Samstag, 20. Juli 2019

Drittes Quartal Wall-Street-Banken scheffeln wieder Milliarden

Die US-Banken machen wieder gute Geschäfte - auch dank erheblicher Kursschwankungen an der Börse

JP Morgan, Citigroup, Wells Fargo - US-Großbanken verdienen im dritten Quartal prächtig und weisen Milliardengewinne aus. Sie profitieren von einer erstarkenden US-Wirtschaft und florierendem Anleihenhandel. Das erhöht die Erwartungshaltung an die Deutsche Bank.

New York - Die größte US-Bank JP Morgan Chase Börsen-Chart zeigen strampelt sich allmählich von den Lasten ihrer unzähligen Rechtsstreitigkeiten frei. Das Institut verdiente im vergangenen Quartal unter dem Strich 5,6 Milliarden Dollar (4,4 Milliarden Euro). Vor einem Jahr hatte noch ein Verlust von 380 Millionen Dollar zu Buche gestanden.

Die Zahlen der größten US-Bank werden am Markt stets mit Spannung erwartet. Im Vorjahresquartal hatte ein Bußgeld von gut 13 Milliarden Dollar wegen umstrittener Hypothekengeschäfte für rote Zahlen gesorgt.

Juristische Baustellen belasteten das Ergebnis auch zwischen Juli und Ende September. Mit 1,1 Milliarden Dollar (868 Millionen Euro) fielen die Ausgaben höher aus als in den Quartalen zuvor.

Zugleich aber konnte das Institut mit einem florierenden Tagesgeschäft glänzen, vor allem in der Investmentbank: So stiegen die Einnahmen im Geschäft mit festverzinslichen Wertpapieren im Vergleich zum Vorjahr um 2 Prozent auf 3,5 Milliarden Dollar. Selbst zum Vorquartal gab es ein kleines Plus, obwohl die Sommermonate wegen der Urlaubssaison traditionell etwas ruhiger sind.

Rechnet angesichts einer anziehenden Konjunktur in den USA mit weiterhin guten Geschäften im Heimatmarkt: JP Morgan-Chef Jamie Dimon
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Rechnet angesichts einer anziehenden Konjunktur in den USA mit weiterhin guten Geschäften im Heimatmarkt: JP Morgan-Chef Jamie Dimon
Dabei spielte der Bank in die Karten, dass die Schwankungen an den Märkten im September wieder angezogen sind - nachdem im Anleihehandel wegen der anhaltenden Niedrigzinsen lange Zeit Flaute herrschte. Das dürfte auch der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigen Hoffnung machen. Ihre Zahlen werden am 29. Oktober erwartet.

Aber anders als in Europa ist die US-amerikanische Wirtschaft wieder angesprungen und die Krise auf dem Immobilienmarkt überwunden. Damit haben die US-Banken mehr Chancen auf echtes Neugeschäft, während viele Geldhäuser diesseits des Atlantiks noch mit dem Abbau von Problemkrediten beschäftigt sind.

JP Morgan rechnet auch künftig mit guten Geschäften in den USA. Die Wirtschaft im wichtigen Heimatmarkt verbessere sich stetig, sagte Bankchef Jamie Dimon. Hier sehe es viel positiver aus als für die Weltwirtschaft.

Auch Citigroup und Wells Fargo steigern den Gewinn

Die US-Großbank Citigroup hat im dritten Quartal vom Aufschwung der US-Wirtschaft und von wieder besseren Geschäften im Investmentbanking profitiert. Im dritten Quartal stieg der um Sonderfaktoren bereinigte Nettogewinn um 13 Prozent auf 3,67 Milliarden Dollar, teilte das Institut am Dienstag mit. Das war etwas besser als von Analysten erwartet.

Zuwächse gab es vor allem im Geschäft mit dem Handel von Anleihen und Währungen. Von dieser Entwicklung profitierte auch die größte US-Bank JPMorgan.

Nach mehreren schwächeren Quartalen profitierte das Institut nun von den wieder größeren Schwankungen an den Kapitalmärkten. Zudem macht sich die gute Lage der US-Wirtschaft bezahlt. Viele Amerikaner können nun ihre Kredite wieder regelmäßiger bedienen.

Um die Profitabilität weiter zu steigern, will sich die Bank vom Privatkundengeschäft in weiteren elf Ländern trennen. Die deutschen Aktivitäten hatte das Institut bereits 2008 an die französische Credit Mutuel verkauft, die das Geschäft nun unter der Marke Targobank weiterführt.

Auch der Wettbewerber Wells Fargo hat dank Verbesserungen im wichtigen Hypothekengeschäft mehr verdient. Der Nettogewinn stieg im dritten Quartal um knapp 2 Prozent auf 5,4 Milliarden Dollar, wie das Institut aus San Francisco mitteilte.

rei/rtr

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