US-Banken Milliardengewinne im vierten Quartal

Erfolgreiches Jahresende für JP Morgan, Citigroup und Wells Fargo: Die drei US-Banken melden Milliardengewinne.
Citigroup-Chefin Jane Fraser: Unter ihrer Führung hat die Bank einen Umbau eingeleitet und trennt sich von Privatkunden-Sparten außerhalb der USA

Citigroup-Chefin Jane Fraser: Unter ihrer Führung hat die Bank einen Umbau eingeleitet und trennt sich von Privatkunden-Sparten außerhalb der USA

Foto: Erin Scott / REUTERS

Der US-Bankenprimus JP Morgan hat im Schlussquartal 14 Prozent weniger Gewinn erzielt. JP Morgan erwirtschaftete von Oktober bis Dezember einen Gewinn von 10,4 Milliarden Dollar, nach 12,1 Milliarden Dollar vor Jahresfrist, wie die größte US-Bank am Freitag mitteilte. Während das Geschäft mit Fusionen und Übernahmen florierte, entwickelte sich insbesondere das Handelsgeschäft im Schlussquartal schwächer. Im vorbörslichen Handel verlor die JP-Morgan-Aktie rund drei Prozent.

Amerikanische Großbanken profitierten zuletzt auch von gestiegenen Konsumausgaben der Verbraucher. "Die Wirtschaft entwickelt sich weiterhin recht gut, trotz des Gegenwinds durch die Omikron-Variante, Inflation und Engpässen in der Lieferkette", sagte Vorstandschef Jamie Dimon. Die Kreditqualität sei weiterhin gut und die Nachfrage nach Darlehen sei gestiegen. Die Bank löste 1,8 Milliarden Dollar an Rückstellungen für faule Kredite auf, die sie wegen der Corona-Krise gebildet hatte. Die Einnahmen von JP Morgan stagnierten nahezu bei 30,3 Milliarden Dollar.

Citi trennt sich von Privatkunden-Sparten außerhalb der USA

Der US-Finanzkonzern Citigroup hat zum Jahresende angesichts eines schwächeren Handelsgeschäfts und höherer Kosten weniger verdient. Im vierten Quartal fiel der Nettogewinn im Jahresvergleich um rund 26 Prozent auf 3,2 Milliarden Dollar (2,8 Milliarden Euro), teilte das Geldhaus am Freitag in New York mit. Die Erträge die Citigroup um ein Prozent auf 17,0 Milliarden Dollar.

Deutliches Wachstum gab es im Investmentbanking, das von vielen Börsengängen, Fusionen und Übernahmen profitierte. Anleger reagierten dennoch enttäuscht und ließen die Aktie der Citigroup  vorbörslich zeitweise um knapp vier Prozent sinken.

Unter den Erwartungen blieb in den drei Monaten bis Ende Dezember besonders das wichtige Geschäft mit Anleihen, Devisen und Rohstoffen, zudem sanken auch die Erlöse im Aktienhandel überraschend. Außerdem litt die Bilanz unter gestiegenen Kosten. Die Citigroup ist schon länger auf Spar- und Schrumpfkurs - die US-Bank hatte erst am Mittwoch angekündigt, ihr Privatkundengeschäft in Mexiko aufzugeben. Am Freitag kündigte sie an, das Privatkundengeschäft in Indonesien, Malaysia, Thailand und Vietnam für 3,7 Milliarden Dollar an den in Singapur ansässigen Rivalen United Overseas Bank zu verkaufen.

Im Gesamtjahr 2021 verbuchte die Citigroup trotz des schwächeren Schlussquartals einen Gewinnanstieg um 99 Prozent auf knapp 22 Milliarden Dollar. Das lag jedoch vor allem daran, dass die aufgrund der Corona-Pandemie gebildete Risikovorsorge für Ausfall-bedrohte Kredite wieder deutlich heruntergefahren werden konnte. Insgesamt gingen die Erträge um fünf Prozent auf 71,9 Milliarden Dollar zurück.

Wells Fargo steigert Gewinn überraschend stark

Schwindende Sorgen wegen fauler Kredite haben der US-Bank Wells Fargo auch Ende 2021 einen Gewinnsprung beschert. Im vierten Quartal verdiente das Geldhaus 5,75 Milliarden US-Dollar (rund 5,0 Milliarden Euro) und damit 86 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, teilte sie am Freitag in San Francisco mit. Für das Gesamtjahr steht mit 21,5 Milliarden Dollar insgesamt ein Überschuss ähnlich hoch wie bei der Citigroup zu Buche. Im Corona-Jahr 2020 hatte Wells Fargo gerade einmal 3,4 Milliarden verdient. Diesmal schnitt sie zudem deutlich besser ab als von Analysten im Schnitt erwartet.

Wie bei vielen anderen Banken lag der Gewinnsprung vor allem an den Rückstellungen für drohende Kreditausfälle. So hatte Wells Fargo wegen der Krise im Jahr 2020 insgesamt 14,1 Milliarden Dollar in die sogenannte Risikovorsorge gesteckt. Ein Jahr darauf konnte das Institut aus dem Topf wieder fast 4,2 Milliarden Dollar herausnehmen, weil sich die wirtschaftliche Lage und damit die Kreditausfälle nicht so dramatisch entwickelten wie zu Beginn der Pandemie befürchtet. Dies ließ den Gewinn merklich steigen.

Während Wells Fargo beim Zinsüberschuss im Gesamtjahr deutliche Rückgänge verzeichnete, legten andere Erträge wie Gebühren und Provisionen zu. Im vierten Quartal übertrafen die gesamten Erträge die durchschnittlichen Erwartungen von Branchenexperten, im Gesamtjahr stiegen sie um knapp sechs Prozent auf 78,5 Milliarden Dollar.

cr, rei/dpa-afx/Reuters
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