). Das ist eine weitere schlechte Nachricht für Aktionäre.

Dass die Bank ihr Ziel für die Gesamtkapitalrendite gleichwohl unverändert ließ, hängt, wie Finanzvorstand Stefan Krause in der Analystenkonferenz erläuterte, vor allem mit den gewaltigen Fortschritten der konzerninternen Bad Bank zusammen: Die baut Bilanzschrott weitaus rascher ab als geplant, den renditehungrigen und vor Liquidität platzenden Finanzinvestoren sei Dank.

Seite 1 von 2

© manager magazin 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung