Rekordvergleich in USA Hedgefonds-Stars büßen mit Milliarden für Steuertrick

Der Steuerstaat zeigt Zähne gegen die Wall Street: Laut mehreren Berichten stimmten die Hedgefonds-Stars um Jim Simons und Bob Mercer von Renaissance Technologies jetzt einem Rekordvergleich mit der Finanzbehörde IRS zu.
Nicht mit dem Finanzamt gerechnet: Renaissance-Mitgründer Jim Simons (im Bild von 2017 mit Ehefrau Marilyn Simons) gilt als Renditekönig der Wall Street und Mathematikgenie

Nicht mit dem Finanzamt gerechnet: Renaissance-Mitgründer Jim Simons (im Bild von 2017 mit Ehefrau Marilyn Simons) gilt als Renditekönig der Wall Street und Mathematikgenie

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Paul Bruinooge / Patrick McMullan via Getty Images

Manager einer New Yorker Hedgefondsgesellschaft begleichen einen langjährigen Streit mit den US-Steuerbehörden mit rund sieben Milliarden Dollar. Die Zeitungen "Wall Street Journal" , "New York Times"  und "Financial Times"  berichteten am Donnerstag übereinstimmend, dass Insider der Fondsgesellschaft Renaissance Technologies dem wohl größten Steuervergleich der US-Geschichte zugestimmt haben.

Zu den Beteiligten zählen Renaissance-Mitgründer Jim Simons (83) und der langjährige Firmenchef Robert Mercer (75) mitsamt ihren Ehefrauen. Simons zahle außerhalb des Vergleichs zusätzlich noch 670 Millionen Dollar, hieß es in den Berichten. Beide zählen zu den größten Spendern der US-Politik, aber auf unterschiedlichen Seiten: Simons, der zum Jahreswechsel seinen Posten als Renaissance-Chairman abgab, unterstützt traditionell die Demokratische Partei von Präsident Joe Biden. Mercer hingegen gilt als einer der Hauptfinanziers des republikanischen Vorgängers Donald Trump sowie von extrem rechten Medien wie Breitbart und der Brexit-Kampagne des britischen Politikers Nigel Farage.

Renaissance hat die Anlageklasse der quantitativen Investments begründet, deren Entscheidungen auf Computeralgorithmen beruhen, um Ineffizienzen am Kapitalmarkt auszunutzen. Mathematiker Simons, der vor seiner Wall-Street-Karriere für den Geheimdienst NSA Codes entschlüsselte, stellte vorwiegend Mathematiker, Informatiker und Naturwissenschaftler für seine Finanzfirma ein, die über Jahrzehnte die Renditen anderer Hedgefonds in den Schatten stellte. Der für das breite Anlagepublikum geschlossene Fonds Medallion wuchs auf ein Vermögen von mehr als 100 Milliarden Dollar.

Deutsche Bank beteiligt

Den Berichten zufolge deckt der Vergleich Transaktionen der Jahre 2005 bis 2015 ab. Bereits 2014 war ein Bericht eines Senatsausschuss zu dem Schluss gekommen, der Renaissance-Fonds Medallion habe durch das Verschieben kurzfristiger Kapitalmarktgewinne in als langfristig deklarierte Anlageprodukte den Fiskus um 6,8 Milliarden Dollar gebracht. Diese "Korboptionen" hätten den Steuersatz von 39 Prozent auf 20 Prozent gesenkt. Die Deals wurden unter anderem von den Banken Barclays und Deutsche Bank strukturiert. Demokraten und Republikaner in Washington verurteilten die Praxis. Der im Juli verstorbene demokratische Senator Carl Levin, der damals den permanenten Untersuchungsausschuss führte, sprach von einem "Tun-wir-so-als-ob-Spiel", das die Staatskasse um Milliardeneinnahmen bringe und zudem Regeln umgehe, die dem Schutz der Wirtschaft vor übermäßiger Kreditfinanzierung von Börsenspekulationen dienen.

Renaissance und die Steuerbehörde IRS hatten seit Jahren über den Fall verhandelt. Beide gaben zunächst keinen Kommentar zu den Berichten ab. "Wir haben uns jahrelang im IRS-Beschwerdeverfahren angestrengt, in dem wir energisch die Korrektheit der Steuererklärungen von Medaillon verteidigten", zitiert das "Wall Street Journal" aus einem Brief des aktuellen Renaissance-Chefs Peter Brown (67) an die Anleger. "Schließlich kam der Aufsichtsrat von Renaissance zu dem Schluss, dass den Interessen unserer Investoren aus der betreffenden Periode am besten gedient wäre, wenn wir diesem Vergleich mit dem IRS zustimmen, anstatt ein schlechteres Ergebnis zu riskieren."

Eine Gruppe von Investoren, die aus den damaligen Vorstandsmitgliedern und deren Ehepartnern besteht, müsse nach dem Vergleich sämtliche Gewinne aus den Optionen als kurzfristige Gewinne deklarieren, die darauf fällige Steuer samt Zinsen nachzahlen und zudem ein Bußgeld leisten. Für eine andere Gruppe seien 80 Prozent der Gewinne als kurzfristig einzustufen, außer der Steuernachzahlung und Zinsen falle für sie keine Strafe an. Publikumsfonds von Renaissance sind von dem Deal nicht betroffen. Ein weiteres IRS-Verfahren gegen Renaissance läuft noch.

ak/AP
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