Dienstag, 15. Oktober 2019

US-Großbank JPMorgan schockiert die Konkurrenz 9,2 Milliarden Dollar Gewinn - im Quartal

Hat gut lachen: JPMorgan Chef James Dimon ist längst selbst Milliardär - und die US-Banken dominieren das Bankengeschäft weltweit

Triumph für Banken in den Vereinigten Staaten, Schock für die Konkurrenz im Rest der Welt: Die US-Großbanken haben die von den USA angezettelte weltweite Finanzkrise 2008 dazu genutzt, um in den Folgejahren der Konkurrenz im Rest der Welt uneinholbar zu enteilen. Eindrucksvolles Beispiel dafür ist die US-Großbank JP Morgan: Das größte Kreditinstitut in den USA verdiente im ersten Quartal 9,2 Milliarden Dollar - ein Plus von fünf Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal und so viel wie noch nie.

Wie das Geldhaus am Freitag in New York mitteilte, zogen die Einnahmen im selben Zeitraum von 26,8 auf 29,9 Milliarden Dollar an - ebenfalls ein neuer Rekordwert.

Zum Vergleich: Der Gewinn der Deutschen Bank betrug im gesamten Jahr 2018 rund 267 Millionen Euro. Der Börsenwert der Deutschen Bank beträgt derzeit rund 16 Milliarden Euro. Eine Bank wie JPMorgan braucht also nur zwei Quartalsgewinne in der Größenordnung des ersten Quartals, um Deutschlands größte Bank zu schlucken.

Doch die US-Banken haben wenig Gründe, europäische Geldinstitute zu übernehmen - diese sind nur noch ein Schatten ihrer selbst und keine ernst zu nehmende Konkurrenz mehr. Vorbei auch die Zeit, in denen Banken wie JP Morgan oder Goldman Sachs noch vor Beginn der Finanzkrise in Deutschland faule Subprime-Kreditpakete an deutsche Landesbanken verkauften - das Geschäft wird jetzt in anderen Bereichen gemacht. Im Investmentbanking zum Beispiel behauptete JPMorgan-Bankchef Jamie Dimon Platz eins weltweit - der Marktanteil seines Hauses lag bei fast zehn Prozent.

Auch Wells Fargo mit Milliardengewinn - Aktien gefragt

Die Aktie von JP Morgan legte an der Wall Street um zwei Prozent zu. Mit den Quartalszahlen übertraf JP Morgan die Erwartungen der Analysten klar. Lediglich das Handelsgeschäft schwächelte im ersten Quartal erwartungsgemäß, während das Zinsgeschäft - dank der zuletzt gestiegenen Leitzinsen in den USA - sowie die Beratung von Firmenkunden bei Börsengängen, Fusionen und Übernahmen sowie die Emission von Wertpapieren hervorragend liefen.

So wie JP Morgan hat auch die in San Francisco ansässige US-Bank Wells Fargo Börsen-Chart zeigen im ersten Quartal einen Milliardengewinn eingefahren. Wie das viertgrößte Institut der USA am Freitag mitteilte, lag der Gewinn bei 5,5 Milliarden Dollar und damit rund 800 Millionen Dollar über dem Ergebnis des Vorjahresquartals. Wells Fargo - zurückgehend auf einen Postkutschenservice im Wilden Westen des 19. Jahrhunderts - übertraf damit ebenfalls die Erwartungen der Wall Street. Die von einem Phantomkonten-Skandal erschütterte US-Großbank sucht derzeit einen neuen Chef, nachdem Timothy Sloan Ende März seinen sofortigen Rücktritt erklärt hatte. Behörden und Politiker hatten den Abgang gefordert. Sloan hatte die Führung der Bank nach Bekanntwerden des Skandals im Oktober 2016 übernommen. Das Geschäftsgebaren des Geldhauses hatte Aufsehen erregt: So eröffneten Mitarbeiter Phantomkonten im Namen ihrer Kunden, um interne Ziele zu erfüllen.

Dimon, Blankfein, Paulson: Was aus den Köpfen der Finanzkrise wurde

Zahlen von Citigroup und Goldman Sachs am Freitag

Ähnlich dürfte das Bild sich bei anderen US-Banken zeigen, die den Anlegern in den nächsten Tagen einen Blick in ihre Bilanzen gewähren. Auch sie dürften vor allem im Aktien- und Anleihenhandel von einem eher schwachen Quartal berichten, so wie wohl auch die ebenfalls in den USA vertretene Deutsche Bank Börsen-Chart zeigen, die am 26. April ihre Quartalszahlen präsentiert.

Dimon äußerte sich hochzufrieden mit dem Geschäft und auch mit dem Zustand der Konjunktur in den Vereinigten Staaten. "Mitten in einer Phase globaler Unsicherheit wächst die US-Wirtschaft, Beschäftigung und Löhne steigen, die Inflation ist moderat, die Finanzmärkte sind gesund und das Vertrauen der Konsumenten und Firmen bleibt stark", erklärte der Wall-Street-Veteran.

Noch am Freitag wollte Wells Fargo, die viertgrößte Bank der USA ihre Bilanz vorlegen, in der kommenden Woche folgen dann am Montag Goldman Sachs und die Citigroup, am Dienstag die Bank of America und am Mittwoch vor Ostern dann noch Morgan Stanley.

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