Julius Bär Chinas Milliardäre locken Schweizer Privatbank an

Der Schweizer Vermögensverwalter will offenbar ein Joint Venture in China gründen und sucht Partner. Das hat bislang keine größere Bank aus dem Westen gewagt. Aber es lockt ein lukratives Geschäft.
Geldhaus: Die Bank aus Zürich drängt nach China

Geldhaus: Die Bank aus Zürich drängt nach China

Foto: Walter Bieri / DPA

Der Schweizer Vermögensverwalter Julius Bär will Insidern zufolge in China Fuß fassen. Die Privatbank habe mit der Suche nach einem lokalen Partner begonnen, sagten mit der Situation vertraute Personen zur Nachrichtenagentur Reuters. Julius Bär strebe die Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens an, um den rasch wachsenden Wohlstand in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt zu erschließen. Die Bank werde voraussichtlich im nächsten Jahr eine Entscheidung zu einem chinesischen Partner treffen, bevor das formelle Lizenz-Antragsverfahren eingeleitet werde. Ein Sprecher wollte sich nicht dazu äußern.

Die rasant steigende Zahl von superreichen Chinesen hat viele Banken angelockt. Laut der "Hurun Rich List" leben in China rund 800 Milliardäre, während in den USA nur knapp 700 Milliardäre leben. Deutschland zählt nach Schätzungen des manager magazins aktuell weniger als 200 Milliardäre.  Internationale Institute betreuten diese Kunden bisher aber vor allem von ausländischen Standorten wie Hongkong, Singapur oder Zürich aus. Doch inzwischen hat sich die Ausgangslage geändert: Einerseits haben es die chinesischen Behörden ausländischen Häusern erleichtert, Gemeinschaftsunternehmen auch für die Vermögensverwaltung zu gründen. Zudem gingen sie im Bestreben, die Verschuldung zu reduzieren und den Verkauf risikoreicher Produkte einzuschränken, hart gegen fragwürdige Praktiken in der heimischen Vermögensverwaltungsbranche vor. Julias Bär wäre die erste größere Privatbank, die ein solches Joint Venture in China gründet.

"Mainland China ist natürlich immer 'the big prize'", hatte Bär-Chef Philipp Rickenbacher (49) vergangenen Monat auf einer Konferenz gesagt. Aber es brauche eine Gelegenheit für einen Einstieg. "Ist es unmöglich? Nein, und wir arbeiten intensiv daran, diese Möglichkeit auszuloten."

Rickenbacher baut den Schweizer Vermögensverwalter gerade radikal um.   Nachdem sein Vorgänger die Bank auf Kosten der Seriosität an die Weltspitze geführt hatte, verlangte auch die Finanzaufsicht spürbare Änderungen. Rickenbacher kombiniert das mit einem Sparprogramm. Im Frühjahr hatte er angekündigt, mehrere hundert Stellen zu streichen. In den ersten neun Monaten zeigte das Kostensenkungsprogramm bereits Wirkung: Die Profitabilität in den ersten neun Monaten 2020 habe deutlich angezogen, teilte die Schweizer Bank Mitte Oktober mit. So habe sich das bereinigte Verhältnis von Kosten zu Erträgen auf 66,1 Prozent verbessert von 71,1 Prozent im Gesamtjahr 2019. Neben gesenkten Ausgaben konnte Rickenbacher auch dank dem von der Coronakrise ausgelösten Handelsboom auch höhere Erträge vorweisen.

Den Insidern zufolge will Bär an dem Joint Venture die Mehrheit halten. Mit einer lokalen Präsenz in dem Land könnten die Zürcher ihre Position in Asien erheblich stärken, wo sie mit einer Reihe anderer Anbieter wie UBS und Credit Suisse konkurrieren. 

lhy/Reuters
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