US-Großbank Gewinn von JPMorgan schrumpft deutlich

Die Folgen des Ukraine-Krieges drücken den Gewinn des weltgrößten Bankhauses JP Morgan. Das US-Finanzinstitut verzeichnete einen Gewinnrückgang von 42 Prozent binnen Jahresfrist.
Systemrelevant: JP Morgan ist aus Sicht der globalen Bankenregulierer das wichtigste Geldhaus für die Stabilität des Finanzsystems

Systemrelevant: JP Morgan ist aus Sicht der globalen Bankenregulierer das wichtigste Geldhaus für die Stabilität des Finanzsystems

Foto: Stephanie Keith / REUTERS

Eine nachlassende Fusions- und Übernahmeaktivität im Unternehmenssektor sowie ein deutlicher Rückgang im Handelsgeschäft haben den Gewinn des US-Bankenprimus JPMorgan im Auftaktquartal gedrückt. Nach Angaben des Geldhauses haben die wirtschaftlichen Folgen des Ukraine-Krieges bereits im ersten Quartal rund eine halbe Milliarde Dollar an bilanziellen Belastungen verursacht. Die Summe umfasse erhöhte Finanzierungskosten ebenso wie Wertberichtigungen wegen gestiegener Rohstoffpreise und Geschäftspartnern mit Russland-Bezug.

Das Auftaktquartal sei von "schwierigen Marktverhältnissen und unberechenbaren Ereignissen" geprägt gewesen, erklärte Vorstandschef Jamie Dimon (66) im Geschäftsbericht. "Wir bleiben jedoch zuversichtlich mit Blick auf die Konjunktur - zumindest kurzfristig." JPMorgan sehe aber erhebliche geopolitische und wirtschaftliche Herausforderungen aufgrund hoher Inflation, weltweiter Lieferkettenprobleme und des Ukraine-Kriegs. Für die Aktien des Geldhauses ging es im vorbörslichen US-Handel zunächst deutlich nach unten.

Auch ohne die Folgen des Krieges und der Sanktionen gegen Russland verdiente JPMorgan im ersten Quartal wesentlich weniger als ein Jahr zuvor. So gingen die Einnahmen des Geldhauses um 5 Prozent auf 31,6 Milliarden Dollar zurück. Der Nettogewinn sackte um 42 Prozent auf rund 8,3 Milliarden US-Dollar (7,6 Milliarden Euro) ab. Das lag vor allem an erwarteten Kreditausfällen. So legte die Bank fast 1,5 Milliarden Dollar für gefährdete Darlehen zurück – deutlich mehr als von Experten erwartet.

Ein Jahr zuvor hatte JPMorgan noch Rückstellungen von mehr als vier Milliarden Dollar aufgelöst, die wegen befürchteter Kreditausfälle in der Pandemie gebildet worden waren. Dadurch war der Quartalsgewinn damals auf 14,3 Milliarden Dollar nach oben gesprungen. Doch auch das Tagesgeschäft lief im jüngsten Quartal nicht mehr so rund. Das Investmentbanking spielte aufgrund einer geringeren Anzahl an Börsengängen und Wertpapierausgaben sowie dem Ende des Aktien-Booms deutlich weniger Geld ein. Auch im Privatkundengeschäft brach der Gewinn ein. Dass JPMorgan ankündigte, für 30 Milliarden Dollar eigene Aktien zurückkaufen, beeindruckte Anleger zunächst wenig.

sio/Reuters
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