Überraschende Kapitalerhöhung Coba nimmt knapp 1,4 Milliarden Euro ein

Von Reuters
Commerzbank-Zentrale: Deutschlands zweitgrößtes Geldhaus hat sehr wahrscheinlich für alle angebotenen neuen 113,85 Millionen Aktien Abnehmer gefunden

Commerzbank-Zentrale: Deutschlands zweitgrößtes Geldhaus hat sehr wahrscheinlich für alle angebotenen neuen 113,85 Millionen Aktien Abnehmer gefunden

Foto: DPA

Die Commerzbank hat über Nacht knapp 1,4 Milliarden Euro frisches Kapital eingesammelt. 113,85 Millionen Aktien aus einer Kapitalerhöhung seien zu einem Preis von je 12,10 Euro bei institutionellen Investoren untergebracht worden, teilte die Bank am Dienstag mit.

Die Platzierung verhilft der Commerzbank zu einer harten Kernkapitalquote von 10,2 Prozent; Ende März hatte sie bei 9,5 Prozent gelegen. "Damit wird schneller als geplant das vom Kapitalmarkt mittlerweile geforderte Niveau für die harte Kernkapitalquote erreicht", teilte die Bank am Dienstag mit. Die Beteiligung des Bankenrettungsfonds Soffin als größtem Commerzbank-Aktionär sinkt nach der Kapitalerhöhung auf 15,6 von 17,3 Prozent.

Die Coba hatte die Kapitalerhöhung gestern am frühen Abend überraschend angekündigt. Da die neuen Aktien mit einem Kursabschlag von 5 bis 7 Prozent gegenüber dem Xetra-Schlusskurs vom Montag verkauft wurden, gab die Coba-Aktie am Dienstag in der Spitze mehr als 4 Prozent nach und belastete auch den Dax (Kurswerte anzeigen).

Die Commerzbank hatte in den vergangenen Jahren mehrfach ihr Kapital erhöht, zu einem guten Teil um die in der Finanzkrise erhaltene Staatshilfe zurückzuzahlen.

Die Aktienexperten der britischen Investmentbank Barclays zeigten sich vom Zeitpunkt der jüngsten Kapitalmaßnahme überrascht. Offensichtlich habe das Commerzbank-Management auf den Druck durch Schuldner und Aktionäre reagiert und wolle die harte Eigenkapitalquote schneller auf das von den Kapitalmärkten geforderte Niveau steigern. Eine beschleunigte Trennung von problembehafteten Randgeschäftsfeldern, welche wohl von den Anlegern positiv aufgenommen worden wäre, scheine die Commerzbank damit nicht vorbereitet zu haben.

Operativer Gewinn mehr als verdoppelt

Mit der Ankündigung hatte die Bank zugleich ihre vorläufigen Geschäftszahlen für das erste Quartal vorgelegt. Demnach hat die Bank den operativen Gewinn auf 685 (Vorjahr: 324) Millionen Euro mehr als verdoppelt. Die Fortschritte lägen zum einen an den deutlich gestiegenen Erträgen, aber auch an Bewertungs- und Einmaleffekten, hieß es in der Mitteilung. Dabei verkraftete die Bank sogar eine Abschreibung auf ihr Anleihen-Engagement bei der zahlungsunwilligen österreichischen "Bad Bank" Heta.

Von den 400 Millionen Euro, die die Commerzbank dort im Feuer hat, muss sie auf Geheiß der Bankenaufseher etwa die Hälfte wertberichtigen. Die Erträge stiegen von Januar bis März um mehr als eine halbe Milliarde auf 2,8 Milliarden Euro. Die Risikovorsorge sank, der Nettogewinn legte auf 366 (200) Millionen Euro zu.

Trotzdem geht Vorstandschef Martin Blessing der Aufbau des Kapitalstocks noch nicht schnell genug. Mit Hilfe der Emission soll die harte Kernkapitalquote auf mehr als zehn Prozent steigen; Ende März waren es 9,5 Prozent. Die Verschuldungsquote soll dem Zielwert von vier Prozent näherkommen; zuletzt waren es 3,7 Prozent. Die Eigenkapitalrendite nach Steuern soll trotz der höheren Kapitalbasis bis Ende des kommenden Jahren zehn Prozent erreichen, bekräftigte die Bank.

Vor allem in der Berliner Politik waren Gedankenspiele angestellt worden, ob es sinnvoll wäre, durch eine Verbindung der Commerzbank mit der Postbank eine starke Privatkundenbank zu schaffen und damit ein Gegengewicht zu den Sparkassen, Volks- und Raiffeisenbanken zu schaffen. Doch die Commerzbank, an der der Staat immer noch mit 17 Prozent beteiligt ist, sei auf die Postbank nicht sonderlich erpicht, sagten die Insider. Während sich die Commerzbank an wohlhabenderen Kunden orientiert, ist die Postbank vor allem im Massengeschäft aktiv.

la/rei/reuters/dpa
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